Keine Querdenker gefragt – Was Führungskräfte von idealen Mitarbeitenden erwarten

Verlässlich, produktiv, loyal – und angepasst. So sollen ideale Mitarbeitende für viele Unternehmen sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Dr. Andrea Derler von der FernUniversität in Hagen.

Was macht die ideale Mitarbeiterin oder den ideale Mitarbeiter für Personalverantwortliche aus? Das untersuchte Dr. Andrea Derler in einer Studie für ihre Dissertation. Andrea Derler war bis vor kurzem Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalführung und Organisation (Univ.-Prof. Dr. Jürgen Weibler) an der FernUniversität in Hagen. Seit März 2015 arbeitet sie als Research Managerin bei einem Beratungsunternehmen in Oakland (Kalifornien).

Die Resultate der Studie helfen Unternehmen, ihre Personalpolitik besser einzuschätzen. Sie beleuchten auch, warum manche Unternehmen flexibler und innovativer auf Marktveränderungen reagieren und legen die Grundlage für weitere Untersuchungen in diesem neuen Forschungsfeld.

Repräsentativer Querschnitt

„Über persönliche und fachliche Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden haben Führungskräfte implizite Idealvorstellungen. Zum Beispiel bei der Personalauswahl“, fasst Derler den Forschungsstand zusammen. Offen ist hingegen: „Welche Idealvorstellungen das genau sind.“ Um diese Frage zu klären, wertete Derler die statistischen Daten aus 138 Online-Fragebögen aus. Führungskräfte aus Deutschland und Österreich hatten sich an der Studie beteiligt. Die Teilnehmenden waren Führungsverantwortliche aus dem mittleren (52,9 Prozent) sowie dem unteren (33,3 Prozent) und Top-Management (13,8 Prozent). Die Befragten arbeiten in der Dienstleistungs-, Automobil- und IT-Branche sowie im Ingenieur-Bereich.

Verlässlich …

„Die Top drei Angaben sind Verlässlichkeit, Produktivität und Loyalität“, resümiert Derler. Vor allem Führungskräfte in sogenannten Konzern-Kulturen, vor allem Großunternehmen, fordern von ihren Beschäftigten viel Leistung und schnelle Resultate. „Konzern-Managerinnen und -Manager hatten in den Befragungen auch die umfassendsten Vorstellungen von ihrem idealen Mitarbeitenden.“

Sogenannte „Flexible Organisationen“ stehen „Konzern-Kulturen“ diametral entgegen. Die Führungskräfte dieser Unternehmen hatten kein konkretes Ideal-Profil. Der Grund: „Sie sind innovationsorientiert und bieten Mitarbeitenden Raum, das eigene Potential zu entfalten. Diese Unternehmen passen sich nicht einfach nur dem Markt an, sie gestalten ihn auch aktiv“, erklärt Andrea Derler.

… und angepasst

„Die meisten der untersuchten Unternehmen bevorzugen angepasste Beschäftigte.“ Unter den zehn erwünschtesten Eigenschaften finden sich daher auch noch Fleiß, Höflichkeit und Teamfähigkeit. Unterwünschte Eigenschaften sind dagegen: Selbstbewusstsein, Unbelehrbarkeit und Abweichung von Firmentrends.
„Es ist ein Widerspruch zwischen Außendarstellung und gelebter Praxis.“ Denn die meisten der befragten Unternehmen sehen sich als innovativ und offen für Neues“, fand Derler heraus.

Innovationshemmnis

„Den meisten Führungskräften sind ihre impliziten Anforderungen nicht bewusst.“ Doch diese führen dazu, dass immer ähnliche Kandidatinnen und Kandidaten ausgewählt werden, die das Unternehmen im Zweifelsfall kaum voranbringen. Derler schlägt daher vor: „Unternehmen sollten bei der Personalauswahl auch prüfen, welches Innovationspotential Beschäftigte mitbringen.“

Angaben zur Publikation:
Andrea Derler: The Ideal Employee. The influence of work context, personality and organizational culture on leaders´ prototypical implicit follower theories. 2015.a

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Ken Robinson liefert in seinem Buch kluge und motivierende Antworten auf all diese Fragen und bestärkt uns nachdrücklich mit vielen inspirierenden Beispielen und effektiven Übungen, unser verborgenes Potenzial zu entfalten und unsere Leidenschaft zu leben.

