Unsere Art zu Gehen beeinflusst, was wir uns merken

Prof. Dr. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke erforschte mit Kollegen aus Kanada den Zusammenhang von Gang und emotionalem Gedächtnis / Biofeedback könnte bei Depression helfen

Wer mit hängenden Schultern dahinschlurft, wird sich eher an negative Dinge erinnern, wer fröhlich läuft, kann sich eher positive Dinge merken – so kann man die Studie von Prof. Dr. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke zusammenfassen. Er hat sie mit Kollegen von der Kanadischen Queen’s University nun veröffentlicht. (Abstract unter http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0005791614000809)

„Viele Studien belegen, dass Bewegung bei Depressionen hilfreich ist, gehen, laufen, wandern. Wir wollten wissen, ob auch die Art des Ganges Einfluss auf depressionsrelevante Prozesse hat“, beschreibt Prof. Dr. Johannes Michalak, Psychologe an der Universität Witten/Herdecke, den Ansatz. Aus früheren Untersuchungen wissen die Forscher, wie Depressive und nicht Depressive gehen (http://biomotionlab.ca/Demos/BMLdepression.html). In der aktuellen Untersuchung haben sie das Gangmuster der Probanden (39 Studierende) so verändert, dass sie entweder fröhlicher oder depressiver gelaufen sind als normal. Dann haben sie ihnen positive (z.B. mutig, attraktiv) oder negative Wörter (z.B. langweilig, dumm) dargeboten und sie sollten entscheiden, ob sie diese Wörter beschreiben. Nach acht Minuten wurde dann ein nicht angekündigter Gedächtnistest durchgeführt. Probanden, die depressiv gelaufen sind, haben mehr negative Wörter behalten (ein Muster, das auch immer wieder bei Depressiven gefunden wird), während Probanden, die fröhlich gelaufen sind, sich mehr positive Wörter gemerkt haben.

„Das zeigt uns, dass unsere Art sich zu bewegen Auswirkung darauf hat, ob wir eher positive oder negative Informationen verarbeiten. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Körper, hier der Gangart, und der Psyche, hier der Art, welche Informationen wir uns merken. Solche Ergebnisse könnten in Zukunft dazu verwendet werden, Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen zu entwickeln, die über eine Veränderungen von körperlichen Prozessen wirken“, erklärt Michalak. Quelle: Universität Witten/Herdecke

Buchempfehlung: Vegane Schokolade von Fran Costigan

Cremig, verführerisch, schokoladig und – vegan? Endlich sind göttliche Schokoladenkuchen, saftige Brownies, raffinierte Trüffel, köstliche Puddings, zartschmelzende Eiscremes und viele weitere unwiderstehliche Versuchungen nur noch ein Rezept weit entfernt. Dieses Buch wird zum kostbaren Schatz aller leidenschaftlichen Schokoladenund Dessertfans werden.

Fran Costigan, die Königin der veganen Desserts, ist die wohl bekannteste vegane Konditormeisterin. Sie ist Perfektionistin und hat über 20 Jahre in ihrer New Yorker Lehrküche damit verbracht, Rezepte solange zu verfeinern, bis es vegane Meisterwerke wurden. Ergebnis ist dieses Werk, was in seiner Art einzigartig ist. Nach ihrer Erfahrung
ist vegane Schokolade noch unverfälschter und intensiver im Geschmack – ganz ohne Milchprodukte, Eier oder weißen Zucker.

120 himmlische und rein vegane Schokoladen-Desserts, die schon beim bloßen Gedanken das Wasser im Mund
zusammenlaufen lassen, verführen zum Nachkochen und gelingen dank Fran Costigans detaillierten Anweisungen immer perfekt.

Fran Costigans „Vegane Schokolade“ ist die Bibel der süßen, rein pflanzlichen Verführungen!
Dieses Buch wird als Liebling unter den DessertKlassikern in jede Küche Einzug halten!

Kris Carr, Bestseller-Autorin

„Vegane Schokolade“ mit 120 Rezepten, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen – auch als Nicht-Veganer.
Fran
Costigan gilt als die „Königin der veganen Desserts“ .
WO am Sonntag

316 Seiten, geb.
erschienen 2014
Best.-Nr. 16048
Gewicht: 1160g
ISBN: 978-3-944125-24-4
24,- €uro

Zigarettenrauch löst Rheuma aus

Zigarettenrauch verschlimmert eine Rheumaerkrankung nicht nur, er scheint sogar Rheuma auszulösen: Das Risiko, an Rheuma zu erkranken, ist bei Rauchern doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern, zeigt eine schwedische Studie. Direkt mit dem Risiko verknüpft ist die sowohl Menge der Zigaretten als auch die Anzahl der Jahre, über die Menschen rauchen. Welche Mechanismen zum Ausbrechen von Rheuma führen und wie Mediziner und Betroffene gegensteuern und vorbeugen können, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz anlässlich des Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. am 29. Oktober in Wiesbaden.

Neben den bei Rauchern häufigen Erkrankungen wie Lungen- und Gefäßschäden steht Zigarettenrauch schon lange im Verdacht, auch verschiedene entzündliche Gelenk- und Bindegewebserkrankungen wie rheumatoide Arthritis, also Gelenkrheuma, auszulösen. Wie bei jeder Autoimmunerkrankung richtet sich auch bei Rheuma die körpereigene Abwehr gegen den Körper selbst, anstatt diesen vor Schäden von außen zu schützen. Diese fehlgeleitete Immunabwehr ruft entzündliche Prozesse hervor – in Gelenken, Organen, Muskeln oder auch Blutgefäßen. Bei rheumatoider Arthritis wenden sich die „Antikörper“ gegen bestimmte Eiweiße in den Geweben, die sogenannten citrullinierten Peptide. Stoffe im Zigarettenrauch begünstigen die Bildung dieser Eiweiße. Auf diese Weise kann Rauchen die entzündliche Gelenkerkrankung hervorrufen oder sie verschlimmern. „Das ist kein Prozess von Tagen oder Wochen – wir wissen, dass die Menge der Antikörper meistens über mehrere Jahre anwächst“, sagt Professor Dr. med. Ulf Müller-Ladner aus Bad Nauheim im Vorfeld des Herbstsymposiums der DGIM. Ein rechtzeitiger Rauchstopp könnte eine Erkrankung möglicherweise sogar verhindern. Junge Menschen hätten es daher in Teilen selbst in der Hand, sich vor Rheuma und dessen schwerwiegenden Folgen zu schützen.

