Fernsehsender analysieren SmartTV-Besitzer

Informatiker der TU Darmstadt haben gezeigt, dass Sendeanstalten das Nutzerverhalten ihrer Zuschauer mit internetfähigen TV-Geräten ohne deren Wissen auswerten können. Die Forscher stellten ihre am Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) entstandene Arbeit heute in Bonn beim Deutschen IT-Sicherheitskongress des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik vor.

Neue Fernsehgeräte, sogenannte Smart TVs, können Fernsehen und Internet verbinden. Viele öffentliche und private Sendeanstalten bieten Zuschauern so verschiedene interaktive Zusatzfunktionen. Möglich macht das unter anderem die neue Funktion Hybrid Broadcast Broadband TV (HbbTV), die beispielsweise Informationen zum laufenden Programm oder weitere Folgen einer Sendereihe aus der Mediathek zur Verfügung stellen kann. In Deutschland werden bis 2016 voraussichtlich über ein Drittel aller Haushalte einen HbbTV-fähigen Fernseher nutzen.

Datenübertragung startet ohne Wissen der Nutzer

Die Nutzer dieser Geräte sehen in der Regel eine eingeblendete Information, dass der Sender Zusatzinformationen anbietet. Wer interessiert ist, kann diese über eine Taste auf der Fernbedienung abrufen. „Was die Nutzer nicht wissen können ist, dass der Fernseher bereits bei der Senderwahl mit dem Server der Sendeanstalt kommuniziert. Von vielen Sendern empfängt er mehrmals pro Minute Inhalte, überträgt aber auch Nutzungsdaten, ohne dass der Zuschauer HbbTV aktiv durch Drücken des Red Buttons nutzt“, erklärt Informatiker Marco Ghiglieri. Die so gewonnenen Informationen sind aus datenschutzrechtlicher Sicht durchaus als bedenklich einzustufen. Insbesondere, da einige Sender die Daten auch Drittanbietern wie Google Analytics zur Verfügung stellen, die detaillierte Nutzeranalysen erzeugen. Diese könnten Sendern vor allem zur Ermittlung von regionalen Einschaltquoten und zur Übertragung personalisierter Werbung dienen.

„Nutzeranalysen sind nicht prinzipiell schlecht, wenn die Nutzer über den Zweck informiert sind und die Überwachung mit Zustimmung erfolgt“, ergänzt Ghiglieri. Derzeit hat der Nutzer nur die Wahl, Datendienste auf dem Fernseher abzuschalten, verliert aber dadurch auch alle neuen Funktionen. Eine Übersicht des Verhaltens einzelner HbbTV-Sender geben die Autoren in ihrer Veröffentlichung. „Anbieter und Hersteller müssen lernen, dass Sicherheit und Privatsphäre schon „by Design“, also im Entwurfsstadium berücksichtigt werden muss. Nachträgliche Absicherung ist oft teurer und kann das Vertrauen der Kunden erschüttern“, sagt Michael Waidner, CASED-Direktor und Professor für Sicherheit in der Informationstechnik.

Appell an Sender und Gerätehersteller: Datenschutz standardisieren

Die Wissenschaftler sind mit den Sendeanstalten im Gespräch und fordern sie auf, sich mit den Gerätehersteller möglichst schnell auf einen Standard mit konkreten, technischen Datenschutzlösungen zu einigen. Eine Datenübertragung soll dann erst nach Aktivierung der HbbTV-Funktion durch den Nutzer möglich sein. In ihrer Veröffentlichung schlagen die Forscher mögliche Gegenmaßnahmen vor. Weiterhin müssen die Daten so übertragen werden, dass kein Angreifer Informationen abfangen und auswerten kann.

Wenn der Standard nicht angepasst wird, ist nicht auszuschließen, dass über zukünftige Funktionen auch kritischere Daten versehentlich oder wissentlich übermittelt werden. Beispielsweise, wenn über den Fernseher auch Bezahldienste, private Bilder oder eine integrierte WebCam genutzt werden.

Die Forscher haben ihre Ergebnisse von Dezember 2012 Anfang Mai überprüft. Noch immer zeigen die Sender das gleiche Verhalten, nur die eingesetzten Trackingdienste haben sich teilweise geändert.

