STUDIUM: Praxisbezogene Neuerscheinungen bei APOLLON University Press

Mit „Der Wegweiser zum wissenschaftlichen Arbeiten – Für Studium, Fernstudium und Praxis“ sowie „Bürgerschaftliches Engagement und Soziale Arbeit – Ein Studienbuch für die Praxis“ erscheinen rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2018 gleich zwei neue Bücher im hochschuleigenen Verlag APOLLON University Press. Beide Publikationen sind wissenschaftlich fundiert und praxisnah aufbereitet und eignen sich damit sowohl für Studierende als auch für Berufspraktiker.

In ihrem Buch „Der Wegweiser zum wissenschaftlichen Arbeiten“ stellen die Autorinnen Marleen Dettmann und Ronja Bense Schritt für Schritt die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens in Studium, Fernstudium und Praxis vor: von den Qualitätskriterien für wissenschaftliche Literatur über Lesestrategien und Zitation bis hin zur Erstellung eigener längerer Texte. Leserinnen und Leser bekommen Tipps und Tricks zur Themenfindung, zur Gliederung und zum Schreibprozess von Haus- oder Abschlussarbeiten. Damit sind sie für das Studium, aber auch für das professionelle Publizieren im Berufsleben gewappnet. Übungen zur Überprüfung des eigenen Fortschritts, die in Web-Based-Trainings online bearbeitet werden können, unterstützen zusätzlich dabei, das Gelesene zu verstehen und zu vertiefen. Darüber hinaus stehen Checklisten zu verschiedenen Schritten wissenschaftlichen Arbeitens als Download zur Verfügung.

Bürgerschaftliches Engagement und Soziale Arbeit stehen dagegen im Fokus des gleichnamigen Buches von Birger Hartnuß. Große gesellschaftliche Herausforderungen, wie etwa der demografische Wandel oder die Integration von Flüchtlingen, wären ohne sie – ähnlich wie notwendige Neuerungen in unserem Sozial- und Bildungssystem – kaum zu bewältigen. Dementsprechend ist es für soziale Organisationen und Einrichtungen unerlässlich, das Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement zu stärken und in ihre Arbeit zu integrieren. Das Studienbuch verschafft einen Überblick über die Zivilgesellschaft, ihre Handlungslogik und Strukturen sowie über Formen und Handlungsfelder bürgerschaftlichen Engagements. Einblicke in ausgewählte Praxisfelder der Sozialen Arbeit und in engagementpolitische Handlungsbedarfe geben etwa Sozialarbeitern, Sozialpädagogen und Sozialmanagern konkrete Strategien und Konzepte an die Hand, um bürgerschaftliches Engagement effektiv zu fördern.

Zu den Autoren
Marleen Dettmann, geboren 1977, studierte Demografie an der Universität Rostock und war währenddessen als studentische Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock tätig. Nach Abschluss des Studiums arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels sowie mehrere Jahre in der Abteilung für Infektionsepidemiologie am Robert Koch-Institut. Seit 2011 ist sie freiberuflich aktiv mit statistischen Datenanalysen und Beratungstätigkeiten mit dem Schwerpunkt „Demografischer Wandel“.

Ronja Bense, geboren 1995, studierte Kommunikations- und Medienwissenschaften sowie Germanistik an der Universität Bremen. Während des Studiums besuchte sie verschiedene Schreibseminare und vertiefte ihre Textaffinität auch gegenüber Sachtexten. Seit Februar 2017 arbeitet sie als studentische Mitarbeiterin an der APOLLON Hochschule in der Studienentwicklung sowie im Hochschulverlag.

Birger Hartnuß, geboren 1968, arbeitete nach dem Studium der Erziehungswissenschaften in Forschungsprojekten zur Kooperation von Jugendhilfe und Schule an den Universitäten Halle/S. und Greifswald. Er war Mitarbeiter im Sekretariat der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ des 14. Deutschen Bundestags (2000–2002) und im Anschluss daran wissenschaftlicher Referent sowie stellvertretender Geschäftsführer des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) (2002–2007). Seit 2007 ist er in der Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz tätig, deren Leitung er im Juni 2017 übernommen hat. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören der Ausbau von Engagementförderung und Bürgerbeteiligung in Rheinland-Pfalz und der Bundesrepublik. Er ist Mitglied mehrerer Beiräte (ZiviZ – Zivilgesellschaft in Zahlen, Netzwerk Bürgerbeteiligung, „jungbewegt – Dein Einsatz zählt“ der Bertelsmann Stiftung) sowie Mitglied des SprecherInnenrats des BBE.

Die Bücher „Der Wegweiser zum wissenschaftlichen Arbeiten – Für Studium, Fernstudium und Praxis“ sowie „Bürgerschaftliches Engagement und Soziale Arbeit – Ein Studienbuch für die Praxis“ sind ab sofort im Buchhandel oder über die APOLLON University Press (www.apollon-hochschulverlag.de) erhältlich.