Ist Rheuma ausgebrochen, verläuft es bei rauchenden Patienten wesentlich aggressiver. Sie müssen mehr Medikamente einnehmen als Nichtraucher, um die entzündlichen, schmerzhaften Symptome zu lindern. Besonders schwerwiegend sei die Situation bei Rheuma-Erkrankungen, die die Blutgefäße mitbetreffen, den sogenannten Vaskulitiden: „Die durch das Rauchen ausgelöste Gefäßverengung und -versteifung, verläuft bei dieser Erkrankung um ein vielfaches schwerer und führt häufiger zum Tod“, erläutert Prof. Müller-Ladner, der Direktor der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim.

„Dass Rauchen Rheuma verschlimmert, wissen wir seit längerem“, sagt Prof. Müller-Ladner, „dass es die Krankheit nach neuesten Erkenntnissen sogar auszulösen scheint, sollte vor allem Betroffene dazu bringen, sofort auf Zigaretten zu verzichten, auch wenn es sehr schwer fällt.“ Unter dem Motto „Vorbeugen oder Behandeln – Wohin geht die Innere Medizin“ diskutieren Vertreter der DGIM, aus Gesundheitswesen, Medizin und Industrie anlässlich des Herbstsymposiums der DGIM. Sie erörtern in diesem Rahmen auch, welchen Weg Forschung, Klinik und Praxis sinnvollerweise wählen, um Krankheiten wie Rheuma wirksam zu begegnen. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V

Weitere Informationen zur Studie unter: http://arthritis-research.com/content/15/2/R56

Enzyme in der Lebensmittelindustrie – Max Rubner-Konferenz 2014

Der Einsatz von Enzymen ist aus der Lebensmitteltechnologie nicht mehr wegzudenken. Bei der Herstellung von Backwaren, Getränken, Milchprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln werden Enzyme ebenso eingesetzt, wie bei der Optimierung von Fetten und Ölen für deren verschiedene Verwendungsbereiche. Häufig ersetzen Enzyme dabei chemische Stoffe, vereinfachen Verfahren oder machen Produktionsprozesse effizienter. Den Stand des Wissens und der Forschung auf dem Gebiet präsentierte vom 6. bis zum 8.10. ein internationales Referenten-Panel im Rahmen der Max Rubner Conference 2014 „Enzymes in Food Processing“.

Die Herstellung von Lebensmitteln unter Verwendung der katalytischen Eigenschaften von endogenen Enzymen hat eine lange Tradition. Die ersten Anwendungen, wie Brotbacken, Bierbrauen, Käse- oder Wein-Produktion geht auf die Zeit um 6000 v. Chr. zurück. Doch erst im späten 19. Jahrhundert hat die Lebensmittelindustrie begonnen, Enzyme bewusst bei der Lebensmittelherstellung einzusetzen. Nach den ersten Versuchen auf dem Gebiet setzte schon bald eine stürmische Entwicklung ein. Doch auch wenn sich die Verwendung von Enzymen bei der Lebensmittel- und Futtermittelherstellung längst etabliert hat, gibt es aktuell umfangreiche Forschungsaktivitäten, um den Enzymeinsatz effektiver zu machen und den Einsatzbereich dieser Biokatalysatoren zu erweitern. Neue Möglichkeiten ergaben sich hier auch durch erhebliche Fortschritte im Proteinengineering und -design in den letzten Jahren. Die Max Rubner Conference, unter Federführung des von Dr. Ralf Greiner geleiteten Instituts für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik, bot einen aktuellen Überblick über die Anwendungen von Enzymen in der Lebensmittelbranche.

Ein positives Bild der Verwendung von Enzymen in der Lebensmittelproduktion entwarf Hans Peter Heldt-Hansen von Novozymes in Dänemark. Er führte vor allem die Möglichkeit aus, mit dem gezielten Einsatz dieser Bio-Katalysatoren die Bildung unerwünschter Nebenprodukte zu reduzieren. Durch die Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten von Enzymen, etwa weil hitzestabilere oder pH-tolerantere Enzyme verwendet werden, können Herstellungsverfahren mitunter stark vereinfacht beziehungsweise effizienter gestaltet werden, was unter anderem hilft Energie und den Einsatz prozessbegleitender Chemikalien einzusparen. Heldt-Hansens These ist, dass Aspekte, die sich bisher eher als zufällige positive Begleiterscheinung der Enzym-Nutzung ergeben haben, wie die Verbesserung der Nachhaltigkeit von Prozessen oder die Verringerung von Gesundheitsrisiken heute zunehmend in den Vordergrund rücken. Als Beispiel führte er dabei insbesondere die Verringerung der Acrylamid-Entstehung bei der Kaffee-Röstung, der Herstellung von Frühstücksflocken oder von Pommes frites aus. Bei Letzteren soll die Reduktion durch den Einsatz von Enzymen immerhin bis zur Hälfte des Acrylamid-Gehalts betragen.