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Softwaresicherheit als Wettbewerbsvorteil

Hersteller von Software sehen in der IT-Sicherheit sowohl ein Risiko als auch eine Chance im globalen Wettbewerb. Die drei BMBF-geförderten deutschen Kompetenzzentren für IT-Sicherheit – CISPA, EC SPRIDE und KASTEL – unterstützen Hersteller bei der Entwicklung von sicherer Software: In ihrem aktuellen Trend- und Strategiebericht „Entwicklung Sicherer Software durch Security by Design“ erörtern sie Herausforderungen und Lösungswege.

Softwarehersteller haben verstanden: IT-Sicherheit ist neben der eigentlichen Funktionalität eine immer wichtigere Produkteigenschaft. Um Softwareprodukte sicherer zu machen, müssen IT-Sicherheitsfragen von Beginn des Herstellungsprozesses an berücksichtigt werden. In der Vergangenheit haben viele Hersteller IT-Sicherheit als nachrangiges Problem betrachtet, dessen Behandlung nicht selten bis zum letzten Augenblick aufgeschoben wurde. Es ist mittlerweile bekannt, dass dieses Vorgehen für die Hersteller unnötig teuer ist und Anwender vermeidbaren Sicherheitsrisiken aussetzt. Aber gerade mittelständische und kleinere Hersteller sind nicht in der Lage, diese Herausforderungen aus eigener Kraft zu bewältigen. Neben Kosten für nachträgliche Behebung von Schwachstellen und möglicherweise sogar Schadensersatzklagen droht ihnen ein langfristiger Image- und Vertrauensverlust.

Gerold Hübner, Chief Product Security Officer von SAP bestätigt: „Indem wir bei SAP mit unserem Security Development Lifecycle und den dazugehörigen Prozessen Schwachstellen in unserer Software zum frühestmöglichen Zeitpunkt beheben, erhöhen wir die Sicherheit für unsere Kunden und vermeiden gleichzeitig wesentlich höhere Kosten, die bei der späteren Fehlerbeseitigung anfallen würden.“ In Zukunft werden sich die Probleme noch verstärken: Die Komplexität von Software wird weiter zunehmen und die nachträgliche Absicherung von Software immer aufwändiger und teurer. Eine frühe systematische Berücksichtigung von Sicherheit bei der Softwareherstellung hat eine strategische Dimension und wird zum Wettbewerbsvorteil. Die Kompetenzzentren CISPA, EC SPRIDE und KASTEL zeigen der Softwareindustrie in ihrem Trend- und Strategiebericht Wege und Ansatzpunkte zur Verbesserung der Softwaresicherheit.

Forscher geben konkrete und perspektivische Anregungen

Die Zentren haben sich mit den Herausforderungen und Problemen der heutigen Softwareindustrie in Bezug auf IT-Sicherheit beschäftigt und Fragen aufgezeigt, die zur Verbesserung der Softwarequalität beantwortet werden müssen. Einige der Anregungen des Berichtes können unmittelbar gewinnbringend von der Softwareindustrie umgesetzt werden, andere brauchen noch industrielle Vorlaufforschung. Die perspektivischen Punkte müssen bei der Planung zukünftiger Forschungsprogramme von Fördergebern, von einschlägigen Forschungseinrichtungen und von Forschungsabteilungen der Softwareindustrie berücksichtigt werden. Die Zentren wollen die Forschung maßgeblich vorantreiben und Partnerunternehmen unterstützen.

IT-Sicherheit muss strategischer Bestandteil des Entwicklungsprozesses werden

„In unserem Bericht vertreten wir die Meinung, dass die Softwarebranche zukünftig noch strategischer handeln muss. Überall, wo Software professionell entwickelt wird, muss IT-Sicherheit fester Bestandteil des Entwicklungsprozesses werden. Nur so können wir langfristig den IT-Infrastrukturen vertrauen, von denen wir alle im täglichen Leben abhängen“, erklärt Michael Waidner, Professor an der Technischen Universität Darmstadt, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie und Direktor des Kompetenzzentrums European Center for Security and Privacy by Design (EC SPRIDE). „Deutschland gehört zu den führenden Nationen in der IT-Sicherheitsforschung. Wir müssen und können unseren Vorsprung in der Forschung zu einem Vorteil für die deutsche Softwareindustrie und für Anwender übertragen – durch praktische Werkzeuge und durch Beratung zur Einführung von Sicherheitsprozessen“.

Auch Karl-Heinz-Streibich, Vorstandsvorsitzender der Software AG, unterstützt als einer der führenden deutschen Softwarehersteller die Initiative der Zentren: „Die Software AG hat eine enge und langfristige Verzahnung von Wirtschaft und IT-Sicherheitsforschung etabliert, denn innovative Produkte und Dienstleistungen sind ohne sichere Software in Zukunft nicht mehr denkbar. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird entscheidend von der Fähigkeit abhängen, Software-basierte Produkte und Dienstleistungen mit höchster Qualität zu erstellen“.