„Der Wegweiser zum wissenschaftlichen Arbeiten – Für Studium, Fernstudium und Praxis“ von Marleen Dettmann und Ronja Bense, 1. Auflage, Bremen: APOLLON University Press, 2018, 200 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-943001-41-9

„Bürgerschaftliches Engagement und Soziale Arbeit – Ein Studienbuch für die Praxis“ von Birger Hartnuß, 1. Auflage, Bremen: APOLLON University Press, 2018, 152 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-943001-42-6

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Lesung und Diskussion: „Die Erfindung der Leistung“ – Autorin Nina Verheyen im Gespräch

Die Historikerin Nina Verheyen diskutiert mit KWI-Direktorin Julika Griem über Leistungsdruck und Optimierungswahn

Unsere Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft. Aber was meinen wir, wenn wir von „Leistung“ sprechen? Wie wurde Leistung zu einer vermeintlich objektiven, individuellen Größe und wie haben sich soziale Beziehungen und Gefühle dadurch verändert? Warum definieren sich Menschen über ihre Leistung – oder über das, was sie und andere dafür halten? Nina Verheyen beschreibt in ihrem aktuellen Buch „Die Erfindung der Leistung“, wie sich das Verständnis von Leistung gewandelt hat und erzählt die Geschichte einer Idee, die unser aller Leben prägt. Gemeinsam mit der KWI-Direktorin Julika Griem und dem interessierten Publikum diskutiert sie über unseren heutigen Leistungsdruck und vermeintlichen Optimierungswahn und plädiert für ein anderes, sozialeres Verständnis von Leistung.

DATUM UND ORT
Freitag, 28. September 2018, 18.30 – 21.00 Uhr
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestraße 31, 45128 Essen

REFERENTEN
Nina Verheyen ist Historikerin an der Universität zu Köln. Zuvor war sie u.a. am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin tätig sowie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Julika Griem ist seit April 2018 Direktorin des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI).

VERANSTALTER
Eine Veranstaltung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) im Rahmen der Wissensnacht Ruhr 2018 des Regionalverbands Rhein-Ruhr (RVR).

„Die Erfindung der Leistung“ – Autorin Nina Verheyen im Gespräch

Die Historikerin Nina Verheyen diskutiert mit KWI-Direktorin Julika Griem über Leistungsdruck und Optimierungswahn

Unsere Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft. Aber was meinen wir, wenn wir von „Leistung“ sprechen? Wie wurde Leistung zu einer vermeintlich objektiven, individuellen Größe und wie haben sich soziale Beziehungen und Gefühle dadurch verändert? Warum definieren sich Menschen über ihre Leistung – oder über das, was sie und andere dafür halten? Nina Verheyen beschreibt in ihrem aktuellen Buch „Die Erfindung der Leistung“, wie sich das Verständnis von Leistung gewandelt hat und erzählt die Geschichte einer Idee, die unser aller Leben prägt. Gemeinsam mit der KWI-Direktorin Julika Griem und dem interessierten Publikum diskutiert sie über unseren heutigen Leistungsdruck und vermeintlichen Optimierungswahn und plädiert für ein anderes, sozialeres Verständnis von Leistung.

REFERENTEN 
Nina Verheyen ist Historikerin an der Universität zu Köln. Zuvor war sie u.a. am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin tätig sowie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Julika Griem ist seit April 2018 Direktorin des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI)

Termin:

28.09.2018 18:30 – 21:00

Veranstaltungsort:

Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestraße 31
45128 Essen

Was Mediziner von Literaturwissenschaftlern lernen können

An der Universität Witten/Herdecke diskutieren Expertinnen und Experten aus Literaturwissenschaft, Linguistik, Medizin und Pflegewissenschaft über Sprache in Arztbriefen und Pflegedokumentationen

Bislang war die Frage nach der „Autorposition“ und Urheberschaft eines Textes etwas, über das sich Literatur- und Sprachwissenschaftler Gedanken machten. „Erst in jüngster Zeit erhält die Diskussion auch in anderen Disziplinen wie der Medizin oder Pflegewissenschaft eine stärkere Aufmerksamkeit“, sagt Prof. Dr. Julia Genz, Professorin für Literaturwissenschaft an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). „Die Patienten rücken in der medizinischen Kommunikation und Dokumentation immer stärker in den Mittelpunkt. Seit 2013 haben sie und ihre Angehörigen das Recht, die gesamte Krankenakte einzusehen, und nicht mehr nur ‚objektive Befunde‘ daraus.“ Gleichzeitig sind Medizinerinnen und Mediziner nach der Überarbeitung des „Genfer Gelöbnisses für Ärzte“ zukünftig verpflichtet, medizinisches Wissen „zum Wohl der Patienten und zur Förderung der Gesundheitsversorgung“ mit anderen behandelnden Kollegen zu teilen.

„Für die ärztliche Dokumentation heißt dies, dass alle patientenbezogenen Aufzeichnungen – auch subjektive und persönliche Wertungen und Arbeitshypothesen – dem Patienten auf Wunsch grundsätzlich zugänglich gemacht werden müssen, so Prof. Genz. „Da die Dokumentation sich nun einerseits an Kollegen, andererseits an Patienten und damit medizinische Laien richtet, sehen sich die medizinischen Disziplinen zunehmend mit Fragen konfrontiert, die bisher eher in der Literaturwissenschaft und der Linguistik üblich waren, wie beispielsweise: Wer spricht in dem Text? Wessen Blickwinkel wird eingenommen? Wessen Sprache wird gesprochen? Wer übernimmt die Verantwortung für das Gesagte?“ Grund genug für Prof. Genz, das Thema einmal aus einer interdisziplinären Perspektive zu untersuchen. Dazu veranstaltet sie gemeinsam mit Prof. Dr. Paul Gévaudan von der Universität Paderborn vom 26. bis zum 28. September die Tagung „Sprechen, Schreiben, Erzählen. Polyphonie in literarischen, medizinischen und pflegewissenschaftlichen Diskursen“ an der UW/H.