Für die Milchtechnologie sind vor allem die Enzyme interessant, die Laktose, Fett oder Eiweiß umsetzen. Um Prozesse zu optimieren oder neue Prozesse, etwa zur Erzeugung von Präbiotika, zu kreieren, ist es nötig nach Enzymen zu suchen, die zum einen im Rohstoff Milch schnell und effizient reagieren und zum anderen in den für die Lebensmittelindustrie üblichen Temperatur- und pH-Bereichen der Produktion einsetzbar sind. Dafür hat sich Prof. Lutz Fischer von der Universität Hohenheim auf das Screening von Wildtyporganismen auf Enzyme spezialisiert, die interessante Eigenschaften für eine Applikation im Lebensmittelbereich aufweisen. Mit ihrer Hilfe könnten unter Umständen auch ganz neue Produkte hergestellt werden. Als Beispiel nennt Fischer das Enzym Beta-Galaktosidase, das einen Prozess katalysiert bei dem aus der Spaltung von Laktose im Beisein von Fruchtzucker der Zucker „Lactulose“ entsteht, dem der Wissenschaftler eine präbiotische Wirkung zuschreibt.

Aber auch die Veränderung von Produktionsprozessen innerhalb der Wirtschaft kann den Bedarf nach „neuen“ Enzymen befördern, erläuterte Prof. Klaus Lösche vom ttz Bremerhaven. So sind für den Umgang mit den im Backgewerbe mittlerweile üblichen vorgefertigten und tiefgefrorenen „Teiglingen“ Enzyme nötig, die anders als die traditionellen endogenen Enzyme der Hefe kalte Temperaturen überstehen und dabei in genau der richtigen Geschwindigkeit arbeiten, damit im Teig nicht vorzeitig das Substrat verbraucht und der Teigling so verändert wird, dass er nach dem Auffrieren nicht mehr zum gewünschten Produkt ausbackbar ist. Die Enzyme können dabei nicht nur beim Backvorgang wirksam sein, sondern unter anderem schon bei der Lagerung den Pilzbefall unterdrücken. Auch um neue Ansprüche an die Backwaren gerecht zu werden, wenn diese beispielsweise besonders reich an Ballaststoffen oder glutenfrei sein sollen, sind Enzyme erforderlich und in zunehmender Auswahl vorhanden.

Gerade beim Backen, aber auch in anderen lebensmitteltechnologischen Prozessen sind Fette mit exakt definierten Eigenschaften erforderlich, die etwa eine bestimmte Härte oder Schmelzpunkte von Cremes oder ähnlichem erzeugen können. Diese strukturierten Fette können mit Hilfe von Lipasen, dem enzymatischen Mittel der Wahl, erzeugt werden – einer der am häufigsten eingesetzten Enzym-Gruppe, wie Prof. Marek Adamczak von der Universität Warmia und Mazury in Olstyn, Polen, ausführt. Die enzymatische Umesterung ersetzt den Prozess der Herstellung von Spezialfetten aus Triglyceriden durch Hydrierung, bei dem die gesundheitsschädlichen Transfettsäuren entstehen.

Ein auch in der Öffentlichkeit bekanntes Enzym ist die Transglutaminase, der Arash Sadeghi-Mehr vom Standort Kulmbach des Max Rubner-Instituts seinen Vortrag widmete. Ob verbinden oder texturieren, die Transglutaminase ist für viele Prozesse einsetzbar. Früher aus der Leber von Meerschweinchen gewonnen, ist die mikrobielle Transglutaminase nicht nur tierfreundlich zu gewinnen, sondern ist auch zugleich stabiler, reaktions-schneller und hat vor allem ein breiteres Wirkungsspektrum. Anders als in der Öffentlichkeit bekannt, wird die Transglutaminase längst nicht nur beim berühmt gewordenen „Klebeschinken“ eingesetzt, sondern kann etwa auch die cremige Konsistenz von Jogurt erzeugen oder die Struktur von Backwerk verbessern. Eine Anwendung der Zukunft könnte sein, aus Eiweiß essbare Folien herzustellen, die Obst und Gemüse frisch halten…

Um die Phosphat-Nutzung zu verbessern, werden Phytasen eingesetzt. Durch den hydrolytischen Abbau von Phytat wird Phosphat freigesetzt, das dem Organismus dann zur Verfügung steht. Dr. Ralf Greiner vom Max Rubner-Institut, erläuterte, dass Phytasen bislang insbesondere als Futtermittelzusatz bei Nicht-Wiederkäuern (Monogastriern) eingesetzt werden, um das organisch gebundene Phosphat der Pflanzen für die Tiere nutzbar zu machen. Doch werde das Enzym wegen seiner positiven Wirkung auf die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen und Spurenelementen auch für die menschliche Ernährung zunehmend interessant. Greiner beschrieb die verschiedenen Strategien zur Nutzung der in den Rohstoffen vorhandenen natürlichen Phytaseaktivität während der Lebensmittelherstellung –bislang hat aber noch kein Phytase-Produkt für den Lebensmittelbereich Marktreife erzielt.

Prof. Ralf Berger von der Universität Hannover führte den Speisepilz (Basidiomyceten) als alternative „Enzymfabrik“ ein, die allerdings bislang kaum genutzt sei. Vorteil der Pilze sei, dass sie im Bioreaktor problemlos vermehrt werden und die Ausbeute entsprechend gesteuert werden könnte. Berger stellte als von Pilzen gebildete Enzyme Peptidasen vor, die Lebensmittel verdicken können oder zur Minderung der Zöliakie-Symptomatik durch Spaltung des Glutens genutzt werden. Doch das Spektrum der nutzbaren Enzyme aus Pilzen ist noch viel größer: Selbst Peptidasen, die ein kalt erzeugtes Suppengewürz-Aroma oder gar Raucharomen erzeugen können, wobei aber im Gegensatz zu echtem Rauch keine gesundheitsschädlichen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen, sind aus Pilzen zu gewinnen, ebenso wie Laccasen, die Polysaccharide oder Proteine gelieren lassen.