Gerold Hübner, Chief Product Security Officer von SAP begrüßt den Bericht ebenfalls: „SAP geht bei der Sicherheit keine Kompromisse ein. Die Fähigkeit, Schwachstellen so früh wie möglich zu finden und zu beheben, trägt wesentlich zur Effektivität der Softwareentwicklungsprozesse bei. Gleichzeitig beeinflusst es die Qualität und die Sicherheit der Produkte positiv. Sicherheitslücken würden sowohl unserer Marke als auch die unserer Kunden beschädigen. Deshalb gehören Sicherheitstests bei SAP schon während der Entwicklung zum Standard.

Interaktives Seminar IDEENWELT Social Media

Neue Chancen durch regionales Internet-Marketing, Facebook & Co.

Die Präsenz auf Social Media Plattformen ist für viele Unternehmen immens wichtig geworden, um ihr Image und ihre Reputation aktiv zu beeinflussen. Durch soziale Netzwerke, Blogs oder Foren treten Unternehmen nicht nur direkt mit ihren Kunden in den Dialog, Nutzer können durch ihre Beiträge auf unternehmenseigenen sowie fremden Internetplattformen auch direktes Feedback geben. Im Idealfall liefert dieses sogar Inspiration für die weitere Produktentwicklung.

Das interaktive Seminar »Ideenwelt Social Media« ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch eine Plattform für Austausch und Kreativität: Teilnehmer berichten von ihren Erfahrungen, erhalten Feedback von Kollegen und erstellen in einer Ideenwerkstatt gemeinsam neue Konzepte.

Moderiert und immer wieder inspiriert wird dieser Prozess von den Wissenschaftlern des Fraunhofer IAO. Die Veranstaltung richtet sich an Geschäftsführer, Vertreter aus Unternehmenskommunikation und Marketing, Service und Vertrieb, aber auch Produkt- und Innovationsmanagement.

Themenschwerpunkte der Veranstaltung sind:

Internet-Marketing im Überblick

– Kommunikationskanäle regional nutzen
– Instrumente vernetzen
– Webbasierte Ökosysteme wie ebay, Amazon & Co

Social Media für Unternehmen

– Plattformen, Anwendungsfelder und Beispiele
– Management-Herausforderungen
– Praxistipps

Termin
6. Juni 2013

Teilnahmegebühr
Die Teilnahmegebühr für das Seminar am 6. Juni 2013 beträgt 395 €.
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 Personen beschränkt. In der Gebühr sind die Teilnahme am Seminar, die Tagungsunterlagen, das Mittagessen sowie die Erfrischungen während der Pausen enthalten.

Veranstalter
Verein zur Förderung produktionstechnischer Forschung e.V., Stuttgart und Fraunhofer IAO, Stuttgart

Veranstaltungsort
Fraunhofer IAO, IAT Gebäude
EG, Raum 0.201, Allmandring 35, 70569 Stuttgart

Weitere Informationen:

IDEENWELT

Sales Convention in der NORDAKADEMIE: Neue Medien definieren Vertriebsarbeit nicht neu

Die Neuen Medien haben das Einkaufs- und Entscheidungsverhalten der Kunden verändert. Viele sind besser informiert und anspruchsvoller. Verkäufer müssen lernen, mit dieser veränderten Situation umzugehen.Erleben wir tatsächlich gerade eine Revolution im Vertrieb? Oder haben wir es mit einer Blase zu tun, wie einst bei der „New Economy“? Diesen Fragen gingen Experten aus Wissenschaft und Praxis anlässlich der vierten Sales Convention 2013 in der NORDAKADEMIE Elmshorn nach. „Neue Medien im Vertrieb – Revolution oder Rudelverhalten?“ lautete deshalb das Thema der Tagung im Audimax der Hochschule, an der rund 150 Interessierte aus überwiegend norddeutschen Unternehmen teilnahmen.

In seiner Eröffnungsrede stellte der NORDAKADEMIE-Marketingexperte und Initiator der Sales Convention, Prof. Dr. Lars Binckebanck, die Argumente für und gegen einen medieninduzierten Paradigmenwechsel im Vertrieb dar. Seiner Ansicht nach erweitern Neue Medien das Instrumentarium zwar, definieren aber Vertriebsarbeit nicht neu. Vielmehr komme es darauf an, den Kosten-Nutzen-Aspekt unternehmensspezifisch genau zu analysieren und anschließend mit Augenmaß vorzugehen.