„Sowohl in medizinischen als auch in linguistischen und literarischen Textsorten schwingen bewusst oder unbewusst mehrere Stimmen und Standpunkte mit“, sagt die Literaturwissenschaftlerin. „In einigen Bereichen, etwa der Pflege, kommt hinzu, dass sich bei professionell Pflegenden eine gewisse Sprachlosigkeit bezüglich vieler Tätigkeiten beobachten lässt, da sie über ein intuitives, habitualisiertes Wissen verfügen, welches bislang selten festgehalten wurde. Auf der Tagung werden wir uns deshalb aus linguistischer, literaturwissenschaftlicher, medizinischer sowie pflegewissenschaftlicher Perspektive mit verschiedenen fachspezifischen Textsorten wie dem Arzt-Brief, der Pflegedokumentation, dem Arzt-Patienten-Gespräch oder fiktionalen Texten befassen.“

Gemeinsam ist diesen Textsorten ein Phänomen, das „sprachliche Polyphonie“ genannt wird. Es handelt sich dabei um das gleichzeitige Auftreten verschiedener Stimmen (Stile, Formulierungen, deiktische Einbindungen wie „hier“, „dort“, „ich“, „jetzt“) und Standpunkte (Verantwortungen, Ansichten, Einstellungen). Genz: „Konkret geht es um die Frage, in wessen Namen und auf welche Art Sprechen, Schreiben und Erzählen geschehen, wer also jeweils Verantwortung für das Gesagte übernimmt, wessen Begrifflichkeit verwendet wird und wie die jeweiligen Kommunikationsverhältnisse optimiert werden können.“

In der Literaturwissenschaft und der Linguistik gibt es zur Klärung solcher Fragen bereits Instrumentarien, wie etwa das kulturwissenschaftlich-literaturwissenschaftliche Polyphoniekonzept von Michail Bachtin. Er geht davon aus, dass fremde Begrifflichkeiten in die Rede übernommen werden, indem ein Erzähler beispielsweise die Sprache von bestimmten Figuren übernimmt. Prof. Genz: „Ein gutes Beispiel ist der Satz ‚Wir gehen jetzt zur Oma‘. ‚Oma‘ ist in diesem Fall ein Begriff, der von einem Erwachsenen geäußert wird, aber die Kinderperspektive berücksichtigt.“

Ziel der Tagung soll es sein, Kriterien, die bisher gesondert in der Linguistik und in der Literaturwissenschaft entwickelt wurden, zusammenzuführen und in einem weiteren Schritt auf andere Fächer wie Medizin oder Pflegewissenschaft anzuwenden. „Idealerweise werden die neuen, interdisziplinär gewonnenen Erkenntnisse in die Literatur- und Sprachwissenschaft zurückgespiegelt und regen eine wünschenswerte verstärkte Zusammenarbeit dieser beiden geisteswissenschaftlichen Richtungen an“, so Genz. „Wichtig ist uns zudem, die Instrumentarien gemeinsam so zu entwickeln, dass mit ihrer Hilfe auch das Arzt-Patienten- beziehungsweise Pflege-Patienten-Verhältnis optimiert wird.“ Langfristiges Ziel sei es, ein Forschernetzwerk aus den beteiligten Fächern aufzubauen.

Digitaler Wandel in Bibliotheken: Kulturelle Bildung spielt eine tragende Rolle

Mit rund 120 Millionen Besuchen pro Jahr zählen die circa 7.400 Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland zu den am meisten frequentierten Kultur- und Bildungseinrichtungen. Neben einem Bestand von 90 Millionen physischen Medien können derzeit mit 72 Millionen fast ebenso viele virtuelle Medien in Bibliotheken ausgeliehen werden. Zusätzlich werden Tablet-Rallyes, Gaming-Events, Workshops mit VR-Brillen oder 3D-Druckern angeboten. Auch die Räume wandeln sich – Leselounges, Makerspaces oder Lernorte mit PCs kommen hinzu. Allerdings vollzieht sich der Wandel in den ländlichen und kleinstädtischen Umgebungen anders und langsamer als in den großstädtischen.

Mit der Studie „Bibliotheken/Digitalisierung/Kulturelle Bildung. Horizont 2018“ legt das Expertengremium Rat für Kulturelle Bildung, das aus 13 Mitgliedern besteht, erstmals repräsentative Daten über die Auswirkungen der Digitalisierung in Bibliotheken im Hinblick auf die Kulturelle Bildung vor. Die bundesweite Umfrage unter den rund 1.900 Leitungen öffentlicher hauptamtlich geführter Bibliotheken wurde in Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband e. V. (dbv) durchgeführt und von der Robert Bosch Stiftung GmbH gefördert, die Daten wurden von der Prognos AG erhoben.