Wenn Enzyme in Kapseln und in Gele eingeschlossen oder fest an Trägermaterialien gebunden werden, spricht man von Immobilisierung der Enzyme. Wie Prof. Marie Walsh von der Utah State University, USA, ausführte, gibt es gegenwärtig nur wenige Anwendungen dieser Technologie, die schon seit den 1970er Jahren bekannt ist. Trotz einer ganzen Reihe möglicher Anwendungen hat sich die Methode vor allem bei der Herstellung von Fruktosesirup bzw. High Fructose Corn Syrup (HFCS) aus Mais durchgesetzt. Während früher starke Säuren zugesetzt werden mussten und mehrere aufwendige Verfahrensschritte erforderlich waren, übernehmen nun Enzyme effizient und kostengünstig die drei Schritte der Stärkeverflüssigung, Stärkeverzuckerung und Isomerisierung. Durch die Möglichkeit, die Enzyme so auszuwählen, dass sie die Stärkemoleküle an genau definierter Stelle aufspalten, lässt sich der Prozess gut steuern. Der Einsatz von Enzymen hat die Herstellung des Fruktosesirups erst wirtschaftlich interessant gemacht – und der Einsparprozess sei noch nicht abgeschlossen, meint Prof. Walsh. Derzeit würden 90 Millionen Tonnen HFCS in den USA hergestellt.

Für das Auffinden und die Vorbereitung der Nutzung von Enzymen gibt es verschiedene Wege, die von mehreren Referenten vorgestellt wurden. Dr. Patrick Lorenz von AB Enzymes GmbH stellte die Entwicklung der entsprechenden Industrie vor. Einer der ersten Protagonisten auf dem Gebiet war Wilhelm Kühne, der 1877 das Trypsin entdeckte und dabei auch den Namen Enzym, aus dem Griechischen von „in Hefe“ prägte. Lorenz stellte die Vor- und Nachteile der Nutzung von „Wild-Typen“ denen der gezielt gentechnisch „hergestellten“ Enzyme gegenüber. Während bei der ersten Gruppe mitunter durch den Faktor Zufall neue Nutzungsmöglichkeiten oder verbesserte Eigenschaften entdeckt werden können, was bei den gezielt produzierten Enzymen eher unwahrscheinlich ist, spricht für die gezielte Herstellung von Enzymen, das für ihre Synthese keine schwer kalkulierbaren biologischen Systeme erforderlich sind. Ein weiterer wesentlicher Vorteil der gentechnisch produzierten Enzyme ist die Reinheit der Ausbeute. So können bei der Verwendung von Wild-Typen in der Regel keine reinen Enzym-Präparate erwartet werden. Ein Drittel der heute eingesetzten Enzyme werden durch Nutzung von Bakterien hergestellt, wobei jeder Hersteller seine „eigenen“ Stämme der Mikroorganismen nutzt. Am Rande stellte Lorenz auch die gesetzlichen Regelungen für die Enzym-Produktion und den Einsatz vor. Die Rolle der Sicherheitsbewertung und bei der Zulassung von Enzymen durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) präsentierte im Anschluss Dr. Anne Theobald im Detail.

Auf ein Risiko des Enzym-Einsatzes verwies Prof. Ingrid Sander von der Universität Bochum: insbesondere Personen, die mit der Herstellung von Enzymen oder besonders intensiv mit diesen in den Ausgangsstoffen für bestimmte Herstellungsprozesse konfrontiert sind, können Allergien gegen Enzyme entwickeln. Schon 1960 wurden entsprechende allergische Reaktionen wie Asthma, sonstige Atemwegserkrankungen oder Hautausschläge bei Beschäftigten in der Industrie beobachtet. Um nachzuweisen, dass tatsächlich ein Enzym Auslöser für die Reaktion ist, wurde an der Bochumer Universität ein Test entwickelt, der – entsprechend üblicher Allergietests – auf die Bindung des Enzym-Proteins an Antikörper setzt. Ist die Allergie nachgewiesen kann mit vergleichsweise einfachen Mitteln, etwa einem der Situation angepassten Atemschutz, häufig bereits eine Erleichterung für den Betroffenen erreicht werden.

Rund 100 Teilnehmer folgten den Ausführungen der Experten und diskutierten die Beiträge intensiv. Diskussionen, die dank der zahlreichen Experten im Publikum aus den verschiedensten Fachrichtungen ganz wesentlich zum Erfolg der wissenschaftlichen Konferenz beigetragen haben.

Mobil und fit bis ins hohe Alter

Mit dem Alter lassen Kraft und Koordinationsfähigkeit nach, das Gleichgewichtsgefühl schwindet, Stürze werden häufiger. Nach gängiger Meinung ist dieser körperliche Degenerationsprozess schicksalhaft und unumkehrbar. Dass dies keineswegs so ist und dass es vielfältige Formen der Prävention gibt, will in den nächsten fünf Jahren das europäische Forschungskonsortium SPRINTT zeigen, an dem auch eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Cornel Sieber vom Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt ist. SPRINTT hat ein Gesamtvolumen von 48 Millionen Euro, das Teilprojekt an der FAU wird mit 1,4 Millionen Euro gefördert.