Lars Luck, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Co-Autor des Fachbuchs „Data Unser“, zeigte anhand von Praxisbeispielen die enormen Potenziale von Kundendatenanalysen auf und skizzierte die Implikationen für die Vertriebsarbeit. Insbesondere thematisierte er die Anforderungen, aber auch die Grenzen eines datenbasierten Vertriebs als Teil einer kundenzentrierten Organisation. An die Praktiker gewandt sagte Lars Luck: „Vertriebler werden sich künftig nicht mehr so stark um administrative Dinge kümmern müssen. Sie können sich mehr auf den Kunden konzentrieren, dessen Kaufverhalten sie aus der Nutzung seiner Kreditkarten zum Teil schon kennen.“

Clemens Tönnies, Vorstandsvorsitzender der Tönnies Unternehmensgruppe und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04, diskutierte über Neue Medien aus Sicht der Lebensmittelindustrie. Hier ergeben sich beispielsweise durch QR-Codes mit entsprechenden Produktinformationen ganz neue Möglichkeiten, das angeschlagene Vertrauen der Kunden in die Qualität von Fleischerzeugnissen zurückzugewinnen und Wettbewerbsvorteile zu generieren. Einen Internet-Fleischvertrieb, wie bei so manch anderen Lebensmitteln, kann sich Tönnies allerdings nicht vorstellen: „Für uns fällt dieser Vertriebsbereich flach!“

Prof. Dr. Alexander Haas, Professor für Marketing an der Justus-Liebig-Universität in Giessen, stellte in seinem Key-Note-Vortrag Potenziale neuer Medien im Vertrieb dar. Auf der Basis einer Vielzahl von Praxisanwendungen forderte er die Einbindung der Medien in eine ganzheitliche Perspektive unter Beachtung von Zielen, Strategien und unternehmensspezifischen Rahmenbedingungen. Dabei kombinierte er wissenschaftliche Untersuchungen mit praktisch umsetzbaren Empfehlungen. So seien soziale Medien weniger zur Umsatzsteigerung, als vielmehr zur Produktivitätserhöhung im Vertrieb geeignet.

Andreas Buhr, Vorstand der go! Akademie für Führung und Vertrieb AG in Düsseldorf und Autor des Fachbuchs „Vertrieb geht heute anders“, stellte sehr plastisch die Veränderungen in der Vertriebsarbeit dar, die sich durch neue Medien ergeben. So steht nach seiner Ansicht nicht so sehr die Information des Produkts im Vordergrund, sondern die Art und Weise, wie sie dem Kunden emotional vermittelt werden. Gleichzeitig betonte er den Stellenwert persönlicher Beziehungen und machte deutlich, dass hier klassische Verkaufstechniken auch in Zukunft ihre Bedeutung behalten werden.

Matthias Klug, Leiter der internationalen Unternehmenskommunikation bei STILL, zeigte ganz konkret anhand von App-gestützten Verkaufsunterstützungsmaßnahmen, wie die systematische Verwendung von Tablet-PCs im Vertrieb den Kundenmehrwert erhöhen kann.

Zum Abschluss der vierten Sales Convention in der NORDAKADEMIE referierte Frank Mahlberg, Verlagsgeschäftsführer Hamburger Abendblatt/WELT-Gruppe/Berliner Morgenpost bei Axel Springer, aus seiner Praxis. Die Zeitungsbranche ist durch Digitalisierung in besonderem Maße betroffen. Wirtschaftlich schlecht, so der Verlagsgeschäftsführer, gehe es den Medien, die auf Veränderungen gar nicht oder schlecht reagiert hätten. So gehen Anzeigen immer mehr vom Print in die neuen digitalen Medien. „In den vergangenen zehn Jahren sind die Anzeigenerlöse im Printgeschäft um 70 Prozent rückläufig“, so der Verlagsgeschäftsführer. Für ihn sei die Krise vieler Verlage eigentlich mehr eine Strukturkrise. Denn nach seiner Erfahrung, erklärte Mahlberg, seien die Werbeausgaben der Unternehmen relativ stabil. Sie verschieben sich nur vom Print ins Digitale. Weiter zeigte Mahlberg mit Beispielen aus dem Hause Axel Springer auf, wie man dort auf den strukturellen Wandel reagiert. Daraus ließen sich durchaus Lehren für andere Branchen im Umgang mit Neuen Medien ableiten.

