„Die Erfindung der Leistung“ – Autorin Nina Verheyen im Gespräch

Die Historikerin Nina Verheyen diskutiert mit KWI-Direktorin Julika Griem über Leistungsdruck und Optimierungswahn

Unsere Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft. Aber was meinen wir, wenn wir von „Leistung“ sprechen? Wie wurde Leistung zu einer vermeintlich objektiven, individuellen Größe und wie haben sich soziale Beziehungen und Gefühle dadurch verändert? Warum definieren sich Menschen über ihre Leistung – oder über das, was sie und andere dafür halten? Nina Verheyen beschreibt in ihrem aktuellen Buch „Die Erfindung der Leistung“, wie sich das Verständnis von Leistung gewandelt hat und erzählt die Geschichte einer Idee, die unser aller Leben prägt. Gemeinsam mit der KWI-Direktorin Julika Griem und dem interessierten Publikum diskutiert sie über unseren heutigen Leistungsdruck und vermeintlichen Optimierungswahn und plädiert für ein anderes, sozialeres Verständnis von Leistung.

REFERENTEN 
Nina Verheyen ist Historikerin an der Universität zu Köln. Zuvor war sie u.a. am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin tätig sowie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Julika Griem ist seit April 2018 Direktorin des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI)

Termin:

28.09.2018 18:30 – 21:00

Veranstaltungsort:

Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal, Goethestraße 31
45128 Essen

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Der Einfluss des Finanzkapitalismus auf die soziale Welt

Vom 10. bis 12. September findet am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung eine Konferenz mit dem Titel „Financialisation Beyond Crisis: Connections, Contradictions, Contestations“ statt. Dabei werden die Wissenschaftler analysieren, wie der globale Finanzkapitalismus sowohl die internationale Politik und Wirtschaft als auch das Leben individueller Akteure in nahezu allen Bereichen beeinflusst. Die Konferenz wird von Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Don Kalb gemeinsam mit der Forschungsgruppe „Financialisation“ in der Abteilung ‚Resilienz und Transformation in Eurasien‘ am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung organisiert. Die Tagungssprache ist Englisch.

Die Macht der Finanzmärkte gefährdet Lebensgrundlagen
Zehn Jahre nach der großen Finanzkrise 2008 ist die Macht der globalen Finanzwirtschaft ungebrochen. Sowohl große Staatengemeinschaften als auch einzelne Staaten, Banken, Konzerne, Unternehmen und private Haushalte sind in zunehmendem Maße dem Einfluss des internationalen Finanzkapitalismus unterworfen. Dieser Prozess, der seinen Ursprung in den 1970er Jahren hat und durch die Liberalisierung des Finanzsektors durch Reagan und Thatcher in den 1980er Jahren weiter beschleunigt wurde, wird in der wissenschaftlichen Diskussion häufig als „Finanzialisierung“ bezeichnet. Gemeint ist damit, dass sich die Akteure des Finanzsektors wie beispielsweise Banken und Kreditinstitute nicht mehr mit ihrer ursprünglichen Rolle als Dienstleister der Realwirtschaft begnügen, sondern eigene Produkte entwickeln, neue Märkte schaffen und damit Wirtschaft und Politik in bislang unerreichtem Maß beeinflussen. „Aber gegen diesen Einfluss regt sich zunehmend Widerstand“, sagt Prof. Chris Hann, Direktor am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung. „Denn er ist einer der Hauptursachen für zahlreiche internationale Krisen und gefährdet dadurch die Lebensgrundlagen vieler Menschen in ganz erheblichem Umfang.“

Die Umwandlung natürlicher Ressourcen in Finanzprodukte
Die Konferenzteilnehmer werden anhand ethnologischer Feldstudien analysieren, in welch vielfältiger Weise das Leben von Menschen auf der ganzen Welt von der Logik und Dynamik der Finanzialisierung betroffen ist. So hat beispielsweise Dr. Charlotte Bruckermann vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung gezeigt, wie der internationale Handel mit CO2-Zertifikaten dazu führt, dass in China große Waldflächen als CO2-Speicher ausgewiesen und als Finanzprodukt gehandelt werden. Der Erfolg von Forstprojekten wird deshalb nicht mehr an der Erhaltung von Ökosystemen, an der Sicherung von Lebensgrundlagen oder an der Holzproduktion gemessen, sondern an den Profiten, die sie auf internationalen Märkten erzielen. Und diese Gewinne aus dem Geschäft mit den Zertifikaten fließen dann nicht den Primärproduzenten der Wälder, sondern den Finanzhändlern und großen Forstunternehmen zu. „Diese Studie zeigt detailliert, wie heute selbst Naturschutzgebiete in spekulativ finanzierte Produkte umgewandelt und weltweit gehandelt werden. Damit können sie nicht mehr den Interessen der lokalen Bevölkerung dienen“, sagt Hann.