Jeder Mensch wünscht sich Mobilität und rege Teilhabe am sozialen Leben bis ins hohe Alter. Und dennoch sind viele ältere Menschen auf die Hilfe Dritter angewiesen. Gebrechlichkeit und Muskelschwund sind die Hauptursachen für den Verlust von Autonomie und Lebensqualität. Denn wer gebrechlich ist, wird auch anfällig für andere Erkrankungen, stürzt häufig, wird oft stationär behandelt und muss schließlich in einer Pflegeeinrichtung betreut werden. Bis jetzt gibt es für diese altersbedingte Degeneration keine allgemein anerkannte Behandlungsmethode. „Dabei haben wir erste wissenschaftlich fundierte Hinweise dafür, dass die Mobilität beispielsweise durch gezielte Bewegungsprogramme sehr lange erhalten werden kann“, sagt Dr. Ellen Freiberger vom IBA.

Schwellenwerte für Muskelschwund
Im Prinzip weiß zwar jeder, dass regelmäßige Bewegung und Sport fit halten, aber die Akzeptanz ist gerade im hohen Alter gering. „Deshalb wollen wir daran arbeiten, dass ältere Menschen ihre schwindende Mobilität nicht einfach als unabwendbares Schicksal hinnehmen“, sagt Prof. Dr. Cornel Sieber. „Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Hausärzte. Sie haben eine große Autorität und können ihre Patienten dazu ermutigen, etwas für ihre Ausdauer und Beweglichkeit zu tun.“ Ein erster Schritt, die Ärzte dabei zu unterstützen, wäre eine klare medizinische Definition von Muskelschwund. Denn dann wäre auch eine entsprechende Diagnose möglich, an die sich gezielte therapeutische Maßnahmen anschließen könnten. Deshalb ist es eines der Ziele der an SPRINTT beteiligten Forscher, Schwellenwerte festzulegen, die eindeutig anzeigen, wann der Verlust von Muskelmasse eine medizinische Behandlung rechtfertigt.

Suche nach genetischen Faktoren
„Es geht uns dabei allerdings nicht nur um die Muskelmasse“, erklärt Ellen Freiberger. „Die Muskelfunktion ist mindestens genauso wichtig. Denn es gibt ja Menschen, die noch nie starke Muskeln hatten, deren Koordination – also die Fähigkeit, die Muskeln anzusteuern – aber hervorragend ist.“ Aus diesem Grund sollen in die Definition der Schwellenwerte mehrere Faktoren einfließen. Die Biomediziner messen beispielsweise auch die Handkraft, die Gehgeschwindigkeit und das Gleichgewichtsgefühl. Außerdem ist bisher noch ungeklärt, ob etwa genetische Faktoren eine Rolle spielen. Deshalb werden bei den Teilnehmern der Studie auch Blutproben genommen, um eventuell genetische Marker zu identifizieren, die Rückschlüsse auf Beginn und Verlauf des Mobilitätsverlustes im Alter zulassen.

Bewegungsprogramme für Menschen über 70
Insgesamt 1500 Menschen in acht europäischen Ländern werden an der Studie teilnehmen, darunter 100 aus Nürnberg und Umgebung. Zielgruppe sind Probanden, die über 70 Jahre alt und noch mobil sind, aber erste Anzeichen von motorischen Einschränkungen an sich feststellen. Typisch dafür sind etwa Probleme beim Treppensteigen oder nachlassendes Tempo und mangelnde Ausdauer beim Gehen. Die Teilnehmer werden dann in einem Zeitraum von zwei Jahren intensiv betreut. Sie nehmen beispielsweise an gezielten Bewegungsprogrammen teil. Dabei werden die Veränderungen der körperlichen Funktionen genau gemessen, um sie dann mit den Daten der Vergleichsgruppen in den anderen Ländern statistisch auswerten zu können. „Am Ende des Projekts in fünf Jahren werden wir über eine evidenzbasierte Definition von Muskelschwund und Gebrechlichkeit verfügen“, sagt Prof. Sieber. „Damit sind wir dann auch auf einem guten Weg zu einer wirkungsvollen und standardisierten Therapie für den Erhalt von Mobilität bis ins hohe Alter.“

1,4 Millionen Euro für FAU-Institut
Insgesamt ist das Projekt mit mehr als 48 Millionen Euro für fünf Jahre ausgestattet. Die Hälfte davon steuert die Europäische Kommission in Form von Geldern für die Universitätsinstitute und öffentlichen Forschungseinrichtungen bei, die andere Hälfte leisten die beteiligten Mitgliedsunternehmen der EFPIA – der Interessenvertretung der europäischen Pharmaindustrie – in Form von Personal- und Sachleistungen. Die Teilprojekte unter Federführung des Instituts für Biomedizin des Alterns der FAU sind mit 1,4 Millionen Euro ausgestattet.

Ebolakrise bringt internationale Naturschutzpolitik in Bewegung

Die 12. UN-Vertragstaatenkonferenz der Übereinkunft über die biologische Vielfalt CBD ist zu Ende. Trotz eindrücklicher Warnung eines erneuten Scheiterns der gesetzten Ziele waren die meisten Verhandlungsergebnisse eher kleine Schritte. NeFo berichtet dazu im COP-Blog. Wie Krisen wie die derzeitige Ebola-Epidemie doch politisches Umdenken in Gang setzten können, zeigte der Programmpunkt Gesundheit. Die Tatsache, dass die Störung von Ökosystemen zur Ausbreitung von Infektionen führt und die Erhaltung intakter Lebensräume wichtige Präventionsmaßnahmen für die Weltbevölkerung darstellen, wurde anerkannt und gewürdigt. Jetzt soll mehr in die Erforschung dieser Zusammenhänge investiert werden.