EBS-Studie: Social Media verstärken die Markenbindung

Die gkk DialogGroup GmbH hat in Kooperation mit Kia Motors Deutschland und der EBS Business School untersucht, wie sich das Engagement von Konsumenten in Social Media auf die Beziehung zu einer Marke auswirkt. Die repräsentative Studie bestätigt das positive Verhältnis von Marken-Fans zu ihrer Marke durch hohe Aktivität in den sozialen Netzwerken. Sie wiesen eine bis zu 30 Prozent stärkere Beziehung zur Marke auf. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass dieses Engagement bei Fans die Kaufintention um etwa 20 Prozent steigert. Von Marken optimal genutzte Social Media-Plattformen – wie etwa Facebook – fördern und vertiefen also die Markenbeziehung und steigern die Kundenbindung.

Social Media-Plattformen wie zum Beispiel Facebook und YouTube gehören heute zum festen Bestandteil im Kommunikations-Mix der Unternehmen und gewinnen für die Kommunikation zwischen Marken und Konsumenten zunehmend an Bedeutung. Dennoch bleibt häufig unklar, ob und wie die Kommunikationsaktivitäten von Marken über Social Media erfolgreich sind.

Die wissenschaftliche Studie am Fallbeispiel des Automobilherstellers Kia Motors Deutschland weist nach, dass sich Social Media-Aktivitäten durchaus lohnen. Zudem ergeben sich klare Hinweise darauf, was Unternehmen bei der Gestaltung von Social Media Marketing beachten sollten.

Die Studienergebnisse zeigen ein grundsätzlich hohes Interaktionsniveau der Marken-Fans: jeder Zweite ist mindestens einmal wöchentlich mit der Marke Kia auf Facebook in Kontakt. Eine Engagement-Messung des tatsächlichen Verhaltens der Fans ergab, dass fast jeder zweite Kia-Fan (47,7 %) im Befragungszeitraum in der Kia Facebook Community aktiv war – zum Beispiel indem er sich an Diskussionen beteiligte. Bei diesen aktiven Fans handelt es sich jedoch nicht nur um Kia-Kunden (51,5 %). 48,5 Prozent der aktiven Fans fahren derzeit kein Fahrzeug der Marke Kia, treten aber dennoch mit der Marke in Kontakt.

Hinsichtlich der Auswirkungen von Social Media Engagement zeigen die Studienergebnisse einen klaren Zusammenhang zwischen der Aktivität der Fans und der Beziehung zur Marke. So nehmen aktive Fans die Marke Kia bis zu 30 Prozent positiver wahr, fühlen sich stärker in die Marke integriert, vertrauen ihr mehr und empfinden sich stärker emotional mit ihr verbunden. Auch die Bereitschaft, ein Kia-Modell zu kaufen, liegt bei den aktiven Fans deutlich höher (20 %) als bei nicht-aktiven Fans.

„Die Studie zeigt eindeutig, Marken können über Social Media-Plattformen wie Facebook, Beziehungen zu Kunden und potenziellen Kunden aufbauen, vertiefen und letztlich auch die Kaufabsicht steigern“, fasst Prof. Dr. Tobias Schäfers von der EBS Business School die Ergebnisse zusammen. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Marken das Engagement ihrer Fans fördern – und das gelingt nur mit Social Media-Inhalten und -Aktionen, die Fans einen Anreiz bieten, aktiv zu werden“, so Julia Schamari, Leiterin Social Media bei gkk. „Erst durch das Social Media Engagement wird ein positiver Effekt auf die Marke erzeugt.“

Methodik der Studie: Die Studie basiert auf einer Social Media Engagement-Messung in Kombination mit einer repräsentativen Befragung zur Messung von Einstellungen und Verhalten von 707 Kia Motors Facebook-Fans (Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren). Das Engagement wurde mit dem Social Media Measurement Tool „Social Bench“ anhand der Facebook-Fan-Aktivität im halben Jahr vor der Befragung (April bis Oktober 2012) gemessen.

Autoren der Studie:

Prof. Dr. Tobias Schäfers, EBS Business School:
Prof. Dr. Tobias Schäfers ist Juniorprofessor für Dialogmarketing an der EBS Business School in Wiesbaden. Die Studie zur Wirkung von Social Media Engagement wurde unter seiner wissenschaftlichen Leitung durchgeführt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Dialog-Marketing und Marketing-Kommunikation, interaktive Dienstleistungen und empirischer Marktforschung.