Kredite werden zur Armutsfalle
Eine andere Folge der Finanzialisierung, mit denen sich die Ethnologen beschäftigen, ist beispielsweise die immense Verbreitung von Krediten. Finanziell prekäre Haushalte nutzen Verbraucherkredite immer wieder, um Teile ihres Lebensunterhalts zu bestreiten. Ethnologische Forschungen in Großbritannien verdeutlichen, welch weitreichende Konsequenzen diese von Finanzprodukten abhängige Lebensführung hat: Die überschuldeten Haushalte können häufig ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und sind deshalb dauerhaft von Pfändungen oder gar dem Verlust ihres Wohnraums bedroht. Und in Kroatien und Griechenland führt der kreditfinanzierte Erwerb von Wohneigentum und die damit einher gehende Verschuldung zu immensen sozialen Problemen, weil viele Familien die Unwägbarkeiten der internationalen Finanzpolitik und die daraus folgenden privaten Risiken völlig unterschätzt haben.

Der Widerstand organisiert sich weltweit
„Bei dieser Konferenz geht es uns nicht nur darum, den unmittelbaren Folgen der Finanzialisierung in allen Lebensbereichen nachzuspüren. Wir interessieren uns auch dafür, ob und wie sich auf zivilgesellschaftlicher Ebene Widerstand gegen diesen weitreichenden Zugriff auf die individuelle Lebenswelt formiert“, erklärt Hann. So zeigen einige ethnologische Studien, die auf der Konferenz vorgestellt werden, wie sich in vielen Städten Europas die Mieter organisieren und ihre Interessen gegen Investmentfonds artikulieren. Dr. Marc Morell von der Universität der Balearen hat beispielsweise darüber geforscht, wie sich die Bevölkerung zunehmend dagegen wehrt, dass internationale Investoren auf den balearischen Inseln in großem Stil Siedlungen mit Ferienwohnungen errichten und dadurch ganze Stadtviertel und ländliche Räume zu Spekulationsobjekten machen. „Auch dort können wir beobachten, dass die Interessen der lokal ansässigen Menschen kaum berücksichtigt werden. Und das lassen sie sich offensichtlich nicht länger gefallen“, sagt Hann.

Erforschung des globalen sozialen Wandels
Das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung ist eines der weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Ethnologie (Sozialanthropologie). Es hat seine Arbeit 1999 mit den Gründungsdirektoren Prof. Dr. Chris Hann und Prof. Dr. Günther Schlee aufgenommen und 2001 seinen ständigen Sitz im Advokatenweg 36 bezogen. Mit Ernennung der Direktorin Prof. Dr. Marie-Claire Foblets im Jahre 2012 wurde das Institut um eine Abteilung zum Themenfeld ‚Recht & Ethnologie‘ erweitert. Forschungsleitend ist die vergleichende Untersuchung gegenwärtiger sozialer Wandlungsprozesse. Besonders auf diesem Gebiet leisten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Institutes einen wichtigen Beitrag zur ethnologischen Theoriebildung. Sie befassen sich darüber hinaus in ihren Projekten oft auch mit Fragestellungen und Themen, die im Mittelpunkt aktueller politischer Debatten stehen. Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung arbeiten gegenwärtig 175 Wissenschaftler aus über 30 Nationen. Darüber hinaus bietet das Institut zahlreichen Gastwissenschaftlern Raum und Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.

Zum Programm und den Abstracts der Konferenz:
http://www.eth.mpg.de/de/events?url=6588%2Fevent_details_2136550211.html

Zeitgenössische arabische Literatur probiert viele neue Formate aus

Europäische Arabisten-Vereinigung UEAI kommt im September erstmals in Münster zusammen – Schwerpunkt arabische Literatur im Medienwandel – „Literatur und Künste ermöglichen Diskurs über brisante Themen wie Krieg, Kolonialismus und politische Repression“ – Keynote von Konrad Hirschler über „Conflict and Coexistence“