Hohe Bedeutung Kultureller Bildung bei Gestaltung des digitalen Wandels

Die Studie zeigt, dass Kulturelle Bildung für über 80 Prozent der Großstadtbibliotheken und rund 40 Prozent der Gemeindebibliotheken von wesentlicher Bedeutung bei der Gestaltung der Digitalisierung ist. Die Angebote reichen dabei von Leseförderung, Literaturvermittlung, Schreib- und Medienwerkstätten und Ausstellungen bis hin zu Konzerten, Gaming und vielfältigen Kombinationsformen. Zudem gaben 75 Prozent der Bibliotheksleitungen an, durch digitale Angebote Kultureller Bildung ein jüngeres Publikum besser anzusprechen zu können.
„Die Studie dokumentiert, dass Bibliotheken mit ihrer größtenteils bereits guten digitalen Ausstattung und ihren attraktiven analogen und digitalen Angeboten Kultureller Bildung ein Vorbild für einen sinnvollen Umgang mit der Digitalisierung sind. Dieses Engagement ist eine große Chance für die Gesellschaft. Basierend auf den empirischen Ergebnissen der Studie empfiehlt der Rat für Kulturelle Bildung einen länderübergreifenden Bibliotheksentwicklungsplan, der inhaltliche, personelle und finanzielle Zielsetzungen festschreibt“, sagt Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des Rates für Kulturelle Bildung.

Kooperationen als Chance

Die Digitalisierung bietet auch neue Chancen für Kooperationen: Eine deutliche Mehrheit der Bibliotheken sieht laut Studie besonders großes Potenzial bei Schulkooperationen und in der Zusammenarbeit mit Kitas.
„Gerade in Sachen Leseförderung ist die Experimentierfreude der Bibliotheken groß und das Zusammenspiel von digitalen Medien und Buch über lange Jahre erprobt. Schulen und Kitas könnten noch viel stärker von diesen Erfahrungen profitieren“, kommentiert Dr. Florian Höllerer, Mitglied des Rates für Kulturelle Bildung und Leiter des Literarischen Colloquiums in Berlin.

Neue Anforderungen an Personal und Ausstattung

Die Studie zeigt auch, dass im Zuge des digitalen Wandels neue fachliche Anforderungen an das Personal in Bibliotheken entstehen und die Digitalisierung die Mitarbeit auch nicht-bibliothekarischer Fachleute erfordert, vor allem von Experten aus der Kulturellen Bildung, der Medienbildung und der Informationstechnologie. Ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land zeigt sich in Ausstattungs- und Entwicklungsfragen. Aus der Umfrage geht weiterhin hervor, dass ideelle und finanzielle Unterstützung von Seiten der Politik für die Weiterentwicklung der Bibliotheken essentiell ist.
Die Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes e. V. (dbv), Barbara Lison, betont: „Die Studie belegt die Innovationspotenziale der Bibliotheken. Die Verwaltung und die politischen Entscheidungsträger in den Kommunen sind jetzt aufgerufen, dieses Potential noch klarer zu erkennen, Bibliotheken noch stärker in ihre digitalen Strategien einzubinden und zu fördern, um ihren Bürgern eine mühelose Teilhabe an innovativer kultureller Bildung zu ermöglichen.“

Unterstützung bei strukturellen Defiziten

Der Rat für Kulturelle Bildung empfiehlt, Aufgaben und Finanzierung der Öffentlichen Bibliotheken auf Länderebene – wo noch nicht geschehen – in Bibliotheksgesetzen zu regeln. Besonders der ländliche Raum braucht mehr Unterstützung von Seiten der Politik. Digitale Angebote Kultureller Bildung in Bibliotheken sollten gezielt gefördert und in den Zukunftsaufgaben der Bibliotheken festgeschrieben werden. Der Expertenrat fordert zudem, auf Bundesebene einen länderübergreifenden Bibliotheksentwicklungsplan zu entwerfen, der die bildungspolitischen Zielsetzungen und Qualitätsstandards, neue Vermittlungswege Kultureller Bildung sowie die Ziele bei der Zusammensetzung und Qualifikation des Personals verschriftlicht.

Zeitgenössische arabische Literatur probiert viele neue Formate aus

Europäische Arabisten-Vereinigung UEAI kommt im September erstmals in Münster zusammen – Schwerpunkt arabische Literatur im Medienwandel – „Literatur und Künste ermöglichen Diskurs über brisante Themen wie Krieg, Kolonialismus und politische Repression“ – Keynote von Konrad Hirschler über „Conflict and Coexistence“

Die zeitgenössische arabische Literatur probiert Arabisten zufolge zunehmend neue Formate wie autofiktionale Internet-Blogs, Graphic Novels und Science Fiction aus. „Die neuen Gattungen und ihre Autorinnen und Autoren werden im Westen bisher kaum wahrgenommen und veröffentlicht“, sagt die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Winckler vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der WWU im Vorfeld der Jahrestagung der international renommierten Arabisten-Vereinigung „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“ (UEAI) kommende Woche in Münster. „Hiesige Verlage schrecken oft vor arabischer Literatur zurück, die nicht in gängige Schubladen passt. Die westliche Wahrnehmung war lange Zeit von orientalisierenden, exotisierenden Erwartungen geprägt.“ Dabei sei die Literatur der Gegenwart einer der wichtigsten säkularen Diskurse in der arabischen Welt. Sie stoße wichtige politische und gesellschaftliche Debatten über brisante Themen der Vergangenheit und Gegenwart an: „Weil in den meisten arabischen Ländern ein kritischer öffentlicher Diskurs fehlt, sind es die Literatur und die Künste, die die Auseinandersetzung mit Themen wie Krieg, Kolonialismus oder politische Repression ermöglichen.“ Auf der UEAI-Konferenz vom 10.-14. September an der WWU, die arabische Literatur ins Zentrum rückt, organisiert Juniorprofessorin Winckler ein Panel zur Veränderung von Literatur im Medienwandel unterschiedlicher Epochen.