Julia Schamari, gkk DialogGroup GmbH:
Julia Schamari, Diplom-Kauffrau, ist Account Director bei der gkk DialogGroup GmbH und leitet dort den Geschäftsbereich Social Media. Neben Social Media-Strategien und -Measurement verantwortet Julia Schamari die Community Management-Teams für den allumfassenden Dialog im Social Web. Parallel befasst sie sich mit der Wirkung von Social Media auf Unternehmenserfolge in ihrer Dissertation.

Inhalte von Web-Videos leicht im Netz finden: Neue Technologie des Hasso-Plattner-Instituts

Wie kann die Suche nach und in audio-visuellen Medien wie Web-Videos so einfach gemacht werden wie die nach Texten? Das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) entwickelt dafür eine innovative Internetplattform, die es im CeBIT lab (Halle 9, Stand A34) vorstellt.

Es geht darum, Videoinhalte nicht bloß aufgrund eines Titels oder von Stichwörtern aus einer Beschreibung zu finden, sondern dank des audio-visuellen Inhalts selbst. „Herkömmliche Suchmaschinen stoßen dabei an ihre Grenzen, da es hier besonders darauf ankommt, dass der Informationsgehalt der einzelnen Sequenzen in seiner Bedeutung erfasst und verstanden werden kann“, erläutert Dr. Harald Sack, Senior Researcher im Fachgebiet Internet-Technologien und -Systeme des HPI.

Die Lösung liefert eine Kombination aus neuartigen Videoanalyseverfahren mit Semantic Web-Technologien. Im Semantic Web werden die in natürlicher Sprache ausgedrückten Informationen um eine eindeutige Beschreibung ihrer Bedeutung (Semantik) ergänzt, die auch von Computern korrekt interpretiert und somit „verstanden“ werden kann. Dadurch, dass die HPI-Forscher die Daten der Filme mit semantischen Informationen automatisch anreichern, kann der Nutzer inhaltliche Verbindungen zwischen den Inhalten der Web-Videos erkennen und darin explorativ navigieren, also stöbern.

Die HPI-Wissenschaftler bieten dafür neuartige Werkzeuge an. Dank deren Hilfe kann man sich zum Beispiel visueller Inhaltsverzeichnisse bedienen oder mit Hilfe visualisierten Audiotexts, den eine automatische Spracherkennung liefert, durch das Videoangebot navigieren. Das optimiert zum Beispiel den Zugang zu und die Nutzung von Filmen, Computeranimationen, Vorlesungs- und Konferenzaufzeichnungen.

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang „IT-Systems Engineering“ an – ein besonders praxisnahes und ingenieurwissenschaftliches Informatik-Studium, das von derzeit 450 Studenten genutzt wird. Die HPI School of Design Thinking, Europas erste Innovationsschule für Studenten nach dem Vorbild der Stanforder d.school, bietet 240 Plätze für ein Zusatzstudium an. Insgesamt zehn HPI-Professoren und über 50 weitere Gastprofessoren, Lehrbeauftragte und Dozenten sind am Institut tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung – in seinen neun Fachgebieten, aber auch in der HPI Research School für Doktoranden mit ihren Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Schwerpunkt der HPI-Lehre und -Forschung sind die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme. Hinzu kommt das Entwickeln und Erforschen nutzerorientierter Innovationen für alle Lebensbereiche. Das HPI kommt bei den CHE-Hochschulrankings stets auf Spitzenplätze. Seit September 2012 betreibt es die Internet-Bildungsplattform http://www.openhpi.de, deren kostenlose Online-Kurse jedem offen stehen.

Buchempfehlung: Sandro Gaycken Cyberwar – Das Wettrüsten hat längst begonnen

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2009 legte der Computervirus „Stuxnet“ ein iranisches Atomkraftwerk lahm. 2011 drangen militärische Hacker in die Computer der US-Börse Nasdaq ein. Ausländische Cyberkrieger attackieren das deutsche Regierungsnetz im Sekundentakt. Unsere Welt ist vernetzt wie nie zuvor, und das digitale Wettrüsten hat längst begonnen – während Deutschland noch schläft. Selbst unsere wichtigsten Infrastrukturen sind Hackerangriffen schutzlos ausgeliefert: Strom, Wasser, Internet – für all das könnten ausländische Militärs schon bald die Fernsteuerung in der Hand halten.