Die zeitgenössische arabische Literatur probiert Arabisten zufolge zunehmend neue Formate wie autofiktionale Internet-Blogs, Graphic Novels und Science Fiction aus. „Die neuen Gattungen und ihre Autorinnen und Autoren werden im Westen bisher kaum wahrgenommen und veröffentlicht“, sagt die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Winckler vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der WWU im Vorfeld der Jahrestagung der international renommierten Arabisten-Vereinigung „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“ (UEAI) kommende Woche in Münster. „Hiesige Verlage schrecken oft vor arabischer Literatur zurück, die nicht in gängige Schubladen passt. Die westliche Wahrnehmung war lange Zeit von orientalisierenden, exotisierenden Erwartungen geprägt.“ Dabei sei die Literatur der Gegenwart einer der wichtigsten säkularen Diskurse in der arabischen Welt. Sie stoße wichtige politische und gesellschaftliche Debatten über brisante Themen der Vergangenheit und Gegenwart an: „Weil in den meisten arabischen Ländern ein kritischer öffentlicher Diskurs fehlt, sind es die Literatur und die Künste, die die Auseinandersetzung mit Themen wie Krieg, Kolonialismus oder politische Repression ermöglichen.“ Auf der UEAI-Konferenz vom 10.-14. September an der WWU, die arabische Literatur ins Zentrum rückt, organisiert Juniorprofessorin Winckler ein Panel zur Veränderung von Literatur im Medienwandel unterschiedlicher Epochen.

„Mit der Verbreitung des Internets und sozialer Medien haben sich neue literarische Ausdruckformen und Gattungen entwickelt“, so die Expertin für arabische Gegenwartsliteratur. „Da das Publizieren und Rezipieren mit dem Web leichter wurde, bildeten sich zugleich neue, teils weniger gebildete und etablierte Bevölkerungsgruppen als Autoren und Leser heraus.“ Im Vorfeld der arabischen Revolutionen etwa hätten in Ägypten immer mehr Menschen begonnen, im Internet zu bloggen, und auch im Libanon wählten etwa während der israelischen Angriffe 2006 junge Künstler den Blog als Mittel, um die Ereignisse zu reflektieren und auch international darauf aufmerksam zu machen. „Es entstand die neue Gattung der autofiktionalen Blogs, in denen Autoren sich und ihre Haltungen literarisch ausdrückten, oft ergänzt durch Zeichnungen oder Musik, und die später teils in Buchform veröffentlicht wurden.“ Das biete in sprachlich und ästhetisch anspruchsvoller Weise Einblicke in das Alltagserleben und die politische Haltung einer jungen Generation, die die Protestbewegungen des ‚Arabischen Frühlings‘ vorangetrieben habe. „Neue Einsichten eröffnen zudem Graphic Novels aus dem arabischen Raum“, sagt Winckler. Zu nennen seien etwa die Werke der 1981 im Libanon geborenen Zeina Abirached. Ihre auf Französisch publizierten Bücher wie „Mourir partir revenir. Le jeu des hirondelles“ (Das Spiel der Schwalben) von 2007 oder „Le piano oriental“ von 2015 (Piano Oriental) stellen in eindrücklichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen den Bürgerkriegsalltag aus Kindersicht dar und visualisieren die arabisch-französische Zweisprachigkeit und das Leben zwischen zwei Ländern und Kulturen, indem sie die arabische und die lateinische Schrift auch graphisch einbeziehen.

Dokumentationen und Dystopien

„Auffällig ist, dass im Umfeld der Arabellion auch vermehrt dokumentarische Formen und Dystopien entstanden“, so Winckler. So experimentierten Aktivisten, aber auch etablierte Autoren, im Umfeld der Protestbewegung mit dokumentarischen Formen, die sich zwischen Roman, Tagebuch und Reportage bewegen: Mona Prince zeichnet in „Ismi thawra“ von 2012 (engl. „Revolution is My Name“) nach, wie sie die Tage der Revolte erlebt hat, die zum Sturz Mubaraks führten. Beschreibungen des Alltagslebens auf dem Tahrir-Platz und Diskussionen mit Freunden und Fremden auf der Straße wechseln ab mit Angaben zum Facebook-Status und Reflexionen über die eigene Position innerhalb der Bewegung. Ein Beispiel für dystopische Werke sei der Roman „at-Tabur“ (2013) der ägyptischen Autorin und Psychiaterin Basma Abdel Aziz, der in Englisch als „The Queue“ erschien. Ohne dass die Ereignisse um den Tahrir-Platz genannt würden, sei die Darstellung eines repressiven Regimes und einer gescheiterten Revolution als kritischer Kommentar zur aktuellen Lage zu verstehen. „Die meisten anerkannten Schriftsteller sind ohnehin eher links oder liberal orientiert, früher marxistisch.“ Regimetreue Autoren dagegen seien selten, auch wenn es Ausnahmen gebe wie Abd al-Razzaq Abd al-Wahid (1930-2015), einen anerkannten irakischen Dichter, der Lobgedichte auf Saddam Hussein schrieb und noch lange nach dessen Tod positiv über ihn sprach.