„Mit der Verbreitung des Internets und sozialer Medien haben sich neue literarische Ausdruckformen und Gattungen entwickelt“, so die Expertin für arabische Gegenwartsliteratur. „Da das Publizieren und Rezipieren mit dem Web leichter wurde, bildeten sich zugleich neue, teils weniger gebildete und etablierte Bevölkerungsgruppen als Autoren und Leser heraus.“ Im Vorfeld der arabischen Revolutionen etwa hätten in Ägypten immer mehr Menschen begonnen, im Internet zu bloggen, und auch im Libanon wählten etwa während der israelischen Angriffe 2006 junge Künstler den Blog als Mittel, um die Ereignisse zu reflektieren und auch international darauf aufmerksam zu machen. „Es entstand die neue Gattung der autofiktionalen Blogs, in denen Autoren sich und ihre Haltungen literarisch ausdrückten, oft ergänzt durch Zeichnungen oder Musik, und die später teils in Buchform veröffentlicht wurden.“ Das biete in sprachlich und ästhetisch anspruchsvoller Weise Einblicke in das Alltagserleben und die politische Haltung einer jungen Generation, die die Protestbewegungen des ‚Arabischen Frühlings‘ vorangetrieben habe. „Neue Einsichten eröffnen zudem Graphic Novels aus dem arabischen Raum“, sagt Winckler. Zu nennen seien etwa die Werke der 1981 im Libanon geborenen Zeina Abirached. Ihre auf Französisch publizierten Bücher wie „Mourir partir revenir. Le jeu des hirondelles“ (Das Spiel der Schwalben) von 2007 oder „Le piano oriental“ von 2015 (Piano Oriental) stellen in eindrücklichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen den Bürgerkriegsalltag aus Kindersicht dar und visualisieren die arabisch-französische Zweisprachigkeit und das Leben zwischen zwei Ländern und Kulturen, indem sie die arabische und die lateinische Schrift auch graphisch einbeziehen.

Dokumentationen und Dystopien

„Auffällig ist, dass im Umfeld der Arabellion auch vermehrt dokumentarische Formen und Dystopien entstanden“, so Winckler. So experimentierten Aktivisten, aber auch etablierte Autoren, im Umfeld der Protestbewegung mit dokumentarischen Formen, die sich zwischen Roman, Tagebuch und Reportage bewegen: Mona Prince zeichnet in „Ismi thawra“ von 2012 (engl. „Revolution is My Name“) nach, wie sie die Tage der Revolte erlebt hat, die zum Sturz Mubaraks führten. Beschreibungen des Alltagslebens auf dem Tahrir-Platz und Diskussionen mit Freunden und Fremden auf der Straße wechseln ab mit Angaben zum Facebook-Status und Reflexionen über die eigene Position innerhalb der Bewegung. Ein Beispiel für dystopische Werke sei der Roman „at-Tabur“ (2013) der ägyptischen Autorin und Psychiaterin Basma Abdel Aziz, der in Englisch als „The Queue“ erschien. Ohne dass die Ereignisse um den Tahrir-Platz genannt würden, sei die Darstellung eines repressiven Regimes und einer gescheiterten Revolution als kritischer Kommentar zur aktuellen Lage zu verstehen. „Die meisten anerkannten Schriftsteller sind ohnehin eher links oder liberal orientiert, früher marxistisch.“ Regimetreue Autoren dagegen seien selten, auch wenn es Ausnahmen gebe wie Abd al-Razzaq Abd al-Wahid (1930-2015), einen anerkannten irakischen Dichter, der Lobgedichte auf Saddam Hussein schrieb und noch lange nach dessen Tod positiv über ihn sprach.

„Herrschte in der arabischen Literatur über Jahrhunderte die Dichtung vor, im 20. Jahrhundert dann auch Romane und Kurzgeschichten, werden in jüngster Zeit immer neue Formen ausprobiert.“ Ästhetisch und formal sei die moderne arabische Literatur – „was viele westliche Leser überraschen mag“ – grundsätzlich nicht fremd. „Sie ist Teil einer Weltliteratur und folgt durchaus globalen Strömungen. Arabische Autorinnen und Autoren haben meist einen ähnlichen Bildungskanon wie ihre westliche Kollegen, kennen westliche Werke und Diskurse, zusätzlich aber die Kultur ihrer Region. Mit beiden Traditionen gehen sie souverän um und betrachten ihrerseits etwa die europäische Literatur nicht als eine ‚fremde‘.“ Umgekehrt habe sich auch Europa in den vergangenen 20 Jahren der arabischen Literatur geöffnet, so Winckler. Es seien weit mehr arabische Bücher übersetzt und publiziert worden als zuvor, auch ins Deutsche. „Darunter waren oft Bestseller aus dem arabischen Raum – das Ranking von Büchern ist dort übrigens ein neues Phänomen – wie ‚Der Jakubijan-Bau‘ (2002) des ägyptischen Autors und Aktivisten Ala al-Aswani oder ‚Die Girls von Riad‘ (2005) der jungen saudischen Autorin Rajaa Alsanea.“ Solche Werke würden im Westen gern als „Spiegelbild der Realität“ gesehen. „Sie werden hier publiziert, weil Leser mehr über die Region erfahren möchten. Ästhetische Aspekte spielen dagegen kaum eine Rolle – gerade komplexere Texte, etwa der libanesischen Autorin Hoda Barakat, finden so keine Verlage.“