Angesichts der derzeitigen Ebola-Krise wurde explizit darauf hingewiesen, dass der Verlust biologischer Vielfalt und das vermehrte Auftreten übertragbarer Krankheiten gemeinsame Ursachen haben. Das Beschlusspapier, das Vorfeld der Konferenz bestand, hatte diesen Aspekt noch nicht enthalten. Der Beschluss der COP12 lautet nun: „Die Staaten werden ermutigt, die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden für Umwelt und Gesundheit zu verbessern.“ Außerdem wird das CBD-Sekretariat aufgefordert, bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz 2016 in Mexiko verfügbare Informationen über die Zusammenhänge von Biodiveritätsverlust und Krankheitsausbrüche zusammen zu stellen und entsprechende Forschung voran zu treiben.

Zudem begrüßte die COP12 ein von CBD und WHO gemeinsam verfasstes Papier, das den so genannten „One-Health-Ansatz“ propagiert: Die menschliche Gesundheit ist nicht losgelöst von der Gesundheit der Umwelt zu betrachten. Tatsächlich zeigen Studien, dass die massive Regenwaldrodung für Landnutzung, etwa für Palmölplantagen zur Erhöhung von Infektionsraten führen können. Seit 1940 sind rund die Hälfte der neu entstandenen Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übersprangen (Zoonosen), auf Nutzung ehemaliger Wildgebiete für Landwirtschaft und Jagd zurückzuführen. Im Falle von Fledermäusen, die häufig als Überträger von Viren fungieren, untersuchen deutsche Forscher derzeit den Einfluss der Lebensraumgesundheit auf das Infektionsrisiko von Menschen (s. Artikel).

Leider haben CBD-Beschlüsse im Bereich Gesundheit keinen direkten Einfluss auf andere Verhandlungsbereiche wie Waldschutz, Landnutzung oder Klimawandel, wo direkt über menschliche Handlungen wie Rodungen, Förderung von Biosprit und nachhaltige Nutzungsformen entschieden wird. Doch gerade in den Bereichen, wo wirtschaftliche Interessen am stärksten wiegen, tut man sich nach wie vor schwer mit Politikwechseln.

Doch mit Epidemien wie Ebola werden wir künftig immer häufiger konfrontiert sein, und in einer globalisierten Welt immer häufiger auch im eigenen Land, wie erste Fälle in den Krankhäusern zeigen. „Der wirksamste Schutz davor sind Investitionen in die Verbesserung der Lebensqualität der Entwicklungsländer.“ sagt Mikrobiologe Prof. Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle.

Doch bisher halten sich diese Investitionen in Grenzen und werden biodiversitätsschädliche Agrarsysteme wie Palmöl weiter gefördert. Würde man neben den Subventionen noch die ebenfalls von der Gesellschaft getragenen Gesundheitskosten, die durch Infektionskrankheiten jährlich entstehen, einrechnen (allein die SARS-Epidemie 2003 kostete die Weltgemeinschaft geschätzte 30 bis 50 Mrd. Dollar), würden die Regenwaldrodungen sicherlich auf ein gesundes Maß reduziert.

–> COP12-Ergebnisse im NeFo-Blog von Dr. Axel Paulsch (ibn) http://www.biodiversity.de/index.php/biodiversitaet/biodiversitaet-international…

–> Artikel „One Health“ – ist die Erde gesund, ist es auch der Mensch“ von Sebastian Tilch http://www.biodiversity.de/index.php/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversitae…

Buchempfehlung: Geistig-seelische Hilfe am Lebensende

Die Diskussion um die „aktive Sterbehilfe“ ist wieder aufgeflammt. Haben unheilbar kranke Menschen das Recht auf „assistierten Suizid“ – also darauf, dass Mediziner ihnen auf Wunsch ein tödliches Mittel verabreichen? Der Moraltheologe Professor Dr. Gerhard Höver von der Universität Bonn ist Mitherausgeber eines neuen, grundlegenden Buches zum Thema. Er sagt: Am Ende ihres Lebensweges brauchen Menschen keine Giftspritze, sondern individuelle Hilfe – zum Beispiel durch das neue Konzept der „Spiritual Care“.

Eine höchst schwierige Frage kommt wieder auf die Tagesordnung: Wenn unheilbar kranke Menschen ihr Leben selbst beenden wollen – darf die Medizin sie dabei aktiv unterstützen, ihnen zum Beispiel ein tödliches Mittel verabreichen? Ein Zugeständnis an die Willensfreiheit, sagen die einen. Ein ethischer Dammbruch, sagen die anderen. Professor Dr. Gerhard Höver vom Moraltheologischen Seminar der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn ist Experte für dieses Thema. Mit seinem Team hat er dazu das neue Grundlagenwerk „Menschliche Würde und Spiritualität in der Begleitung am Lebensende“ herausgegeben: Statt für gesetzlich geregelte Sterbehilfe plädiert er dafür, sterbenden Menschen durch wirksame Schmerz- und Beruhigungsmittel, aber auch geistig und seelisch beizustehen.

Erstmals in deutscher Sprache: die US-Expertin Christina Puchalski

22 Autoren haben für das Grundlagenwerk Beiträge geliefert – Theologen und Pflegewissenschaftler, Beschäftigte aus Hospizen und Palliativstationen, aber auch Organisationsexperten und Vertreter aus Islam, Judentum und Buddhismus. Besonders stolz sind die Herausgeber „darauf, dass für das Buch zum ersten Mal ein Aufsatz von Christina Puchalski ins Deutsche übersetzt wurde“: Die amerikanische Ärztin ist nach Prof. Hövers Angaben „die kommende Größe in der weltweiten Hospizbewegung“, vergleichbar nur mit der weltberühmten Autorin Elisabeth Kübler-Ross.