„Herrschte in der arabischen Literatur über Jahrhunderte die Dichtung vor, im 20. Jahrhundert dann auch Romane und Kurzgeschichten, werden in jüngster Zeit immer neue Formen ausprobiert.“ Ästhetisch und formal sei die moderne arabische Literatur – „was viele westliche Leser überraschen mag“ – grundsätzlich nicht fremd. „Sie ist Teil einer Weltliteratur und folgt durchaus globalen Strömungen. Arabische Autorinnen und Autoren haben meist einen ähnlichen Bildungskanon wie ihre westliche Kollegen, kennen westliche Werke und Diskurse, zusätzlich aber die Kultur ihrer Region. Mit beiden Traditionen gehen sie souverän um und betrachten ihrerseits etwa die europäische Literatur nicht als eine ‚fremde‘.“ Umgekehrt habe sich auch Europa in den vergangenen 20 Jahren der arabischen Literatur geöffnet, so Winckler. Es seien weit mehr arabische Bücher übersetzt und publiziert worden als zuvor, auch ins Deutsche. „Darunter waren oft Bestseller aus dem arabischen Raum – das Ranking von Büchern ist dort übrigens ein neues Phänomen – wie ‚Der Jakubijan-Bau‘ (2002) des ägyptischen Autors und Aktivisten Ala al-Aswani oder ‚Die Girls von Riad‘ (2005) der jungen saudischen Autorin Rajaa Alsanea.“ Solche Werke würden im Westen gern als „Spiegelbild der Realität“ gesehen. „Sie werden hier publiziert, weil Leser mehr über die Region erfahren möchten. Ästhetische Aspekte spielen dagegen kaum eine Rolle – gerade komplexere Texte, etwa der libanesischen Autorin Hoda Barakat, finden so keine Verlage.“

Im Literatur-Schwerpunkt der 29. Tagung der „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“ (UEAI) wollen die Teilnehmer neue kulturwissenschaftliche Ansätze auf die arabische Literatur der Vormoderne und Moderne anwenden, darunter Konzepte von Medialität und Literatur. Das epochenübergreifende Panel mit Prof. Dr. Barbara Winckler erörtert, wie sich Form und Funktion von Literatur durch Medienwandel ändern, welche neuen Akteure und Rezipienten sich entwickeln und wie sich „alte“ und „neue“ Medien zueinander verhalten – ob sie etwa konkurrieren, nebeneinander bestehen oder sich sogar ergänzen. Einen Schwerpunkt bildet das Medium Zeitschrift, seit dem 19. Jahrhundert eines der wichtigsten Foren für gesellschaftliche wie ästhetische Debatten in der arabischen Welt. Vorträge des Panels beschäftigen sich mit Auseinandersetzungen um die arabische Prosadichtung in ägyptischen Zeitschriften des frühen 20. Jahrhunderts, mit Reflexionen über Kunst und Ästhetik im Beirut der 1950er Jahre, mit Form und Umfeld intellektueller Avantgarde-Zeitschriften und damit, wie in Gesellschaft vorgetragene Reden oder Veranstaltungen in gedruckte Medien übersetzt werden und gemeinschaftsstiftend wirken. Weitere Themen sind der Wandel von Verlagsstrategien in Ägypten unter dem Motto „Vom Taschenbuch bis Facebook“, die Praxis des Geschichtenerzählens in Marokko, die Modifikation von Gedichten im Prozess der Vertonung und Aufführung und „Kalila wa-Dimna“, eines der ältesten arabischen Werke in Buchform, das die Funktionen des Buches innerhalb des Buches thematisiert. (vvm)

Info-Kasten: 29. Tagung der „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“

Zur 29. Tagung der „Union Européenne des Arabisants et Islamisants“ (UEAI) werden vom 10. bis 14. September 2018 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) rund 100 Arabisten von europäischen Universitäten erwartet. Die 1962 gegründete UEAI gehört zu den einflussreichsten Vereinigungen ihres Faches. Der Kongress findet alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt statt, 2018 erstmals in Münster. Das Tagungsmotto lautet “Conflict and Coexistence”. Der Berliner Islamwissenschaftler Prof. Dr. Konrad Hirschler hält dazu am Montag, dem 10. September, in Raum JO1, Johannisstr. 4 in Münster eine Keynote unter dem Titel “Conflict and Coexistence Materialised: The Case of Non-Islamic Binding Fragments in Arabic Manuscripts During the Crusading Period”. Organisiert wird die Tagung vom Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der WWU in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“.