Dr. Sandro Gaycken, geb. 1973 in Köln, ist Technik- und Sicherheitsforscher an der Freien Universität Berlin. Schwerpunkte seiner Forschung sind Cyberwar, Cybersecurity, Datenschutz sowie gesellschaftliche Folgen der Informationstechnik. Darüber hinaus berät er Unternehmen sowie verschiedene zivile und militärische Institutionenund im In- und Ausland. Er ist in Gremien auf Bundes- sowie EU-Ebene tätig und wird von den Medien als Experte zum Thema „Cyberwar“ befragt. Er lebt in Berlin.

Taschenbuch
256 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
Abbildungen
ISBN: 978-3-442-15710-5
  9,99 Euro

Ideen kompakt präsentiert: Vorträge der 2. Software-Cluster-Innovationsbörse auf YouTube

Die Vorträge der 2. Software-Cluster-Innovationsbörse am 9.11.2012 in Kaiserslautern stehen als Video-Mitschnitte jetzt auch auf YouTube bereit. In 6 Minuten, 40 Sekunden präsentieren die Referenten darin Ideen, Innovationen und Wachstumserfolge aus dem Software-Cluster.

Die Software-Cluster-Innovationsbörse versammelt einmal im Jahr an wechselnden Orten die Cluster-Community aus der Software-Region Darmstadt, Kaiserslautern, Karlsruhe, Saarbrücken und Walldorf. Junge und etablierte Unternehmen und Forscher treffen aufeinander, neue Ideen werden vorgestellt, neue Kontakte geknüpft und das Netzwerk im Software-Cluster gestärkt.. Am 9.11.2012 fand die 2. Software-Cluster-Innovationsbörse beim Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering (IESE) in Kaiserslautern statt.

Die molekularen Ursachen der Internetsucht

Internetsucht ist in aller Munde: Viele Menschen tummeln sich stundenlang online und fühlen sich sofort unwohl, wenn sie dazu einmal keine Möglichkeit haben. Medizinisch ist das Phänomen noch nicht so klar erfasst, wie etwa die Nikotin- oder Alkoholabhängigkeit. Doch eine Studie von Forschern der Universität Bonn und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim gibt nun Hinweise darauf, dass es auch bei Internetsucht molekulargenetische Zusammenhänge gibt. Die Wissenschaftler berichten im „Journal of Addiction Medicine“ über ihre Ergebnisse. Die Druckfassung erscheint jetzt in der Septemberausgabe.

„Es zeigt sich, dass Internetsucht kein Hirngespinst ist“, sagt der Erstautor Privatdozent Dr. Christian Montag von der Abteilung für Differentielle und Biologische Psychologie der Universität Bonn. „Sie rückt zunehmend in den Fokus der Wissenschaftler und Therapeuten.“ Die Bonner Forscher haben im Lauf der letzten Jahre insgesamt 843 Menschen zu ihrem Internetverhalten befragt. Nach Auswertung der Fragebögen zeigte sich, dass davon 132 Frauen und Männer ein problematisches Verhalten im Umgang mit dem Online-Medium aufweisen: Sie befassen sich im Alltag gedanklich sehr ausgeprägt mit dem Internet und fühlen sich in ihrem Wohlbefinden stark beeinträchtigt, wenn sie darauf verzichten müssen.

Häufung einer Genvariation bei Internetabhängigen

Die Forscher der Universität Bonn und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim verglichen das Erbgut der problematischen Internetnutzer mit gesunden Kontrollpersonen. Dabei stellte sich heraus, dass bei den 132 Probanden deutlich häufiger eine Veränderung in einer bestimmten Genregion vorlag, die unter anderem auch bei Nikotinabhängigkeit eine große Rolle spielt. „Vom nikotinergen Acetylcholinrezeptor im Gehirn ist bekannt, dass eine Mutation auf dem dazu gehörigen Gen das Suchtverhalten fördert“, erläutert Dr. Montag. Das im Tabak vorkommende Nikotin passt genauso wie das vom menschlichen Körper produzierte Acetylcholin wie ein Schlüssel auf diesen Rezeptor. Beide Botenstoffe spielen eine wichtige Rolle für die Aktivierung des Belohnungssystems im Gehirn. „Dieser Zusammenhang ist offenbar nicht nur für die Nikotinsucht von großer Bedeutung, sondern ebenso für die Internetsucht“, berichtet der Bonner Psychologe.

