Brucellose – Risiko Rohmilch: Über 100 Jahre nach ihrer Entdeckung immer noch aktuell

Internationale Konferenz im Bundesinstitut für Risikobewertung diskutiert aktuellen Forschungsstand und neue Erkenntnisse

Vom 9. bis zum 12. September 2014 wird die International Brucellosis Society, in der Tiermediziner, Humanmediziner und Wissenschaftler zahlreicher anderer Disziplinen vertreten sind, zu Gast in Berlin sein. Zu diesem Kongress laden das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ein. Rund 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 40 Nationen werden aktuelle Erkenntnisse der Brucellose-Forschung austauschen und diskutieren. Mehr als 100 Jahre nach der Entdeckung der Brucellen durch Sir David Bruce auf Malta ist die Infektionskrankheit nach wie vor weltweit eine der häufigsten bakteriellen Zoonosen. Jährlich werden bis zu 500.000 Fälle neu erkrankter Menschen gemeldet. „Der bedeutendste Übertragungsweg ist der Verzehr von roher Milch und Rohmilchkäse“, erklärt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. In Mittel- und Nordeuropa wurde die Brucellose in Nutztierbeständen erfolgreich bekämpft und tritt nur noch selten auf. Ein Infektionsrisiko besteht jedoch beim Verzehr von Lebensmitteln, die vom Tier gewonnen werden und in Hochrisikogebieten wie dem Mittelmeerraum, der arabischen Halbinsel, dem Mittleren Osten, Afrika oder Mittel- und Südamerika hergestellt werden.

Brucellen sind Bakterien, die keine Sporen bilden, aber trotzdem widerstandsfähig sind. Bei Mensch und Tier können Brucellen gleichermaßen Infektionen auslösen, humanpathogen sind aber nicht alle Spezies. Brucella melitensis, der Auslöser der Schaf- und Ziegenbrucellose, ist für die meisten Infektionen des Menschen verantwortlich. Bei einer Infektion treten grippeähnliche Symptome mit Fieber, Schüttelfrost, Appetitlosigkeit und Müdigkeit auf.

Die wichtigste Maßnahme zur nachhaltigen Vermeidung von Brucelloseerkrankungen des Menschen ist die Bekämpfung der Brucellose in Tierbeständen. In Nord- und Mitteleuropa wurde die Tierbrucellose durch konsequente Überwachung und Kontrolle fast ausgerottet. Entsprechend gering ist in diesen Ländern die Anzahl der erkrankten Menschen. In einigen Anrainerstaaten des Mittelmeeres kommen Brucellen in den Tierbeständen hingegen weiterhin häufig vor. Innerhalb Europas sind insbesondere Portugal, Spanien, Süditalien, Griechenland und die Türkei betroffen.

Auf der diesjährigen internationalen Brucellose-Konferenz werden Impulse für die Forschung in den folgenden Themenfeldern erwartet:

– Taxonomie, Evolution und neue Arten
– Gene, Proteine und Stoffwechsel (Genomics, Proteomics, Metabolomics)
– Pathogen-Wirt-Interaktion
– Immunologie
– Impfung
– Diagnostik
– Brucellose bei Menschen und Haustieren
– Brucellose in Nutztieren und Lebensmittelhygiene
– Brucellose in Wildtieren

Jede der neun thematischen Sektionen wird von einem Experten eröffnet. Es folgen Vorträge und Posterpräsentationen zu den jeweiligen Schwerpunktthemen sowie Diskussionen.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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