Im Literatur-Schwerpunkt der 29. Tagung der „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“ (UEAI) wollen die Teilnehmer neue kulturwissenschaftliche Ansätze auf die arabische Literatur der Vormoderne und Moderne anwenden, darunter Konzepte von Medialität und Literatur. Das epochenübergreifende Panel mit Prof. Dr. Barbara Winckler erörtert, wie sich Form und Funktion von Literatur durch Medienwandel ändern, welche neuen Akteure und Rezipienten sich entwickeln und wie sich „alte“ und „neue“ Medien zueinander verhalten – ob sie etwa konkurrieren, nebeneinander bestehen oder sich sogar ergänzen. Einen Schwerpunkt bildet das Medium Zeitschrift, seit dem 19. Jahrhundert eines der wichtigsten Foren für gesellschaftliche wie ästhetische Debatten in der arabischen Welt. Vorträge des Panels beschäftigen sich mit Auseinandersetzungen um die arabische Prosadichtung in ägyptischen Zeitschriften des frühen 20. Jahrhunderts, mit Reflexionen über Kunst und Ästhetik im Beirut der 1950er Jahre, mit Form und Umfeld intellektueller Avantgarde-Zeitschriften und damit, wie in Gesellschaft vorgetragene Reden oder Veranstaltungen in gedruckte Medien übersetzt werden und gemeinschaftsstiftend wirken. Weitere Themen sind der Wandel von Verlagsstrategien in Ägypten unter dem Motto „Vom Taschenbuch bis Facebook“, die Praxis des Geschichtenerzählens in Marokko, die Modifikation von Gedichten im Prozess der Vertonung und Aufführung und „Kalila wa-Dimna“, eines der ältesten arabischen Werke in Buchform, das die Funktionen des Buches innerhalb des Buches thematisiert. (vvm)

Info-Kasten: 29. Tagung der „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“

Zur 29. Tagung der „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“ (UEAI) werden vom 10. bis 14. September 2018 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) rund 100 Arabisten von europäischen Universitäten erwartet. Die 1962 gegründete UEAI gehört zu den einflussreichsten Vereinigungen ihres Faches. Der Kongress findet alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt statt, 2018 erstmals in Münster. Das Tagungsmotto lautet “Conflict and Coexistence”. Der Berliner Islamwissenschaftler Prof. Dr. Konrad Hirschler hält dazu am Montag, dem 10. September, in Raum JO1, Johannisstr. 4 in Münster eine Keynote unter dem Titel “Conflict and Coexistence Materialised: The Case of Non-Islamic Binding Fragments in Arabic Manuscripts During the Crusading Period”. Organisiert wird die Tagung vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der WWU in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“.

Auf der Jahrestagung tauschen sich die Mitglieder über aktuelle Forschungen aus allen Feldern der Arabistik und Islamwissenschaft aus: der Literatur- und Sprachwissenschaft, Geschichte, Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften der Vormoderne. Der Kongress in Münster legt einen Fokus auf die arabische Literatur der Vormoderne und der Gegenwart, die das Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der WWU seit Jahren schwerpunktmäßig erforscht, etwa zur Mamlukenzeit in der Leibnizpreis-Forschungsstelle „Arabische Literatur und Rhetorik 1100-1800“ (ALEA) unter Leitung des Arabisten und Leibniz-Preisträgers Prof. Dr. Thomas Bauer vom Exzellenzcluster. (exc/vvm)


Weitere Informationen:

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2018/sep/PM_Zeitgenoe…
https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/arabistikislam/tagungen/schedule_.

Buch: Was Sie schon immer über Trolle wissen wollten

Prof. Dr. Rudolf Simek von der Universität Bonn hat sich auf eine akribische Spurensuche begeben und ein Buch über Trolle geschrieben. Beginnend mit der nordischen Mythologie über die Sagas des Mittelalters bis hin zur Fantasy-Literatur und den Filmen des 20. und 21. Jahrhunderts setzt er die ursprünglichen Vorstellungen von Trollen mit den heutigen Bildern in Relation und ermöglicht einen erkenntnisreichen Blick auf ein vermeintlich bekanntes Wesen.

Trolle? Na klar, die kennt jeder. Sind das nicht diese nervigen Zeitgenossen, die im Internet jede vernünftige Diskussion sabotieren und nur darauf aus sind, größtmöglichen Schaden anzurichten? Oder diese unheimlichen Riesen aus den Märchen, die Nutztiere und Kinder rauben? Oder die putzigen kleinen Kobolde aus dem Wald mit vielen struppigen Haaren? Die letztgenannte Assoziation zu Trollen hat Prof. Dr. Rudolf Simek, Professor und Lehrstuhlinhaber für Ältere Germanistik mit Einschluss des Nordischen an der Universität Bonn, schon immer missfallen: „Ich wollte wissen, wo diese Verniedlichungen herkommen. Für mich ist das eine Pervertierung des ursprünglichen skandinavischen Konzepts des Trolls.“

In jüngster Zeit werden Trolle wieder als gefährlich dargestellt und das sehr anspielungsreich und witzig wie etwa in dem norwegischen Film „Trolljegeren“ (Der Trolljäger) von 2010. Bei dem Film handelt es sich um einen fiktionalen Dokumentationsfilm, eine sogenannte mockumentary, mit folgendem Inhalt: Ein potenzieller Wilderer wird von angehenden jungen Filmemachern als Trolljäger im geheimen Auftrag der norwegischen Regierung enttarnt. Offiziell wird die Existenz von Trollen jedoch geleugnet, um die Bevölkerung nicht zu verunsichern.