Auf der Jahrestagung tauschen sich die Mitglieder über aktuelle Forschungen aus allen Feldern der Arabistik und Islamwissenschaft aus: der Literatur- und Sprachwissenschaft, Geschichte, Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften der Vormoderne. Der Kongress in Münster legt einen Fokus auf die arabische Literatur der Vormoderne und der Gegenwart, die das Institut für Arabistik und Islamwissenschaft der WWU seit Jahren schwerpunktmäßig erforscht, etwa zur Mamlukenzeit in der Leibnizpreis-Forschungsstelle „Arabische Literatur und Rhetorik 1100-1800“ (ALEA) unter Leitung des Arabisten und Leibniz-Preisträgers Prof. Dr. Thomas Bauer vom Exzellenzcluster. (exc/vvm)


Weitere Informationen:

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2018/sep/PM_Zeitgenoe…
https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/arabistikislam/tagungen/schedule_.

Zu alt für neues Arbeiten?

Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft: Diskussionsveranstaltung „Wissenschaft kontrovers“ in Nürnberg

Die Veränderungen in der Arbeitswelt betreffen nicht nur Jugendliche und Auszubildende, sondern auch Menschen, die schon viele Jahre in einem Beruf tätig sind. Welche Chancen und Herausforderungen hält die Digitalisierung für sie bereit? Können sie mit den Umbrüchen Schritt halten? Führen Roboter sogar zu einer Entlastung älterer Berufstätiger? Um Fragen wie diese geht es in der Diskussion „Zu alt für neues Arbeiten?!“, zu der Wissenschaft im Dialog (WiD) am Donnerstag, 13. September 2018, von 17 bis 19 Uhr in das Innovationslabor Josephs, Karl-Grillenberger-Straße 3, 90402 Nürnberg, einlädt.

Im Rahmen der Veranstaltung diskutieren die Besucherinnen und Besucher mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen: Mit dabei sind die Arbeitsmarktforscherin Dr. Britta Matthes aus Nürnberg, Hans Sterr von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Demografie-Experte Martin Züchner. Für eine dynamische und offene Gesprächsatmosphäre sorgt das Fishbowl-Diskussionsformat, das es allen Interessierten erlaubt, jederzeit zwischen Zuschauerrolle und Diskussionsrunde zu wechseln.

Die Diskussionsveranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Moderiert wird der Abend von Alexandra Buba. Der Eintritt ist frei.
Die Diskussion ist Teil von „Wissenschaft kontrovers“, einer Veranstaltungsreihe und Online-Plattform von Wissenschaft im Dialog (WiD) im Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.


Weitere Informationen:

http://www.wissenschaft-kontrovers.de

Neurologische Pflege als wichtiger Baustein für den Therapieerfolg

Die Arbeit der Pflegekräfte hat einen immensen Einfluss auf die Versorgungsqualität von Patienten. Zahlreiche Studien zeigen: Wird ein Mindestmaß an Pflege unterschritten, steigt die Sterblichkeitsrate an, es kommt häufiger zu gravierenden Komplikationen. „Die Pflege neurologischer Patienten, ob mit einem Schlaganfall, einer Parkinson-Erkrankung oder einer Demenz, ist nicht nur besonders zeitintensiv – Pflege in der Neurologie ist auch ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Wir brauchen dringend mehr Pflegekräfte in der Neurologie“, begrüßt Prof. Dr. med. Gereon R. Fink das Sofortprogramm des Bundesgesundheitsministers gegen den Pflegenotstand.

„Das allein reicht jedoch nicht“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): „Wir müssen auch konsequent in die Weiterbildung der Pflegefachkräfte investieren“, fordert er. Die DGN setzt sich seit langem für die Weiterbildung in der neurologischen Pflege ein. In diesem Jahr bietet die DGN auf ihrem Jahreskongress, der vom 30. Oktober bis 3. November 2018 in Berlin stattfindet, am 31. Oktober erstmals ein spezifisches Programm für Pflegekräfte an. Der Eintritt ist für Pflegekräfte kostenfrei.

Am 31. Oktober 2018 steht die neurologische Pflege auf dem DGN-Kongress im Fokus. Namhafte Referenten beleuchten in Vorträgen und Workshops die großen Bereiche der Neurologie wie etwa Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Bewegungsstörungen aus pflegerischer Sicht. Hier werden Themen wie Diagnostik und Therapie erörtert, ebenso geht es um erkrankungsspezifische Pflegestandards und -konzepte in der neurologischen Pflege.