„LIFE“ (Leben) heißt Puchalskis Konzept vom Tun des Menschen am Ende seines Lebensweges. Wie Prof. Höver erläutert, stehen die Buchstaben für „Life Review“, „Identity“, „Forgiveness“ und „Eternity“: Lebensrückschau, Identität, Vergebung, Ewigkeit. Das bedeutet: Der Sterbende blickt auf sein Leben zurück. Er fragt sich, ob er sich darin „selbst wiederfindet“ – ob er zum Beispiel selbst- oder fremdbestimmt gelebt hat. Er sucht nach unbewältigten Problemen und möchte sie lösen, indem er anderen Menschen verzeiht oder sie um Verzeihung bittet. Und er fragt sich, wie es weitergeht. Kommt da etwas nach dem Tode? Was bleibt von mir, wenn ich gegangen bin? Aufgabe der Sterbebegleitung ist laut Puchalski, den Menschen bei diesem Frageprozess zur Seite zu stehen – vor allem durch Zuhören und durch Verständnis.

Für solche Konzepte der Sterbebegleitung gibt es im Deutschen noch kein Wort. „Spiritual Care“ heißt die Idee im Englischen (etwa: geistig-seelische Hilfe). Das „Spirituelle“ darin hat zunächst nichts mit „organisierter Religion“ zu tun, stellt Prof. Höver klar. Es bedeute stattdessen, sterbenden Menschen beizustehen, indem man nicht mehr nur wie bisher versucht, die Leiden ihres Körpers zu lindern – sondern auch, die ganz verschiedenartigen Fragen zu beantworten, die ihnen auf der Seele liegen oder ihren Geist beschäftigen. „Den Leitfaden gibt der Sterbende vor“, beschreibt es Prof. Höver. „Die menschliche Seele ist eine Burg mit vielen Zimmern. Nur der Mensch selbst entscheidet, wer wo eingelassen wird.“

Buch_Menschliche WürdeIndividuelle Hilfe statt gesetzlicher Einheitsverfahren

Um sich in dieser Burg zurechtzufinden, wollen die Experten nun erforschen, was Patienten genau meinen, die äußern, „sterben zu wollen“. Wie Prof. Höver erläutert, sind „solche »Todeswünsche« dynamisch. Sie bedeuten zum Beispiel den Wunsch, über genau diese spirituellen Fragen ins Gespräch zu kommen.“ Der Theologe plädiert daher für eine gesetzliche Regelung, die Ärzten wirksamere Hilfe gegen Schmerzen und Ängste erlaubt – mit Medikamenten, deren Gabe derzeit zu starken Beschränkungen unterliege. „Palliative Sedierung“ sei „auf vielfältige Weise möglich – ebenso, wie der Sterbende selbst ja einzigartig ist“. Aktive Sterbehilfe hingegen, so kritisiert der Wissenschaftler der Universität Bonn, brauche immer ein Einheitsverfahren. Ein wichtiger Unterschied: „Die palliative Sedierung kann die verbleibende Zeit lebenswerter machen. Sie kann immer noch lebensorientiert arbeiten. Der assistierte Suizid hingegen muss todsicher sein.“

Publikation: Norbert Feinendegen, Gerhard Höver, Andrea Schaeffer, Katharina Westerhorstmann (Hgg.): Menschliche Würde und Spiritualität in der Begleitung am Lebensende. Impulse aus Theorie und Praxis. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2014, 536 S., ISBN 978-3-8260-5447-1, 49,80 Euro

Milzbrand: Regierung von Schwaben warnt vor dem Verzehr von Rinderwürsten

Die Regierung von Schwaben warnt aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes vor Rinderwürsten. Die Rinderwürste sind möglicherweise bakteriell verunreinigt und damit möglicherweise gesundheitsgefährdend. Die Rinderwürste wurden im Gebiet Augsburg Stadt und Landkreis Augsburg an türkische Einzelhändler geliefert und zum Teil bereits verkauft.

Über das europäische Schnellwarnsystem wurde Deutschland am 16.10.2014 unterrichtet, dass zwei in Polen geschlachtete Rinder aus einem Betrieb stammen, bei dem Ende September Milzbrand amtlich festgestellt wurde. Zum Zeitpunkt der Schlachtung gab es bei den Rindern allerdings keine klinischen Anzeichen einer Erkrankung; eine Infektion der Tiere mit Bacillus anthracis kann dennoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Eine mögliche Gesundheitsgefahr ausgehend vom Fleisch oder den Produkten daraus ist als gering einzustufen, jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht völlig auszuschließen.

Die Stadt Augsburg hat heute noch 2 weitere Betriebe nachgemeldet.
Nach derzeitigem Kenntnisstand (17.10.2014) wurden folgende Einzelhändler im Gebiet Augsburg Stadt sowie der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg mit betroffener Ware beliefert:

  • Göl Supermarkt, Schwabenstraße 45, 86343 Königsbrunn;
  • Göl Supermarkt, Eberlestr. 2, 86157 Augsburg;
  • Hatice Aydin, Zollernstr. 5, 86154 Augsburg;
  • Sürücü Supermarkt, Albert-Schweitzer-Str. 16, 86179 Augsburg;
  • AKSA Supermarkt, Bauernfeld 04, 86165 Augsburg;
  • Hubert König, Gerhard-Hauptmanns-Str. 9, 86438 Kissing.

Die noch vorhandene Ware wurde bei den betroffenen Einzelhändlern gesperrt. Die Rücknahme der Produkte wird amtlich überwacht, mögliche weitere Vertriebswege werden derzeit ermittelt. Ein Filialaushang in türkischer und deutscher Sprache bei den betroffenen Einzelhändlern wurde veranlasst.

Verbraucher, die betroffene Ware im Zeitraum vom 14.10.2014 bis 16.10.2014 bei den oben genannten Einzelhändlern gekauft oder bereits konsumiert haben, werden gebeten, sich bei der Regierung von Schwaben unter folgender Telefonnummer zu melden: 0821/327-2310 oder 0172-3724555.

