Deutsche Wildtier Stiftung: Zahl toter Junghasen geht in die Hunderttausende

Alle Jahre wieder vor Ostern bereitet der Landwirt den Acker für die Aussaat vor. Ackerland, auf dem Mais, Zuckerrüben und Sommergetreide angebaut werden, wird jetzt gepflügt, geeggt und bepflanzt. Auf Grünland wird der Boden gewalzt und geschleppt. Unter den tonnenschweren Maschinen, die kein Stück Land unbearbeitet lassen, sterben die Junghasen: Sie werden zerquetscht und zerstückelt, untergepflügt und von spitzen Zinken zerrissen.

Niemand zählt die „Bauernopfer“ unter den Junghasen. „Ihre Zahl geht sicher in die Hunderttausende“, vermutet Dr. Andreas Kinser, Feldhasenexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. So verwandeln sich Acker- und Grünlandflächen im Frühling in Killing-fields für Jungtiere. Und es sind nicht nur junge Feldhasen, die der Arbeit der Landwirte zum Opfer fallen: „Bodenbrüter wie Rebhuhn, Kiebitzund Feldlerche erwarten im Frühjahr die nächste Vogel-Generation. Ihre Gelege werden durch die Arbeit zerstört, die gerade geschlüpften Küken getötet“, sagt Kinser. Für Jungtiere, die vor der Gefahr nicht fliehen können, ist der Frühling die gefährlichste Zeit des Jahres.

Verluste durch landwirtschaftliche Arbeiten hat es unter Wildtiere immer schon gegeben, aber sie können bis zu einem gewissen Maße kompensiert werden. Doch durch den verstärkten Anbau von Mais zur Biogasgewinnung hat sich die Situation der Wildtiere wieder weiter verschärft. „Den Tieren fehlt es in unserer Agrarlandschaft an Hecken und Altgrasstreifen, die Jungtieren eine bessere Chance zum Überleben bieten“, so Kinser. Bei einer wildtierfreundlichen Landwirtschaft können beispielsweise Mischungen aus Wildpflanzenarten als Ergänzung zum Mais das Leben vieler Jungtiere retten. „Blütenreiche, mehrjährige Wildpflanzen müssen nicht in jedem Frühjahr neu ausgesät werden; sie bieten Wildtieren Nahrung und Deckung in den folgenden Jahren“, sagt Kinser.

Die Agrarpolitik könnte Weichen in die richtige Richtung stellen: „Wir fordern alle Bundesländer auf,  Mittel für den Anbau mehrjähriger Wildpflanzenmischungen als alternative Energiepflanzen bereitzustellen“, so Kinser. „Landwirte würden einen Ausgleich für wirtschaftliche Einbußen durch wildtierfreundliche Anbauverfahren erhalten – und die Jungtiere hätten eine Chance, das Frühjahr zu überleben.“ Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung

 

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