Frauen sind stärker von der Mutation betroffen

Es handelt sich konkret um eine Mutation auf dem Gen „CHRNA4“, die das Erbgut für die Untereinheit „alpha 4“ am nikotinergen Acetylcholinrezeptor verändert. „Diese Variante tritt innerhalb der Probandengruppe mit problematischem Internetverhalten gehäuft auf – insbesondere bei Frauen“, sagt Dr. Montag. Dieser Befund muss noch näher untersucht werden, weil dagegen in zahlreichen Befragungen herauskam, dass eher Männer als Frauen zu Online-Suchtverhalten neigen. „Möglicherweise ist der geschlechtsspezifische genetische Befund auf eine spezielle Untergruppe der Internetabhängigkeit wie zum Beispiel die Nutzung von sozialen Netzwerken oder Ähnliches zurückzuführen“, vermutet der Psychologe.

Besserer Suchtnachweis durch biologische Marker

Es seien noch Studien mit mehr Probanden erforderlich, um den Zusammenhang zwischen der Mutation und dem Internetsuchtverhalten weiter zu untersuchen. „Die Daten zeigen aber bereits jetzt, dass es deutliche Hinweise auf molekulargenetische Ursachen der Internetsucht gibt“, sagt der Psychologe der Universität Bonn. Mit der Mutation sei nun auch ein biologischer Marker gefunden, mit dem sich das Online-Suchtverhalten neurowissenschaftlich charakterisieren lasse. „Wenn solche Zusammenhänge besser verstanden sind, ergeben sich daraus außerdem wichtige Anhaltspunkte für bessere Therapien“, sagt Dr. Montag.

Publikation: The role of the CHRNA4 Gene in Internet Addiction – A Case-control Study, „Journal of Addiction Medicine“, DOI: 10.1097/ADM.0b013e31825ba7e7, Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

Politische Bedeutung sozialer Medien häufig überschätzt

Eine kürzlich erschienene Studie untersucht Zusammenhänge zwischen der Nutzung von Social Media und politischer Betätigung junger Menschen. Mit teils überraschenden Ergebnissen. Politikwissenschaftler der Helmut-Schmidt-Universität sind der Frage nachgegangen, warum sich junge Erwachsene im Internet politisch beteiligen. Außerdem wollten die Autoren herausfinden, ob sich junge Menschen im Netz politisch engagieren, die dies außerhalb des Internets nicht tun.

Keine Verlagerungstendenz von offline zu online

Die Teilnahme an Wahlen ist nicht die einzige Form von Beteiligung. Politische Teilhabe ist vielseitiger geworden und äußert sich gerade bei den „Digital Natives“ – den jüngeren Erwachsenen, die mit dem Internet aufgewachsen sind – in kreativen, neuen Formen der politischen Aktivität. Deshalb haben die Politikwissenschaftler Prof. Dr. Gary Schaal, Claudia Ritzi und Vanessa Kaufmann Facebook-Nutzer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren nach ihrer politischen Aktivität „online“ und „offline“ befragt.

Ihre Ergebnisse widerlegen die Annahme, dass sich politische Aktivität zunehmend ins Internet verlagert. Sinkende Wahlbeteiligung, Mitgliederschwund bei den großen Volksparteien oder die vielfach bekundete Politikverdrossenheit wird demnach nicht durch Online-Aktivität kompensiert. „Junge Menschen, die online politisch aktiv sind, sind es in den meisten Fällen auch offline – und umgekehrt“, erläutert Autorin Claudia Ritzi.

Symbolische Teilhabe ohne politische Wirkung

Die Wissenschaftler gingen auch der Frage nach, ob mit einer Aktivität die konkrete Intention verbunden ist, Einfluss auf das politische System zu nehmen. Vor dem Hintergrund, dass vor allem Parteien derzeit große Hoffnungen mit dem Internet verbinden, ist diese Frage von besonderer Bedeutung.

Es zeigte sich, dass politische Aktivität außerhalb des Internets tatsächlich maßgeblich durch den Wunsch begründet wird, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Ein anderes Bild ergibt sich jedoch mit Blick auf die Motive der Teilnahme an politischen Aktivitäten im Internet: Hier wollen deutlich mehr Menschen zwar Zeichen setzen, glauben selber aber nicht daran, dass sie durch ihre Beteiligung auch wirklich Einfluss auf eine politische Entscheidung nehmen können. Die politische Aktivität über Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Google+ lässt sich in diesen Fällen als „symbolische Partizipation“ beschreiben, die nach dem Urteil der Verfasser der Studie nicht genügt, um die Partizipationsdefizite in der realen Welt auszugleichen.

Quelle: Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg