Wildpflanzen: Vielfalt ist überlebenswichtig

Landnutzungswandel, Monokulturen, Herbizide, versiegelte Flächen – der Lebensraum für Wildpflanzen wird immer knapper. Inzwischen gelten 92 Wildpflanzenarten als „Arten nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands“, d. h. Deutschland hat für diese Pflanzenarten international eine besondere Verantwortlichkeit, da sie nur in Deutschland vorkommen oder ihr Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland liegt.

Um Maßnahmen zum Schutz und Erhalt dieser 92 Wildpflanzenarten zu entwickeln und durchzuführen, läuft seit etwa einem halben Jahr die zweite Phase des Verbundprojekts Wildpflanzenschutz-Deutschland (WIPs-De II). Verbundpartner sind die Botanischen Gärten der Universitäten Regensburg, Osnabrück, Potsdam, Berlin und Mainz.

„Ohne Pflanzen gibt es kein menschliches Leben auf der Erde – wir ernähren uns grundsätzlich von Pflanzen“, betont der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens an der Universität Regensburg, Prof. Dr. Peter Poschlod, der die Gesamtkoordination des Projekts WIPs-DE II innehat. „Bei den Kulturpflanzen ist die frühere Arten- und genetische Vielfalt der Einfalt gewichen. Unter den Ackerwildkräutern finden wir deshalb heute auch die höchste Anzahl ausgestorbener Arten eines Lebensraums. Genetisch vielfältige und artenreiche Pflanzenbestände sind auch resistenter gegen Schädlinge oder neue Krankheitserreger. Vielfalt ist für das Überleben wichtig.“ Pflanzliche Artenvielfalt kann aber noch mehr, als nur für den eigenen Erhalt zu sorgen: Sie ist Nahrungsgrundlage für die meisten Insekten, schützt vor Überflutungen sowie Bodenerosion u.v.m.. Und hier spielen auch und gerade die Wildpflanzen eine erhebliche Rolle. Für 92 Wildpflanzenarten sieht sich Deutschland besonders in der Pflicht. Im Projekt WIPs-DE II geht es zum einen um die Sicherung der genetischen Ressourcen und zum anderen darum, Standorte zu sichern.

„Nachdem wir wissen, wo die 92 Arten vorkommen und die Genehmigungen von den Naturschutzbehörden haben, werden wir die Samen sammeln“, so Prof. Poschlod. In Regensburg steht die Saatgut-Genbank im Mittelpunkt. „Wir untersuchen die Saatgutqualität, wie lange Samen lebensfähig sind, wenn wir sie einlagern und unter welchen Bedingungen das Saatgut zum Keimen gebracht werden kann“, erzählen die Bearbeiterinnen Dr. Daniela Listl und Judith Lang. Dafür nutzen die Wissenschaftler in Regensburg u. a. ein Samenröntgengerät – das einzige an einer deutschen Universität. In Osnabrück werden das digitale Handwerkszeug (Web-Mapping) und die Standards für das Sammeln der Samen entwickelt. In Berlin untersucht man hauptsächlich, welche Bedingungen die Wildpflanzenarten brauchen, wenn Populationen im Gelände ausgepflanzt werden sollen. In Potsdam werden die Erhaltungskulturen koordiniert, die ortsnah zu den Ursprungspopulationen deutschlandweit in Botanischen Gärten angelegt werden. Mit Hilfe von Bildungsmaterialien soll das Thema Wildpflanzenschutz für Kinder und Erwachsene aufgearbeitet werden. Dafür sind v. a. die Kollegen aus Mainz zuständig. Ziel des Projektes ist es, zum einen die Artenvielfalt im Lebensraum (also in situ) zu sichern, indem man Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen durchführt. Zum anderen soll die genetische Vielfalt auch außerhalb des Lebensraums (also ex situ) gesichert werden, also in Genbanken und Erhaltungskulturen.

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