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978-3-7110-0058-3
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Buchempfehlung: Nick Vujicic – Mein Leben ohne Limits „Wenn kein Wunder passiert, sei selbst eins!“

Buch_Mein Leben ohne Limits„Wenn kein Wunder passiert, sei selbst eins!“

Nick, 28: „Ohne Arme und Beine ist nicht halb so schlimm wie ohne Hoffnung!“ Als Junge will er sich das Leben nehmen – heute reist er um die Welt, versprüht Lebensmut und liefert neue Perspektiven für Probleme des Alltags. Sein Lachen erobert Herzen, seine Geschichte bewegt Jung und Alt. Mit der Kraft der Hoffnung und einer extra Portion Humor erzählt er aus seinem Leben ohne Grenzen.

Ich bewundere Nick Vujicic, weil er erkannt hat und praktiziert, worum es letztlich geht im Leben: sich selbst und seine Mitmenschen lieben. Diese Botschaft gibt er auf beeindruckende Weise weiter. Timo Hildebrand, Fußball-Nationalspieler

280 Seiten,  mit Farbfotos
Erscheinungsdatum: 16.01.2013
9. Auflage
ISBN: 978-3-7655-1119-6 
16,99 €

— dazu die Empfehlung: —

Personal Trainer für ein unverschämt gutes Leben
Nicks Regeln für ein wertvolles Leben

Buch_Personal Trainer

Endlich da: Nick Vujicics „Regeln für ein unverschämt gutes Leben“ – als persönlicher Lebensbegleiter und als Anregungsbuch für die Kleingruppe. Eine hervorragende Ergänzung für den Religions- und Konfirmationsunterricht. Nick Vujicic: der Personal Trainer für ein unverschämt gutes Leben. Mit Fragen, praktischen Anregungen, Impulsen und Ideen zum Umsetzen, Trainieren und Vertiefen – angereichert mit zahlreichen Fotos und Zitaten.

96 Seiten, Taschenbuch
12 x 18,6 cm
Erscheinungsdatum: 30.01.2013
2. Auflage
ISBN: 978-3-7655-4180-3
€ 6,99 (D)

Besten Dank für die Empfehlung von Reinhard Kröger  ( Jobtrainer-Blog ).

President Jose Mujica – Is he the poorest President?

„I’m called ‚the poorest president‘, but I don’t feel poor. Poor people are those who only work to try to keep an expensive lifestyle, and always want more and more. This is a matter of freedom. If you don’t have many possessions then you don’t need to work all your life like a slave to sustain them, and therefore you have more time for yourself.  I ask you now: what would happen to this planet if Indians would have the same proportion of cars per household than Germans? How much oxygen would we have left?“

President Jose Mujica (Uruguay)


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Sein Einkommen von ca. 800 $ spendet er jeden Monat.

Walschützer Paul Watson ist wieder aktiv!

Paul Watson, Chef der radikalen Umweltorganisation Sea Shepherd, wurde 2012 in Deutschland festgenommen. Da vermutlich eine Auslieferung an Japan nicht ausgeschlossen werden konnte, floh Paul Watson. Jetzt ist der kreative Tierschützer aufgetaucht. Er ist wieder  in der Antarktis unterwegs. Wir dürfen wieder auf spannende Nachrichten hoffen.

Waldorfschulen vermitteln Lernfreude und Selbstvertrauen

Praxis der Waldorfpädagogik wird durch empirische Forschung bestätigt

Waldorfschüler lernen freudiger, finden ihre Schule überwiegend einladend und fühlen sich zu zwei Dritteln individuell von den Lehrern wahrgenommen. Außerdem sehen sie sich in ihrer Selbstwirksamkeitserwartung gestärkt, d.h. sie lernen in der Schule ihre Stärken kennen. Dies ist ein Ergebnis der ersten großen empirischen Studie zu Bildungserfahrungen an den Waldorfschulen, die der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellte.

Die Studie „Bildungserfahrungen an Waldorfschulen“ wurde von Prof. Dr. Heiner Barz (Universität Düsseldorf) und Dr. Sylvia Liebenwein (Universität Düsseldorf) sowie von Prof. Dr. Dirk Randoll (Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter/Bonn) erstellt. Befragt wurden dazu rund 800 Schülerinnen und Schüler aus zehn Schulen. PISA-Koordinator Prof. Dr. Andreas Schleicher (OECD) hat das Vorwort zu der Studie geschrieben.

BdFWS-Vorstandsmitglied Henning Kullak-Ublick betonte, die Studie zeige, dass die Waldorfpädagogik mit ihrer Berücksichtigung des Lernumfelds, der Lernatmosphäre und der aktiven Beteiligung der Schüler an der Gestaltung des Unterrichts auf dem richtigen Weg sei. Es komme – auch nach den Ergebnissen der modernen Hirnforschung – darauf an, Eigenaktivität und Kreativität der Schüler einzubeziehen und ihnen damit die Motivation zum lebenslangen Lernen zu vermitteln. Kullak-Ublick: „Wir freuen uns über die neue Studie, die mit empirischen Mitteln belegt, dass die Bildungserfahrungen an den Waldorfschulen genau diejenigen sind, die die Schüler in der heutigen Welt brauchen.“

Das BdFWS-Vorstandsmitglied dankte den Forschern Barz, Liebenwein und Randoll für ihre Arbeit und den wichtigen „Blick von außen“. Er sicherte zu, dass die Forschungsergebnisse in die konzeptionelle Arbeit an den Waldorfschulen einfließen werden. Die an der Alanus Hochschule durchgeführte Studie wurde von der Pädagogischen Forschungsstelle beim BdFWS gefördert und von der Software AG – Stiftung finanziell unterstützt.

OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher schreibt in seinem Vorwort, dass soziale Intelligenz, emotionale Sicherheit und Gründergeist die entscheidenden Dimensionen seien, um sich in der immer komplexer werdenden Welt zurechtzufinden. Die Untersuchungen dieses Bandes zeigten, dass die Waldorfschulen für diese Zukunft gut aufgestellt seien. Lernfreude, Anstrengungsbereitschaft und Selbstwirksamkeit seien nicht nur wichtige Voraussetzungen für Lernerfolg, sondern sie seien heute zu Schlüsselfaktoren geworden.

Barz, der die Studie im Namen des Forscherteams in Berlin präsentierte, wies darauf hin, dass der enge Zusammenhang zwischen Bildungserfolg, Gesundheit und Schulklima zunehmend in den Fokus der Wissenschaft rückt. „Schüler, die frei von Leistungsdruck, Prüfungsstress und Angst vor Mobbing in die Schule kommen, bringen eindeutig günstigere Voraussetzungen für das Lernen mit“, so Barz. Die Ergebnisse der Studie belegten, dass die Waldorfschüler in diesen Punkten bessere Werte erzielten als die Schüler an den Regelschulen. Gesundheitliche Probleme wie Schlafstörungen oder Nervosität werden von den Waldorfschülern seltener genannt.

Auch die Beziehungen zu den Lehrern würden als deutlich besser beschrieben. Der Aussage „Unsere Lehrer interessieren sich für den Lernfortschritt jedes einzelnen Schülers“ stimmten danach 64,8 Prozent der Waldorfschüler, aber nur 30,5 Prozent der Regelschüler zu. 83 Prozent der Waldorfschüler bestätigten, dass sie in der Schule vermittelt bekommen, „Stärken zu haben“.