Kreativer Umgang mit Motiven aus der Volksliteratur

Der Film ist für Simek ein gelungenes Beispiel für den kreativen Umgang mit Motiven aus der Volksliteratur. Wie hier auf Eigenschaften und charakteristisches Handeln von Trollen zurückgegriffenen wird, arbeitet er in seinem Buch heraus. So können Trolle zum Beispiel Christenblut riechen. Eine Vorstellung früherer Zeit war auch, dass Trolle durch den Kontakt mit Sonnenlicht zu Stein werden. Trolle spielen in diesem Film als sehr große und für den Menschen gefährliche Wesen eine Rolle. Das freut den germanistischen Mediävisten ebenfalls, denn es entspricht grob gesagt den ersten schriftlichen Aussagen über Trolle auf frappierende Weise.

Bei seiner wissenschaftlichen Annäherung an Trolle ist Simek streng chronologisch vorgegangen: Wann wurden die ersten Trolle erwähnt? Wie wurden sie sprachlich eingeführt? Was sagt der jeweilige Kontext über Aussehen, Verhalten und Lebensweise der Trolle aus? Wie werden Trollfrauen und Trolltöchter dargestellt? Chronologisch ist das Buch daher auch aufgebaut: Die ersten Trolle tauchen in der nordgermanischen Mythologie auf. Sie sind wiederkehrende Gestalten in den isländischen Sagas des Mittelalters. Auch im Spätmittelalter und in der Neuzeit sind Trolle gegenwärtig. Im 18. und 19. Jahrhundert halten sie Einzug in Märchen und Sagen. In Norwegen und Island werden Trolle zum Kulturgut. Simek untersucht auch die Märchentrolle in Dänemark und Schweden sowie die dazugehörigen Illustrationen.

Die Kinderbuchtrolle in Skandinavien und Deutschland markieren dann aus Sicht des Wissenschaftlers eher einen Tiefpunkt in der Rezeption des Troll-Konzepts: Weitgehend nett und harmlos, allenfalls ein wenig tölpelhaft, aber auf jeden Fall drollig und – wohl auch aus pädagogischen Gründen – auf die Größe von Wichteln geschrumpft, habe die überwiegende Darstellung als typischer niedlicher Kinderbuchtroll nicht mehr viel mit den ursprünglichen Troll-Geschichten zu tun. Tatsächlich würden Trolle häufig mit Riesen gleichgesetzt, erklärt Simek dazu, vor allem in den mittelalterlichen Quellen.

Er habe sich bei seinen Untersuchungen bewusst nur auf die Trolle bezogen, die sich auch so nennen, damit der Fokus klar und eindeutig bleibe. Sichtbarstes Zeichen für die Auswüchse der – den Bildungshintergrund ignorierenden – Aneignung von Troll-Konzepten sind für Simek die „norwegischen Kommerztrolle“. Er fällt im Buch ein eindeutiges Urteil: „Die norwegischen Souvenirtrolle sind nichts außer hässlich, und ob sie wirklich, wie ja offenbar intendiert, zu einem sympathischeren oder wenigstens interessanten Bild Norwegens in der Welt beitragen, kann bezweifelt werden.“

Differenzierter als in den Kinderbüchern seien da schon die Troll-Darstellungen in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Bezüge im Drama „Peer Gynt“ des Norwegers Hendrik Ibsen stellt Simek ausführlich dar. Trolle gehören selbstverständlich auch zum Personal der sich seit J.R.R. Tolkien etablierenden Fantasy-Literatur. Die größte Überraschung war für Simek jedoch, dass der ursprüngliche, „der böse Troll“ auf die Bühne der allgemeinen Wahrnehmung zurückgekehrt ist. Sei es im Film oder im Internet oder in der Wirtschaftskriminalität als Patenttroll. Man hat es geahnt und fühlt sich nach Simeks Buch bestätigt: Trolle sind überall.

Friedenspreis: Zweistimmiges Werk für den Frieden

Das Konstanzer Forschungspaar Aleida und Jan Assmann erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

„Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2018 an Aleida und Jan Assmann und ehrt damit ein Forscherpaar, das sich in seiner Arbeit seit Jahrzehnten wechselseitig inspiriert und ergänzt.“ Das schreibt der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Begründung für seine Wahl, die Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei der heutigen Eröffnung der Buchtage Berlin bekanntgab. Prof. Dr. Aleida Assmann ist Professorin em. für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz, Prof. Dr. Jan Assmann ist Honorarprofessor der Universität Konstanz und Professor em. am Institut für Ägyptologie der Universität Heidelberg. Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Preises wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober 2018 in der Paulskirche in Frankfurt stattfinden.

Aleida und Jan Assmanns Forschung konzentriert sich auf das Konzept des kulturellen Gedächtnisses als offiziell institutionalisierte Form kollektiven Erinnerns und unterscheidet es von den subjektiven individuellen Erinnerungen. Zu der Wahl des Forscherpaares formuliert der Stiftungsrat: „Aus dieser spannungsvollen, komplementären Einheit, die Aleida und Jan Assmann bilden, ist ein zweistimmiges Werk entstanden, das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist.“ Mit dem Friedenspreis würdigt der Börsenverein seit 1950 Persönlichkeiten, die mit ihrer literarischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeit als Friedensstifter wirken.

