PFC-Belastung durch Komposte auf landwirtschaftlichen Flächen

Regierungspräsidentin Nicolette Kressl hat mit Erleichterung auf die Ergebnisse reagiert, die aus Nachforschungen hinsichtlich einer möglichen PFC-Belastung landwirtschaftlich genutzter Flächen in den Landkreisen Karlsruhe, Rhein-Neckar, Ortenau sowie den Städten Karlsruhe und Heidelberg gewonnen wurden. Besorgt zeigt sich die Regierungspräsidentin über neue PFC-Funde im Bereich Hügelsheim.

„Nachdem sich der Verdacht auf Verwendung von PFC-belastetem Kompost auf Flächen im Landkreis Karlsruhe nicht bestätigt hat, kommt jetzt auch Entwarnung aus der Mehrzahl der Kreise, auf die die Recherchen zwischenzeitlich ausgedehnt waren“, so die Regierungspräsidentin.

Die Untersuchungen waren nach Hinweisen des Regierungspräsidiums Karlsruhe in die Wege geleitet worden, wonach Komposte aus einer Anlage in Oberhausen-Rheinhausen mit PFC hätte belastet sein können. Das Regierungspräsidium hatte umgehend das zuständige Landratsamt Karlsruhe und vorsorglich die benachbarten Landkreise Rhein-Neckar und Ortenau sowie die Städte Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim informiert und um Nachforschungen und Beprobungen gebeten. Die Ergebnisse in den Landkreisen Rhein-Neckar und Ortenau sowie den Städten Karlsruhe und Heidelberg ergaben keine PFC-Belastung landwirtschaftlicher Flächen. In Mannheim dauern die Nachforschungen noch an. Auch die vom Landratsamt Karlsruhe aufgrund einer gesonderten Umweltmeldung zusätzlich durchgeführten Bodenuntersuchungen im Bereich Kraichtal sind ohne Befund.

Nach wie vor Sorge bereiten die deutlichen Boden- und Grundwasserbelastungen im Stadtkreis Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt. Durch die vor Ort zuständigen Behörden erfolgte die bisherige Bearbeitung der PFC-Belastung konsequent und zielorientiert. Dabei bestimmen das Recht und die gesetzlichen Vorgaben das Handeln der Behörden. Die von behördlicher Seite durchzuführenden sogenannten orientierenden Untersuchungen auf den bislang bekannten, belasteten Flächen im Bereich Baden-Baden und Landkreis Rastatt sind weitgehend abgeschlossen.

Aktuelle Bodenuntersuchungen auf neu erhobenen Kompost-Ausbringungs-flächen haben jetzt weitere, mit PFC-belastete Böden erbracht. So wurden bei 17 untersuchten Ackerschlägen im Umfeld von Hügelsheim in 11 dieser 17 Flächen im Oberboden PFC mit zum Teil sehr hohen Gehalten festgestellt. Von vier weiteren, im Bereich von Rheinmünster-Stollhofen untersuchten Ackerschlägen, ist jetzt erstmals auch in diesem Gebiet in einer der Flächen eine PFC-Belastung im Boden festgestellt worden. Das LRA Rastatt wird im Rahmen einer orientierenden Untersuchung mögliche Auswirkungen auf das Grundwasser abklären. Brunnen zur Wasserversorgung sind im Abstrom dieser Fläche nicht vorhanden.

Derzeit stehen die nächsten Schritte, die sogenannte Detailuntersuchung, die Sanierungsuntersuchung und die Sanierungsplanung gemäß den Bodenschutzgesetzen von Bund und Land im Vordergrund. Nach geltender Rechtslage sind die zuständigen Behörden gehalten, die Detail- und Sanierungsuntersuchung gegenüber dem Störer anzuordnen. Eine erste diesbezügliche Anordnung gegen eine Firma aus dem mittelbadischen Raum wurde vom Landratsamt Rastatt bereits Mitte August 2014 hinsichtlich belasteter Flächen im Raum Hügelsheim erlassen; eine weitere Anordnung für den Raum Niederbühl-Förch ist in Vorbereitung. Anordnungen von der Stadtverwaltung Baden-Baden werden folgen.

Spitzengespräch im Regierungspräsidium

Regierungspräsidentin Nicolette Kressl ist es wichtig, parallel zum gesetzlich vorgeschriebenen Vorgehen der Behörden Spitzenvertreter aus der Region an einen Tisch zu bekommen, um den gemeinsamen Austausch weiter zu intensivieren. Dazu wurde eine Koordinierungsgruppe PFC unter Beteiligung von Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen, Landrat Jürgen Bäuerle und Rastatts Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch eingerichtet.

Bei der Sitzung dieser Koordinierungsgruppe am Mittwoch, 10. September, wurden der aktuelle Sachstand ausgetauscht und die weiteren erforderlichen Schritte abgestimmt. Im gemeinsamen Auftrag der Stadt Baden-Baden und des Landkreises Rastatt wird ein erfahrenes und leistungsfähiges Fachbüro für die anstehende Sanierungsplanung eingeschaltet. Dabei wird es insbesondere um das Aufzeigen wirksamer Sanierungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Belastungsherde gehen. Die Kosten werden sich die beiden Kreise teilen. Dadurch kann parallel zu den Aufgaben, die den Störern auferlegt werden, eine Beschleunigung des Vorgehens erreicht werden. Auch das Land Baden-Württemberg bringt sich hier nochmals finanziell ein und fördert in enger Abstimmung mit den beiden hauptbetroffenen Kreisen fachgutachterliche Maßnahmen, die als Entscheidungs- und Bewertungsgrundlagen im behördlichen Vollzug dienen.

Unabhängig davon führt derzeit die LUBW auf Vorschlag des Regierungspräsidiums Karlsruhe eine Modellanpassung des Grundwassermodells des Landes im Raum Rastatt/Baden-Baden durch. Dieses sogenannte Strömungs- und Transportmodell soll nach der verfeinerten Modellanpassung Strömungsrichtungen und Laufzeiten des Grundwassers detailliert beschreiben. Mit belastbaren Ergebnissen ist bis Ende des Jahres zu rechnen.

Darüber hinaus hat das Umweltministerium angeordnet, dass zur Ermittlung der landesweiten Situation bei der Entsorgung von Papierschlämmen eine Überprüfung aller relevanten Abfallerzeuger sowie der einschlägigen Entsorgungsunternehmen durchgeführt wird.

Allen Beteiligten ist klar, dass die Lösung der PFC-Problematik kein leichter Weg ist. Es besteht Konsens, dass saniert werden muss. Dabei ist es wichtig und erforderlich, die geeigneten Maßnahmen zu klären, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Die zuständigen Stellen haben bisher alle erforderlichen Schritte eingeleitet und werden weiterhin konsequent daran arbeiten, Gefahren für Mensch und Umwelt abzuwehren.

Noch dieses Jahr wird es ein erweitertes Arbeitsgespräch unter Beteiligung aller betroffenen Städte und Kommunen sowie der Wasserversorger und des Regierungspräsidiums Karlsruhe geben. Ebenfalls noch dieses Jahr ist eine weitere Informationsveranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger geplant.

INFO: PFC ist die  Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. Sie werden u.a. als Imprägniermittel eingesetzt. Wie bei Textilien oder Teppichen, bei Pappbechern, Pizzaschachteln oder bei Wetterschutzfarben. PFC ist kaum abbaubar. Es reichert sich in der Umwelt / Organsimen an und gelangt so in die Nahrungskette.