Krankenhaus als Quelle für gefährliche Virusinfektion

Im Frühjahr dieses Jahres kam es in Saudi-Arabien zu einer dramatischen Ausbreitung lebensgefährlicher Lungenentzündungen. Auslöser war das neu entdeckte MERS-Coronavirus. Epidemiologen der Weltgesundheitsorganisation befürchteten zunächst, das Virus sei mutiert und dadurch gefährlicher geworden. Virologen der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung haben nun den Ausbruch und das Virus untersucht. Resultat ihrer Analyse: Das Virus ist nicht mutiert; Hauptproblem scheint dagegen eine mangelhafte Krankenhaus-Hygiene gewesen zu sein.

Im März und April dieses Jahres alarmierte ein MERS-Ausbruch im saudi-arabischen Dschidda Gesundheitsexperten aus aller Welt. Innerhalb von vier Wochen steckten sich etwa 200 Menschen mit dem Virus an – genau soviele wie seit der Entdeckung des Virus im Jahr 2012 zusammen genommen. MERS steht für Middle East Respiratory Syndrome. Das Virus verursacht eine Lungenentzündung, die beim Menschen in jedem dritten Fall tödlich endet. Angesichts des Ausbruchs befürchteten Epidemiologen, ein mutiertes Virus könnte im schlimmsten Fall eine weltweite Epidemie auslösen.

Virologen der Universität Bonn haben als erstes Forschungsteam weltweit den Ausbruch und das beteiligte Virus untersucht. Ihren Analysen zufolge ist das MERS-Virus aus Dschidda nicht ansteckender als der Stamm, der 2012 isoliert wurde. Auch hat es keine Mechanismen entwickelt, die es ihm erlauben würden, die menschliche Immunabwehr zu unterlaufen.

Mangelnde Krankenhaushygiene

Ursache war stattdessen wohl ein Problem mit der Krankenhaus-Hygiene. Die Hälfte der infizierten Patienten wurde im König Fahd Hospital in Dschidda behandelt. „Wir nehmen an, dass es dort zur massenhaften Übertragung der Krankheit gekommen ist“, sagt Studienleiter Professor Dr. Christian Drosten vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. So müssen MERS-Erkrankte häufig beatmet werden. Wird der Beatmungsschlauch unsachgemäß entfernt, können infektiöse Aerosole frei werden, die viele Milliarden Viren enthalten. Dazu komme, dass das Pflegepersonal in Saudi-Arabien oft schlecht ausgebildet sei. „Es ist enorm wichtig, an diesem Punkt anzusetzen“, sagt Prof. Drosten. In Deutschland sei ein ähnlicher Ausbruch wohl kaum zu befürchten.

Der MERS-Ausbruch galt weltweit als das große infektionsmedizinische Problem dieses Frühjahrs. Entgegen anfänglicher Befürchtungen blieb er jedoch auf Dschidda beschränkt und klang schließlich wieder ab. Grund war wohl unter anderem die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in den Krankenhäusern, etwa eine bessere Isolierung von Patienten. „Das zeigt, wie effizient selbst einfache Methoden gegen ein derartiges Virus sein können“, betont Prof. Drosten.

Publikation: Christian Drosten, Doreen Muth, Victor Corman, Raheela Hussain, Malaki Al Masri, Waleed HajOmar, Olfert Landt, Abdullah Assiri, Isabella Eckerle, Ali Al Shangiti, Jaffar A. Al-Tawfiq, Ali Albarrak, Alimuddin Zumla, Andrew Rambaut, Ziad Memish: An observational, laboratory-based study of outbreaks of MERS-Coronavirus in Jeddah and Riyadh, Kingdom of Saudi Arabia, 2014; Clinical Infectious Diseases; DOI: 10.1093/cid/ciu812

Buchempfehlung: Gian Domenico Borasio – selbst bestimmt sterben

selbst bestimmt sterben ist ein Buch, das zum Nachdenken über die eigene Einstellung zum Leben und zum Sterben anregt. Es bietet keine Patentrezepte – wohl aber konkrete Hinweise darauf, wie man sich auf die letzte Lebensphase so vorbereiten kann, dass sie den eigenen Wünschen entspricht. Gian Domenico Borasio erläutert in klar verständlicher Sprache, worauf es auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Lebensende wirklich ankommt.

Die öffentliche Debatte über das Lebensende wird auf unverantwortliche Weise auf die Frage nach Euthanasie bzw. Suizidhilfe reduziert. Dabei betreffen diese Möglichkeiten, aus dem Leben zu scheiden, selbst dort wo sie gesetzlich erlaubt werden, nur einen winzigen Teil der Bevölkerung. Was ist aber mit der riesengroßen Mehrheit an Menschen, für die es nicht darum geht, den eigenen Todeszeitpunkt selbst bestimmen zu wollen? Was bedeutet „selbstbestimmtes Sterben“ in der modernen Gesellschaft? Und was hat es mit all diesen verwirrenden Begriffen auf sich, die durcheinandergebracht werden: aktive, passive, indirekte Sterbehilfe, Behandlungsabbruch, Suizidhilfe und so weiter?

Der Autor schöpft aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Betreuen und Begleiten von Schwerstkranken und Sterbenden, um mit vielen weit verbreiteten Missverständnissen aufzuräumen. Ausgehend von den neuesten wissenschaftlichen Studien führt das Buch den Leser Schritt für Schritt dazu, seine ganz eigenen Vorstellungen über das Lebensende zu entwickeln, und beschreibt Mittel und Wege, um diesem Ziel – trotz aller Hindernisse – möglichst nahe zu kommen.

2014. Rund 208 S.: mit ca. 10 Abbildungen
Gebunden
ISBN 978-3-406-66862-3
17,95€uro