Neurologische Pflege ist therapeutische Pflege

Die Neurologie ist besonders pflegeintensiv. Das liegt an den Krankheitsbildern der Patienten mit Parkinson, Alzheimer, Schlaganfall oder Multipler Sklerose, an ihrem häufig hohen Alter, an Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit und der Kognition, an psychischer Komorbidität oder Inkontinenz. „Die Qualität der medizinischen Versorgung in der Neurologie ist in hohem Maße abhängig von der Qualität der Pflege“, sagt DGN-Präsident Gereon R. Fink. „Aber die Pflege in diesem Bereich ist besonders anspruchsvoll – und oft körperlich und psychisch belastend.“

Gut ausgebildete Pflegekräfte wichtig für die Versorgungsqualität

Rund 30 Prozent der neurologischen Kliniken geben an, dass sie überwiegend wegen Pflegekräftemangel ihre Versorgung zeitweise einschränken müssen. Der Pflegenotstand in der Neurologie hat drastische Folgen für die Versorgungsqualität der Patienten. Wenn ein Mindestmaß an Pflege nicht zur Verfügung steht, steigen die Mortalitätsraten, ebenso die Zahl der Pneumonien und Harnwegsinfekte. Darüber hinaus verlängert sich der Krankenhausaufenthalt.

Personaluntergrenzen müssen sich am Versorgungsbedarf orientieren

Um wirksame Maßnahmen gegen den Pflegenotstand in der Neurologie zu erarbeiten, hat die DGN im vergangenen Jahr die Task Force Pflege ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe hat Empfehlungen für Personaluntergrenzen in der neurologischen Pflege erarbeitet und einen Abschlussbericht an die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), den Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-SV) und den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) geschickt. „Wir sehen Pflegepersonal-untergrenzen in neurologischen Kliniken als sinnvolles Instrument an, wenn sie sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf der Patienten ausrichten“, sagt Prof. Dr. Armin Grau, Mitglied der Task Force Pflege und Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen. Als potenzielle Personaluntergrenzen empfiehlt die DGN auf einer Normalstation folgende Personalschlüssel: In der Früh- und in der Spätschicht sollte eine Pflegekraft nicht mehr als sieben Patienten versorgen, in der Nachtschicht ist eine Pflegekraft für 14 Patienten empfehlenswert. In einer Stroke Unit sollte eine Pflegekraft tagsüber für drei und in der Nacht höchstens für vier Patienten zuständig sein. Für neurologische Intensivstationen empfiehlt die DGN durchgehend einen Personalschlüssel von eins zu zwei.

Interprofessionelles Fortbildungsangebot der DGN für Pflegefachkräfte

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie engagiert sich seit langem für eine bessere Pflege in der Neurologie. Bereits 2011 hat die Fachgesellschaft gemeinsam mit dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) die „Interdisziplinäre Pflegefortbildung Neurologie“ veröffentlicht und damit ein interprofessionelles Fortbildungsangebot für den Fachbereich Neurologie geschaffen, das sich an Gesundheits- und Krankenpfleger, Mitarbeiter aus so genannten therapeutischen Berufen und ärztliche Berufsanfänger im Fach Neurologie richtet. Diese können sich zur Stroke-, MS-, Demenz- und Parkinson-Nurse weiterbilden lassen. Das Ziel der DGN ist es, die Fortbildung von Pflegefachkräften in der Neurologie zu standardisieren und um weitere wichtige Themen zu ergänzen.

Die DGN bittet Pflegedienstleitungen und Kliniken, ihren Pflegefachkräften im Bereich Neurologie den Besuch des DGN-Kongresses zu ermöglichen.

Mannheim: Sport im Park – Pilates bei Vollmond

Seit dem 23. April 2018 bewegt sich Mannheim wieder aktiv im Rahmen von Sport im Park. Zusätzlich zu dem regulären Sport im Park Angeboten wird es am Dienstag, 29. Mai 2018, ein ganz besonderes Special geben: Um 21 Uhr findet im Unteren Luisenpark „Pilates bei Vollmond“ statt. Wie alle Sport im Park Angebote ist dieses Special kostenlos und unverbindlich. Es richtet sich an alle Mannheimer Bürgerinnen und Bürger.

Das Mitbringen einer Unterlage wie Matte oder Handtuch ist empfehlenswert und bei schlechtem Wetter wird vor Ort über die Durchführbarkeit dieses Angebotes entschieden.

Sport im Park ist eine Veranstaltungsreihe der Stadt Mannheim und bietet allen Interessierten ein breitgefächertes und kostenloses Sportangebot. Wer die Lust am Sport entdeckt ist herzlich eingeladen, auch das regelmäßige Angebot von Sport im Park zu besuchen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf Facebook unter dem Stichwort „Sport im Park Mannheim“, oder beim Fachbereich Sport und Freizeit der Stadt Mannheim unter www.mannheim.de/sportimpark oder unter 0621 293 4004.

Flüchtlingsmassen als historisches Phänomen

Das Imre Kertész Kolleg der Universität Jena veranstaltet am 9./10. Juni seine Jahrestagung

Kein Thema prägte die öffentliche Debatte der vergangenen zwei Jahre mehr als die hohe Zahl von Flüchtlingen, die in Europa Schutz vor Krieg und Krisen suchen. Das Imre Kertész Kolleg der Universität Jena greift dieses Thema nun auf und stellt die Situation der Flüchtlinge mit Blick auf das östliche Europa im 20. Jahrhundert in einen historischen Zusammenhang.

Am 9. und 10. Juni versammeln sich Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in Jena zur Jahrestagung des Kollegs, die unter dem Titel steht: „People(s) on the Move: Refugees and Immigration Regimes in 20th-Century Central and Eastern Europe“. Im Fokus der wissenschaftlichen Vorträge und Diskussionen steht dabei die Rolle des östlichen Europas mit Migration, die deutlich komplexer ist, als gegenwärtig wahrgenommen wird.

„Zwangsmigration, Auswanderung und politisches Exil wurden zwar von Historikern untersucht, wenig erforscht wurden jedoch die Erfahrungen von Einwanderung und der Aufnahme großer Flüchtlingszahlen“, sagt Prof. Dr. Joachim von Puttkamer, der Direktor des Kertész-Kollegs. Gerade die Wahrnehmung von zahlreichen Flüchtlingen als Bedrohung nationaler Homogenität mache eine kritische Auseinandersetzung mit Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts umso wichtiger, betont der Jenaer Historiker.

In den einzelnen Sektionen der Jahrestagung geht es u. a. um Flüchtlinge in der Zwischenkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg, um die „displaced Persons“ nach dem Zweiten Weltkrieg und um politische Emigration nach dem Ungarn-Aufstand 1956. Zum Abschluss der zweitägigen Tagung debattieren Stefan Troebst, Maciej Duszczyk, Attila Pók und Marci Shore unter Leitung von Prof. Dr. Joachim von Puttkamer über das Thema „Eastern Europe and the Refugees: Historical References in current Debates“.

Die Jahrestagung des Imre Kertész Kollegs am 9. und 10. Juni ist öffentlich, interessierte Gäste sind herzlich willkommen. Tagungssprache ist Englisch. Getagt wird am 9. Juni in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (Bibliotheksplatz 2) und am 10. Juni in den Rosensälen der Universität (Fürstengraben 27), der Eintritt ist frei.

Das Programm im Internet: http://www.imre-kertesz-kolleg.uni-jena.de

Konferenz „Climate Migration and Health“ – 10. Juni 2016, Berlin

Das Centre Virchow-Villermé für Public Health Paris-Berlin lädt Sie herzlich in die Französische Botschaft in Berlin zur Konferenz „Climate Migration and Health“ am Freitag, den 10. Juni 2016, ein.

Das Centre Virchow-Villermé für Public Health Paris-Berlin lädt Sie herzlich in die Französische Botschaft in Berlin zur Konferenz „Climate Migration and Health“ am Freitag, den 10. Juni 2016, ein.

Aktuell wird Migration hauptsächlich mit Flüchtlingen aus Kriegsgebieten in Verbindung gebracht, jedoch ist absehbar, dass auch der Klimawandel und die damit einhergehende Verschlechterung von Lebensbedingungen Migrationsbewegungen auslösen werden. In dieser Konferenz möchten wir die Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Bereich der öffentlichen Gesundheit in den Fokus rücken. Dazu werden am Vormittag Wissenschaftler aus Deutschland und Frankreich aus den Bereichen Public Health, Klima und Demographie die Problematik umreißen und in einer Gesprächsrunde die Auswirkungen auf Public Health diskutieren. Am Nachmittag stehen Projekte und Erfahrungen aus der Praxis im Vordergrund. Eine Paneldiskussion mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik wird die Veranstaltung abschließen. Den genauen Ablauf der Konferenz entnehmen Sie bitte beigefügtem Programm.

Datum: 10.06.2016,
Uhrzeit: 9:30 – 17:00 (Registrierung ab 08:45)
Ort: Französische Botschaft, Eingang Wilhelmstrasse 69, 10117 Berlin (Einlass nur nach Anmeldung und mit Ausweisdokument)

Anmeldung: kostenlose Teilnahme, bitte registrieren Sie sich online aufhttp://virchowvillerme.eu/de/event/conference-on-climate-migration-and-health/

„Innovative Lösungen u. internationaler Erfahrungsaustausch zur Flüchtlingsarbeit

Die Konferenz „Voneinander lernen – richtig helfen. Innovative Lösungen und internationaler Erfahrungsaustausch zur Flüchtlingsarbeit.“ der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit widmet sich der entscheidenden Frage, wie Flüchtlingsarbeit in Deutschland gelingen kann.

Termin: Freitag, 29. April, 10.00 bis 19.30 Uhr
Ort: Microsoft Atrium, Lichthof, Unter den Linden 17, 10117 Berlin

Flüchtlingshelfer und internationale Organisationen, vor allem im Libanon, in Jordanien oder der Türkei, haben seit Jahren enorme Erfahrungen gesammelt und Lösungen entwickelt. Ein Teil davon kann auch für Deutschland nutzbar gemacht werden.

In drei Panels und einer Vortragsveranstaltung werden innovative wie auch pragmatische Lösungen von Geflüchteten und Politikern, deutschen wie internationalen Experten und Praktikern vorgestellt und diskutiert. Dabei stehen die Bearbeitung von Traumata, der Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt sowie die Würde und Individualität der Geflüchteten im Mittelpunkt.

Es wirken u. a. mit:
Kilian Kleinschmidt, Berater des österreichischen Innenministeriums und ehem. UNHCR-Leiter des Flüchtlingslagers Zaatari in Jordanien (2013-2014)

Dr. Joachim Stamp, Integrationspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen

Markus Kreßler, Leiter der akademischen Abteilung, Kiron Open Higher Education
Mirna Kassar, Psychotherapeutin und Beraterin in mehreren internationalen Organisationen, Beirut, Libanon

Hala Taher, Leiterin Fortbildungsprogramme, Queen Rania Teacher Academy, Amman, Jordanien

Başak Yavçan, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, TOBB University of Economics and Technology, Ankara, Türkei

Abraham van Veen, Leiter der Abteilung Studierendenservice, TU Berlin
Jörg Matern, Talent Relationship Management, Siemens AG

Programmvorschau:
10.15 Panel 1: „Wie Krieg und Flucht verändern – Erfahrungen aus der psychologischen und pädagogischen Arbeit mit Flüchtlingen“

12.15 Panel 2: „Integration durch Qualifikation – Bildungsangebote für Flüchtlinge im Studierendenalter“

14.30 Panel 3: „Bündnisse zur Integration in den Arbeitsmarkt“

17.15 Vortrag: „Flüchtlinge als Individuen verstehen – Erfahrungen mit Zukunftsängsten und dem Bedürfnis nach Würde und Selbstbestimmung.“

18.00 Podiumsdiskussion: „Offene Gesellschaft in der Bewährung – Wie gelingt Flüchtlingsarbeit in Deutschland?“

Wahrsagekunst im Alten Orient

In den Mosse-Lectures an der Humboldt-Universität zu Berlin soll im Sommersemester 2016 das in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, in den Künsten und Religionen erforschte und imaginierte Zukunftswissen, auch das einzugestehende Nicht-Wissen, verhandelt werden: seine Herkunft, Geltung, Legitimierung und sein Einfluss: von der Wahrsagekunst im Alten Orient bis zu Big Data. Am 28. April 2016 spricht der Altorientalist Professor Sefan Maul über Sinn und Unsinn der Prognostik.

Im Alten Mesopotamien wollten weder Herrscher noch Generäle wichtige Beschlüsse in die Tat umsetzen, ohne dass Zeichendeuter ihnen zuvor deren sicheren Erfolg vorausgesagt hätten.

Der Ruhm der altorientalischen Fachleute verbreitete sich im gesamten Mittelmeerraum. Auch im klassischen Griechenland und im antiken Rom wollte man angesichts ihrer Erfolge ohne den Rat von Sterndeutern und Opferschauern keine wichtigen politischen und militärischen Entscheidungen treffen.
Heute lassen Tausende von Keilschrifttexten das von wissenschaftlicher Systematik geprägte komplexe Lehrgebäude der Zukunftsschauer erkennen. Diese Quellen sind darüber hinaus von größtem Interesse, da sie auch erlauben, eine Antwort auf die drängende Frage zu finden, wie es nur möglich war, dass eine auf der Beobachtung von Vorzeichen fußende Politikberatung über viele Jahrhunderte hinweg dauerhaft stabile politische Verhältnisse befördern konnte.

Über Stefan Maul
Stefan Maul, Altorientalist, Professor für Assyriologie an der Universität Heidelberg, Träger des Leibniz-Preises, Forschungen zur Religions- und Kulturgeschichte des Alten Orients, Fellow des Wissenschafts-kollegs zu Berlin (2004/2005); neuere Veröffentlichungen u.a.: »Das Gilgamesch-Epos«, neu übersetzt und kommentiert (5. Auflage 2012), »Keilschriften aus Assur«, Herausgabe 2007-2012, »Die Wahrsagekunst im Alten Orient« (2013).