Individuelles und selbstständiges Lernen stelle ebenfalls ein Charakteristikum des Unterrichts an den Waldorfschulen dar. Es zeige sich z.B. in der großen Bedeutung der Jahresarbeiten als individuell gestalteten Projekten und in den vielen handwerklich-künstlerischen Aktivitäten. Die überwiegende Mehrheit der Waldorfschüler bejahte die Aussage, dass in ihrer Schule Kunst, Musik und Theater als wichtig eingestuft werden. Die UNESCO hat den hohen Stellenwert kultureller Bildung erst vor kurzem in ihren Publikationen unterstrichen.

Im Bericht des von Prof. Dr. Koolmann geleiteten Instituts für Bildungsökonomie der Alanus Hochschule, das seit 1974 jährlich einen umfangreichen Finanzbericht für die Waldorfschulen vorlegt, sind die hohen Investitionen des BdFWS in die Lehrerbildung genannt. 2011 seien z.B. ca. 8,2 Mio. EUR von den Waldorfschulen für diese Aufgabe aufgewendet worden, mehr als 300.000 EUR kämen noch für Fortbildung und Unterstützung von neuen Lehrerbildungsmodellen hinzu. Die Finanzierung dieser Aufwendungen erfolge überwiegend durch die Eltern der Waldorfschule, was keinesfalls selbstverständlich sei, wie Kullak-Ublick erläuterte. Auch die Studierenden an den Ausbildungsstätten der Waldorfschulbewegung leisteten erhebliche Studiengebühren. Eltern und Studierende, so der Bericht von Koolmann weiter, seien somit offensichtlich bereit, für ein besonderes Schulangebot auch besondere Leistungen zu erbringen. Darüber hinaus zeige sich hier auch die Bereitschaft aller zu einem überdurchschnittlichen zivilgesellschaftlichen Engagement.

Die Studie
Barz, Reiner/ Liebenwein, Sylvia/ Randoll, Dirk: Bildungserfahrungen an Waldorfschulen – Eine empirische Studie zu Schulqualität und Lernerfahrungen. Springer VS Verlag Wiesbaden 2012

Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Die derzeit 230 deutschen Waldorfschulen haben sich zum Bund der Freien Waldorfschulen e.V. mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen, wo 1919 die erste Waldorfschule eröffnet wurde. Die föderative Vereinigung lässt die Autonomie der einzelnen Waldorfschule unangetastet, nimmt aber gemeinsame Aufgaben und Interessen wahr

Strategie: In der Champions League spielen – Was Unternehmen von Fußballvereinen lernen können

Der FC Bayern München steht am 19. Mai 2012 zum neunten Mal im Champions League Finale und ist – trotz der Niederlage im DFB-Pokalfinale – einer der weltweit erfolgreichsten Fußballvereine. Führen Profifußball-Strategien auch Unternehmen zum Erfolg?

Sven Voelpel, Professor of Business Administration an der Jacobs University, zeigt, dass Profifußball der Wirtschaft sogar oft voraus ist, weil der Druck ungleich höher ist. Denn Fußball ist ein enorm kurzfristiges Geschäft. Trainer werden bereits nach vergleichsweise kurzen Phasen von Erfolglosigkeit entlassen. Andererseits müssen Fußballvereine langfristige Ziele, wie neue Sponsorenverträge und die Nachwuchsförderung im Blick behalten.

Das Spannungsfeld zwischen kurzfristigem Erfolg und langfristiger Planung, in dem sich Profi-Fußballvereine bewegen, ähnelt den Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. In Unternehmen sind kurzfristige Ziele, die Ausschöpfung von Produkten und Dienstleistungen, den Cash Cows, wichtig. Aber ein Unternehmen muss auch die langfristige Neuentwicklung von Produkten und Strategien beachten. Jacobs-Professor Sven Voelpel hat die Erfolgsformel des Profi-Fußballs erforscht, um sie auf die Wirtschaft übertragbar zu machen:

„Erfolg in der Geschäftswelt, wie im Fußball hängt von den gleichen Managementfaktoren ab: Strategie, Struktur, Führung und Kultur. Vom Fußball können Führungskräfte besonders gut lernen, da Erfolg unmittelbarer gemessen und mit härteren Konsequenzen versehen ist. Und Fußball konzentriert sich auf das Wesentliche: Wahre Leistung entsteht nur durch Leidenschaft.“

Der richtige Führungsstil und die Balance zwischen Forderung und Förderung der Mitarbeiter bzw. der Spieler, sind elementar. Die besondere Qualität des Trainers Jürgen Klopp von Borussia Dortmund ist es zum Beispiel, viel von seinen Spielern zu fordern, andererseits aber auch glaubwürdig Aufbauhilfe zu leisten, sollten Unsicherheiten bestehen. Auf die Frage, was die Wirtschaft vom Profifußball lernen kann, sagt Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München:

„Im Fußball ist der Teamgeist sehr ausgeprägt. Das ist übertragbar auf jedes Unternehmen. Mitarbeiter bekommen das Gefühl, dass sie wichtig sind und ernst genommen werden. Und dass man nur in einem Team imstande ist, den Erfolg zu garantieren. Und noch eine wichtige Komponente: Man sollte das Personal schützen. Denn nur zufriedene Mitarbeiter befeuern das Unternehmen.“

Der Dienstleister für Kunden-Management-Lösungen buw bettet seit Jahren Ideen aus dem Fußball zentral in seine Unternehmenskultur ein. Sven Voelpel hat das Unternehmen und seine Strukturen analysiert. Der buw Geschäftsführer Jens Bormann beschreibt seine Philosophie unter anderem so: „Während der Vertrieb nach vorne stürmt, um neue Projekte zu gewinnen, fungieren die Fachabteilungen als Flankengeber innovativer Technik und neuer Produkte.“ Die Mitarbeiter fühlen sich als Akteure eines Fußballclubs. Was merkwürdig klingt, ist ein preisgekröntes Beispiel für moderne Unternehmenskultur in einem Geschäftsfeld, das nicht den besten Ruf genießt. Der Kommunikationsdienstleister ist 2012 erneut mit dem Top Job Gütesiegel für herausragende Personalarbeit ausgezeichnet worden. Dieser Erfolg zeigt, dass Fußballtugenden wie Leidenschaft, Teamgeist, Fairplay und Siegeswille nicht nur auf die Wirtschaft übertragen werden können, sondern sie auch anregen und bereichern.

Die Forschungsergebnisse hat Sven Voelpel zusammen mit Ralf Lanwehr, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Business and Information Technology School Iserlohn, in dem Buch „Managment für die Champions League – Was wir vom Profifußball lernen können“ zusammengetragen.

Quelle: Jacobs University Bremen

Buchtipp: Jutta Kleinschmidt – Mein Sieg bei der Dakar oder was Rallyefahren und Business gemeinsam haben

Jutta Kleinschmidt – bislang einzige Siegerin der Rallye Dakar und erfolgreiche Management-Trainerin. Erstmals beschreibt sie in einem Buch ihre Erfahrungen als Frau in einer reinen Männerdomäne.

Inhalt:

-Das Abenteuer Dakar aus erster Hand
-Wie eine große Sportlerin kritische Situationen gemeistert hat
-Was sie zu Träumen und Visionen, Initiative und Fehlern, zu Rückschlägen und Siegeswillen zu sagen hat und was wir daraus fürs Business lernen können
-Konkrete Tipps für Organisation, Teamarbeit oder Krisenmanagement

Andreas Kellner und Jutta Kleinschmidt

Jutta Kleinschmidt ist Diplom-Ingenieurin. 1993 startete sie ihre Laufbahn als Profi-Marathon-Rallyefahrerin und gewann 2001 als bislang einzige Frau die Rallye Dakar. Sie arbeitet seit über zehn Jahren als Management-Trainerin und Referentin für namhafte Wirtschaftskonzerne.

Weitere Informationen finden Sie hier:  www.jutta-kleinschmidt.de 

Was soziale Netzwerke im Internet auch über Nicht-Mitglieder wissen können

Heidelberger Forscher untersuchen die automatische Generierung von sogenannten Schattenprofilen

Was können soziale Netzwerke im Internet über Menschen wissen, die selbst kein Nutzerprofil besitzen, aber Freunde von Mitgliedern sind? Das haben Forscher des Interdisziplinären Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg untersucht. Ihre Arbeiten zeigen, dass sich Informationen aus der Netzwerkstruktur von Mitgliedern auf Nicht-Mitglieder übertragen und mit Hilfe von netzwerkanalytischen Strukturmerkmalen auswerten lassen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, etwa 40 Prozent der existierenden Freundschaftsbeziehungen zwischen Nicht-Mitgliedern auf der Basis reiner Kontaktdaten korrekt vorherzusagen.

Bereits seit einigen Jahren gehen Wissenschaftler der Frage nach, welche Schlussfolgerungen sich mit Hilfe des Computers aus direkt oder indirekt eingegebenen Daten durch entsprechende Lern- und Vorhersagealgorithmen ziehen lassen. In einem sozialen Netzwerk können auch Angaben wie sexuelle Orientierung oder politische Ausrichtung, die ein Mitglied nicht selbst angegeben hat, mit sehr hoher Präzision „berechnet“ werden, wenn genug Freunde des betreffenden Nutzers die entsprechende Information über sich selbst freigegeben haben. „Sobald bestätigte Freundschaftsbeziehungen bekannt sind, ist die Vorhersage bestimmter unbekannter Eigenschaften keine allzu große Herausforderung mehr für die maschinelle Datenanalyse“, sagt Prof. Dr. Fred Hamprecht, Mitbegründer des Heidelberg Collaboratory for Image Processing (HCI).

Soziale Netzwerke teilen die Gesellschaft in Mitglieder und Nicht-Mitglieder auf. Beziehungen zwischen Nicht-Mitgliedern, deren E-Mail-Adressen dem Netzwerk von Mitgliedern mitgeteilt wurden (rote Verbindunglinien), können anhand der beidseitig bestätigten Freundschaftsbeziehungen zwischen Mitgliedern (schwarze Linien) und ihren Verbindungen zu Nicht-Mitgliedern (grüne Linien) mit großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden.
Abbildung: Ágnes Horvát

Untersuchungen dieser Art beschränken sich bislang jedoch auf Nutzer von sozialen Netzwerken, also auf Personen, die dort über ein Nutzerprofil verfügen – und damit den jeweiligen Datenschutzbedingungen zugestimmt haben. „Nicht-Mitglieder besitzen hingegen keine derartige Vereinbarung. Aus diesem Grund haben wir ihre Anfälligkeit für die automatische Generierung sogenannter Schattenprofile untersucht“, erläutert Prof. Dr. Katharina Zweig, die bis vor kurzem am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg tätig war.

In einem sozialen Netzwerk im Internet ist es möglich, unter anderem mit Hilfe einer Funktion zum Auffinden von Bekannten an Informationen über Nicht-Mitglieder zu gelangen. So werden Neumitglieder von Facebook dazu aufgefordert, bei ihrer Registrierung dem Netzwerk ihre kompletten E-Mail-Kontakte zur Verfügung zu stellen – auch Kontakte zu Personen, die selbst nicht Mitglied bei Facebook sind. „Dieses sehr grundlegende Wissen darüber, wer mit wem in einem sozialen Netzwerk bekannt ist, lässt sich mit Informationen darüber verknüpfen, wen Nutzer außerhalb des Netzwerks kennen. Mit dieser Verknüpfung kann dann wiederum ein wesentlicher Teil des Bekanntschaftnetzes zwischen Nicht-Mitgliedern abgeleitet werden“, erläutert Ágnes Horvát, die am IWR forscht.

