Studie über Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit

Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit 2 (EFA 2) – Zweite Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) liefert Daten und Erkenntnisse zur weiteren Entwicklung des zivilgesellschaftlichen Einsatzes für Geflüchtete. Politik und Institutionen werden aufgefordert, die Chancen und die Weiterentwicklung des neuentstandenen Engagements nachhaltig zu fördern

Die Studie EFA 2 bietet wichtige Rückschlüsse hinsichtlich der Dynamiken ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit und der Zusammensetzung der Gruppe der Engagierten im einzigartigen Herbst 2015. Die Autoren Dr. Serhat Karakayali der Humboldt-Universität und Dr. J. Olaf Kleist der Universität Osnabrück fordern Politik und Institutionen dazu auf, die Chancen und die Weiterentwicklung des neuentstandenen zivilgesellschaftlichen Engagements nachhaltig zu fördern.

Im Anschluss an den „Sommer des Willkommens“ des letzten Jahres, der durch ein nie zuvor gesehenes Engagement für Geflüchtete gekennzeichnet war, wurden im Rahmen der zweiten bundesweiten EFA-Studie 2.291 Personen online befragt, die sich ehrenamtlich in der Arbeit mit Geflüchteten engagieren. Die Ergebnisse dieser zweiten nicht repräsentativen Stichprobe geben in Verbindung mit denen der ersten Studie EFA 1 (2014) wichtige Einblicke in die Dynamiken, Entwicklungen und strukturellen Veränderungen der Bewegung der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland. Zwei Drittel der im vergangenen November und Dezember Befragten begannen ihr Engagement im Jahr 2015.

Angesichts der Erfordernisse des Jahres 2015 entwickelte sich das ehrenamtliche Engagement für Geflüchtete von einer Integrationshilfe vermehrt zu einer niedrigschwelligen Orientierungs- und Ankunftshilfe. Trotzdem ist sich die Mehrheit der Ehrenamtlichen einig, dass Deutschland durch die verstärkte Ankunft von Geflüchteten im Herbst 2015 nicht überfordert gewesen sei. Verbreiteter Konsens herrscht auch bezüglich ihres gesellschaftspolitischen Anspruchs: Die überwiegende Mehrheit der Befragten möchte mit ihrem Einsatz die Gesellschaft zumindest im Kleinen verändern (97 Prozent) und ein Zeichen gegen Rassismus setzen (90 Prozent).

Bemerkenswertes Ergebnis der Befragung ist auch die geschlechtsspezifische Zusammensetzung der Gruppe: Drei Viertel aller Ehrenamtlichen sind nach wie vor Frauen, bei unter 50-jährigen sogar über 80 Prozent. Gleichzeitig lässt sich konstatieren, dass 2015 besonders in Bezug auf das Alter und den Erwerbsstatus eine „Normalisierung“ der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in die Mitte der Gesellschaft hinein stattfand.

„Viele Menschen engagierten sich im Sommer 2015 zum ersten Mal für Flüchtlinge. Interessant ist, dass auch diese neuen Ehrenamtlichen, die im Vergleich zu den länger Aktiven weniger weitreichende und liberale Vorstellungen zu Migration und Flucht haben, finden, dass Deutschland keineswegs mit der Situation überfordert ist“, so Studienleiter Dr. Serhat Karakayali.

Hinsichtlich der Engagementstruktur bemerkt Studienautor Dr. J. Olaf Kleist: „Deutlich werden in der aktuellen Studie der nochmals zugenommene spontane und proaktive Charakter der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit und das hohe Eigenengagement. Dennoch nahmen auch staatliche und kommunale Einrichtungen als Organisationsform zu.“

Die Autoren fordern eine stärkere institutionelle Öffnung zur Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Staat. Die Ergebnisse von EFA 2 unterstreichen die wichtige Rolle der Ehrenamtlichen bei der Integration der Geflüchteten. Entsprechender politischer und öffentlicher Rückhalt sollte dieses große zivilgesellschaftliche Engagement unterstützen. Dies betrifft vor allem den Ausbau finanzieller Förderung der Initiativen und Projekte, um damit die Chancen des ‚Sommers des Willkommens‘ nachhaltig zu nutzen. Mit Blick auf zukünftige Forschungen in diesem Bereich erscheint es wichtig, Studien zur ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit verstärkt im europäischen und weltweiten Vergleich perspektivisch zu erweitern.

Die komplette Studie ist unter http://www.bim.hu-berlin.de http://www.bim.hu-berlin.de zu beziehen.

Weitere Informationen
http://www.bim.hu-berlin.de

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