Aleida Assmann, die von 1993 bis 2014 die Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz war, greife mit ihren wissenschaftlichen Studien die Themen Geschichtsvergessenheit und Erinnerungskultur auf, heißt es weiter in der Begründung für die Verleihung des Preises. Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leiste sie in hohem Maß Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation. „Ihr Werk weist darauf hin, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist“, so die Begründung.

Jan Assmann, der von 1976 bis 2003 Professor für Ägyptologie an der Universität Heidelberg war und seit 2005 Honorarprofessor für Kulturwissenschaft und Religionstheorie an der Universität Konstanz ist, habe durch sein umfangreiches wissenschaftliches Werk internationale Debatten um Grundfragen zu den kulturellen und religiösen Konflikten unserer Zeit angestoßen. Mit seinen Schriften zum Zusammenhang von Religion und Gewalt sowie zur Genese von Intoleranz und absolutem Wahrheitsanspruch leiste er „einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis der Friedensbereitschaft und Friedenfähigkeit der Religionen in der Weltgesellschaft von heute“.

Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann war Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz und ist Permanent Fellow des Kulturwissenschaftlichen Kollegs Konstanz, einer Einrichtung des Exzellenzclusters. Auch Jan Assmann ist Cluster-Mitglied.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist nicht die erste renommierte Auszeichnung, die das Forscherpaar bislang erhielt – darunter der Balzan-Preis (2017) und der Karl-Jaspers-Preis (2017). Aleida Assmann erhielt unter anderem den A.H.-Heineken-Preis (2014) und den Max-Planck-Forschungspreis (2009). Jan Assmann wurde unter anderem mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa (2016) und dem Thomas-Mann-Preis (2011) ausgezeichnet.

Buchempfehlung: MARTIN SELIGMAN – Wie wir aufblühen

Wahrhaftes Wohlbefinden basiert auf fünf Säulen: positive Emotionen spüren, sich für etwas engagieren, V erbundensein mit anderen Menschen, Sinn in unserem Tun finden und merken, dass wir etwas bewegen können. Basierend auf wissenschaftlichen Studien sowie persönlichen E rfahrungen, zeigt der Pionier der Positiven Psychologie, Martin Seligman, was die Fokussierung auf die Stärken statt auf die Schwächen von Menschen zu leisten vermag – in Erziehung, Wirtschaft, Therapie, Medizin oder im Coaching. Konkrete Übungen ermöglichen es, die eigenen Stärken wahrzunehmen und die Positive Psychologie für ein gelingendes Leben für sich selbst zu erschließen.

Über Martin Seligman (Autor)

Prof. Dr. Martin E.P. Seligman lehrt an der University of Pennsylvania, Philadelphia. Seine Forschungsschwerpunkte sind Depression, Optimismus, Positive Psychologie. Weltbekannt wurde er v.a. mit seiner Theorie der Erlernten Hilflosigkeit.

www.seligmaneurope.com

Paperback, Klappenbroschur, 480 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-442-22111-0
€ 9,99 [D]

Die Hochschule Merseburg auf der Leipziger Buchmesse

Die Hochschule Merseburg präsentiert sich mit ihrem Angebot auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vom 15. bis 18. März am Gemeinschaftsstand des Forums Unibund (Halle 3, Stand H204). Neben Hochschulbibliothek und Hochschulverlag wird auch das Studien- und Weiterbildungsangebot der Hochschule vorgestellt. Absolvent*innen der Hochschule können sich vor Ort als Alumni registrieren lassen.

Nach dem erfolgreichen Vortragsprogramm im letzten Jahr gibt es – direkt am Stand – ebenso spannende Beiträge u.a. zu Riech- und Duftstoffen aus der Sicht des Chemikers, Sozialarbeiterwissen für den Alltag und den Kurzworkshop „Vielfältige Antworten auf einfältige Bemerkungen“ mit Tipps zum Reagieren auf rassistische und sexistische Kommentare.

Vortragsprogramm der Hochschule Merseburg:

Donnerstag, 15. März

11:15 / 13:00 Uhr
Das Parfüm – Riech- und Duftstoffe aus der Sicht des Chemikers, Prof. Thomas Rödel

14:00 Uhr
Die Idee der Homosexualität musikalisieren: Zur Aktualität von Guy Hocquenghem. Buchvorstellung mit moderierter Diskussion, Prof. Heinz-Jürgen Voß

Samstag, 17. März

11:00 Uhr
Ungewöhnliche Fragen für das Sprechen über Probleme: Einfache Methoden der Sozialarbeit für alle. Prof. Johannes Herwig-Lempp

11:30 Uhr
Es gibt immer mindestens sieben Möglichkeiten: Wie wir wieder handlungsfähig werden können, Prof. Johannes Herwig-Lempp

13:00 Uhr
Vielfältige Antworten auf einfältige Bemerkungen: Wie wir auf rassistische, sexistische und andere schockierende Kommentare reagieren könn(t)en“ (Kurz-Workshop), Prof. Johannes Herwig-Lempp

14:00 Uhr
Studentisches Lernen im Jugendstrafvollzug, Prof. Jens Borchert

Im Rahmen von „Leipzig liest“ werden am 15. März ab 18:00 Uhr im Soziokulturellen Zentrum Frauenkultur Bücher über sexuelle Bildung, Homosexualität, Gewaltprävention und Männergesundheit vorstellt.

http://www.frauenkultur-leipzig.de/Programm/Programm.html#15