Für ihre Berechnungen nutzten die Heidelberger Wissenschaftler ein Standard-Verfahren des maschinellen Lernens, aufbauend auf netzwerkanalytischen Strukturmerkmalen. Da die Daten, die für diese Untersuchung benötigt wurden, nicht frei erhältlich sind, haben die Forscher mit einem Testset echter Grunddaten gearbeitet. Die Aufteilung in Mitglieder und Nicht-Mitglieder sollte dabei mit einer möglichst großen Bandbreite von Methoden simuliert werden. Mit der Simulation war es zugleich möglich, die Untersuchungsergebnisse zu validieren. Mit handelsüblichen Computern konnte in nur wenigen Tagen berechnet werden, welche Nicht-Mitglieder mit großer Wahrscheinlichkeit miteinander befreundet sind.

Für die Heidelberger Wissenschaftler war dabei überraschend, dass alle Simulationsansätze qualitativ dasselbe Ergebnis brachten. „Unter realistischen Annahmen darüber, wieviel Prozent einer Bevölkerung Mitglied eines sozialen Netzwerkes sind und mit welcher Wahrscheinlichkeit diese ihr E-Mail-Adressbuch hochladen, hat sich gezeigt, dass es mit den Berechnungen möglich war, rund 40 Prozent richtige Vorhersagen über Bekanntschaften zwischen den Nicht-Mitgliedern zu treffen.“ Dies stellt nach Angaben von Dr. Michael Hanselmann vom HCI eine 20-fache Verbesserung gegenüber einfachem Raten dar.

„Unsere Untersuchung hat deutlich gemacht, welches Potenzial soziale Netzwerke besitzen, um Informationen über Nicht-Mitglieder abzuleiten. Die Resultate sind auch deshalb erstaunlich, weil sie auf reinen Kontaktdaten beruhen“, betont Prof. Hamprecht. Viele soziale Netzwerke und Dienstleister verfügen jedoch über weitaus mehr Informationen der Nutzer, etwa Alter, Einkommen, Ausbildung oder Wohnort. Mit der Verwendung solcher Angaben, einer entsprechenden technischen Infrastruktur und weiteren Strukturmerkmalen der Netzwerkanalyse ließe sich – so die Wissenschaftler – die Vorhersagegenauigkeit vermutlich noch deutlich steigern. „Insgesamt zeigt unser Projekt damit auf, dass wir als Gesellschaft eine Vereinbarung dafür finden müssen, inwieweit Informationen genutzt werden dürfen, zu denen es keine Freigabe der betroffenen Personen gibt“, sagt Prof. Zweig.

Die Forschungsergebnisse wurden in „PLoS ONE“ veröffentlicht.

Quelle: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Studie zum Prinzip des „Pay-What-You-Want“: Lieber gar nicht als zu billig

Beim Prinzip des „Pay-What-You-Want“ („Zahle, was du willst“), kann der Kunde völlig frei über den Preis für eine Ware oder Dienstleistung entscheiden – auch darüber, nichts zu bezahlen. So bot die Rockband Radiohead 2007 ihr Album „In Rainbows“ im Internet zum Download an, bezahlt wurde nach Belieben. Erstaunlicherweise zahlten die Fans, und auch nicht wenig. Zwar schaffen es Anbieter nicht immer, mit dem Bezahlsystem ihre Kosten zu decken, aber in manchen Hotels, Restaurants oder Kinos funktioniert Pay-What-You-Want (kurz: PWYW) seit Jahren erfolgreich, denn die wenigsten Kunden entscheiden sich dafür, die in Anspruch genommene Leistung gar nicht zu entlohnen. Warum aber zahlt jemand für etwas, was er auch umsonst haben könnte?

Ein internationales Forscherteam, zu dem auch Wirtschaftswissenschaftler Gerhard Riener von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gehört, ist dieser Frage nachgegangen. Das erstaunliche Ergebnis: Treibende Kraft dahinter ist nicht nur – wie bisher angenommen, der Sozialdruck von außen – sondern auch das innere Bestreben, ein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten. Nach mehreren Experimenten mit leicht unterschiedlichen PWYW-Strategien konnten die Forscher zeigen, dass unter bestimmten Umständen mehr Menschen zugreifen, wenn ein Angebot einen festgesetzten günstigen Preis hat, als wenn sie den Preis selbst bestimmen dürfen. Gerhard Riener dazu: „Besonders ausgeprägt ist der Effekt, wenn die potentiellen Kunden das Gefühl haben, ein Angebot ist relativ wertvoll – sie aber nicht bereit sind, viel Geld auszugeben. In diesem Fall verzichten sie eher komplett auf den Kauf, als einen ihnen unfair erscheinenden geringen Preis dafür zu zahlen.“

Im ersten Fall erhielten die Besucher eines amerikanischen Freizeitpark nach einer Achterbahnfahrt die Möglichkeit, ein von ihnen geschossenes Foto entweder zu einem regulären Preis von 15 Dollar, oder zu einem Sonderpreis von fünf Dollar oder zu einem freiwilligen, selbstbestimmten Preis zu erwerben. Letztere Variante wurde noch erweitert – ein Teil der Besucher bekam die Zusatzinformation, dass die Hälfte des freiwilligen Betrages an eine bekannte Wohltätigkeitsorganisation gespendet würde. Wie erwartet stiegen die Verkäufe, wenn das Sonderangebot ausgerufen wurde. Kannten die Käufer den regulären Preis und das Sonderangebot und wurden dann zum PWYW aufgefordert, griffen sie seltener zu, selbst die mit dem Sonderangebot identischen fünf Dollar war ihnen dann zu wenig. Offenbar erschien den Testpersonen ein selbst gewählter geringer Preis für das wertvollere Angebot – Foto plus Spende – so unfair, dass sie lieber vollständig auf den Kauf verzichteten.

Diese Skrupel verschwinden allerdings, wenn ein niedriger Preis bereits vorgegeben ist, wie der zweite Test zeigte. Darin boten die Wissenschaftler Teilnehmern einer Bootstour wiederum Fotos zum Kauf an, einem Teil entweder für einen Sonderangebot von fünf Dollar oder für einen selbstgewählten Preis. Aus der „Sonderangebots-Gruppe“ griffen 64% zu, aus der „PWYW-Gruppe“ nur 55%.

Das dritte Experiment belegte die Vermutung, dass es tatsächlich ein inneres Bedürfnis und nicht nur der moralische Druck von außen ist, der Menschen zu einem fairen Bezahlverhalten animiert. In dem Wiener pakistanischen Restaurant „Deewan“ – einem PWYW-Restaurant – wurden die Gäste in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine sollte ihren selbstbestimmten Betrag direkt beim Personal zahlen, die andere den Betrag in einen Umschlag stecken. Überraschenderweise zahlten die anonym bleibenden Kunden im Schnitt nicht weniger sondern sogar mehr. Riener erläutert: „Offenbar möchte man vor sich selbst als gut und fair darstehen. Gelingt das nicht, verzichtet man lieber auf ein Angebot. Wenn Menschen ein PWYW-Unternehmen mögen, zahlen sie vermutlich eher einen angemessenen Preis, als einfach so wenig wie möglich!“

Die Studie „Pay-what-you-want, identity, and self-signaling in markets“ von Ayelet Gneezy, Uri Gneezy, Gerhard Riener und Leif D. Nelson ist nun im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) veröffentlicht (doi: 10.1073/pnas.1120893109).

Quelle: Heinrich Heine Universität Düsseldorf