Auswirkungen der Windkraft

An der Technische Universität Berlin findet vom 10. – 12. März 2015 die dritte internationale „Conference on Wind energy and Wildlife impacts“ statt. Forscher aus aller Welt stellen in über 70 Vorträgen den aktuellen Wissensstand über den Einfluss der Windenergie auf die Tierwelt vor und diskutieren, mit welchen Mitteln eine Bedrohung von Arten verhindert werden kann. Im Zentrum der Konferenz stehen Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse, aber auch Fische, Seehunde und Schweinswale.

http://www.deutschewildtierstiftung.de/

Wirtschaft ist so rational wie der Kauf eines Ferraris

Prof. Dr. Birger P. Priddats neues Buch beendet die Ideologie der rationalen Kaufentscheidungen – Überredung, Vertrauen und Freunde entscheiden mit

„Economics of persuasion“ – Ökonomie der Überredung heißt das neue Buch von Prof. Dr. Birger P. Priddat. Es beginnt mit einem Wasserkocher – der alte ist verkalkt und abgewrackt, ein neuer soll her. Bestens vorbereitet mit allen Ergebnissen von Stiftung Warentest im Kopf begibt sich der Homo oekonomicus ins Geschäft, zutiefst zur Rationalität entschlossen. Im Regal warten 16 verschiedene Exemplare auf den armen Tropf und alle Überlegungen zu Preislimit und Energieverbrauch verdampfen wie der letzte Tropfen im Kocher – was rational richtig wäre ist hässlich wie die Nacht und eine Beleidigung für das schlafverkrustete Auge am Morgen. Der rationale Neokortex wird augenblicklich vom emotionalen limbischen System des Hirns überstimmt und der teure, aber schönere Kocher wird gekauft. Soviel zur Theorie, dass alle Transaktionen in der Wirtschaft rational entschieden werden. „Das hat eine nette Logik, die wir alle gerne an der Wirkung sehen würden, stimmt aber mit der Realität nicht im mindesten überein“, sagt Priddat.

Und legt nach: „In der Bank, bei Anlage oder Kredit, geht es um Vertrauen, denn im Zweifel kann ich das Angebot doch nicht nachrechnen und wenn ich unabhängig beraten werden wollte, würde ich mir einen unabhängigen Berater suchen. So aber akzeptiere ich, dass der Banker mir das Produkt mit der meisten Rendite für ihn oder die Bank andreht, weil ich ihm vertraue.“ Den Vorgang nennt Priddat „Nichtwissenbasierte Beziehung“. Oder noch zugespitzter: Wie rechtfertigen sich astronomische Preise in Luxusrestaurants? „Satt macht mich die Pommesbude nebenan auch.“ Der Geschmack, lautet dann das Argument der Gourmets. Doch geht es wirklich darum? „Es geht um eine Community: Meine Freunde haben mir das empfohlen, der Gastro-Kritiker meiner Zeitung war begeistert – Ich entscheide doch nicht nach rationalen, sondern nach zutiefst emotionalen Gesichtspunkten“, erklärt Priddat an diesem Beispiel und weitet die Analyse aus: „Werbung alleine reicht nicht, um mich für ein Produkt einzunehmen. Da müssen Stimmen aus meiner Umgebung – Freunde, Netzwerke, Nachbarn – dazukommen, damit eine Resonanz entsteht und ich mich wirklich zu einem Kauf überreden lasse.“ Die gegenseitige Beobachtung ist somit wichtigstes Argument für oder gegen einen Kauf. „Der Markt ist eine rhetorische Veranstaltung und der Preis spielt nur die zweite Geige“, bringt er seine These auf den Punkt. Deutung und Bedeutung statt Konkurrenz und Preis.

Zum Schluss macht Priddat einen Schritt zu einer neuen ökonomischen Theorie: Alleine die Tatsache, dass es zu wirtschaftlichen Transaktionen kommt, bestimme den Markt, nicht das Motiv. „Natürlich geht es um Nutzen für Käufer und/oder Verkäufer, aber Rationalität spielt dabei selten eine Rolle.“

Birger P. Priddat: Economics of persuasion
Ökonomie zwischen Markt, Kommunikation und Überredung
Metropolis, 2015, 477 Seiten, ISBN 978-3-7316-1046-5

Buchempfehlung: Lebensraum Totholz – Gestaltung und Naturschutz im Garten

Totholz ist die Grundlage für neues Leben und einer der wertvollsten Lebensräume überhaupt. Denn das tote Holz zersetzt sich in Wald und Natur zu wertvollem Humus für junges Grün. Die Artenvielfalt der beteiligten Pflanzen, Tiere und Pilze ist überwältigend.
Sie machen das Holz zum lebendigen Biotop und spannenden Blickfang – auch im Garten. Grünes Koboldmoos und  Waldorchidee leben ebenso vom Totholz wie Farn und Pilz. Wildbienen, Fledermäuse und Eichhörnchen finden Unterschlupf und  Nistraum im Holz, auch für Hirschkäfer und Waldkauz bietet sich hier ein Lebensraum.

Dieses Buch erklärt die Bedeutung von Totholz im Ökosystem Garten. Zahlreiche praktische Maßnahmen zeigen Schritt für Schritt, wie sich der Garten mit Totholz lebendig gestalten lässt: vom Reisighaufen über den Baumstumpf bis zur kreativen  Gestaltung mit Wurzeln und Baumschnitt. In Porträts und Pflanzenlisten widmet sich der Autor ausführlich den Totholzbewohnern im Garten. Auch bei morschen Ästen oder Baumhöhlen und wenn ein Baum gefällt werden soll, entkräftet  dieses Buch weit verbreitete Klischees und bietet Lösungen an.

Totholz ist einer der wertvollsten, artenreichsten und mittlerweile auch der seltensten Lebensräume. Falsch verstandenes  Ordnungsdenken hat unsere Gärten aber vielfach leer gefegt, und das Wissen um diesen unersetzlichen Rohstoff ist häufig  nicht mehr vorhanden.
Glücklicherweise wird die entscheidende Rolle von Totholz im Ökosystem zunehmend erkannt. In unseren Gärten steckt ein  enormes ökologisches Potenzial. Nutzen wir es!

180 Seiten
14,00 Euro
ISBN: 978-3-89566-270-6

Totholz – Deutsche Wälder speichern mehr Kohlenstoff als vor 20 Jahren

Ohne seine Wälder würde Deutschland deutlich mehr zum Klimawandel beitragen, als es derzeit der Fall ist. Das geht aus Erhebungen des Thünen-Instituts hervor, die im aktuellen, vom Umweltbundesamt herausgegebenen nationalen Inventarbericht enthalten sind. Mit einer jährlichen Senkenleistung von rund 52 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten sind die deutschen Wälder ein erheblicher Kohlenstoffspeicher.

Ohne seine Wälder würde Deutschland deutlich mehr zum Klimawandel beitragen, als es derzeit der Fall ist. Das geht aus Erhebungen des Thünen-Instituts hervor, die im aktuellen, vom Umweltbundesamt herausgegebenen nationalen Inventarbericht enthalten sind. Mit einer jährlichen Senkenleistung von rund 52 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten sind die deutschen Wälder ein erheblicher Kohlenstoffspeicher.

Das Thünen-Institut für Waldökosysteme liefert Daten, mit denen sich die Speicherfunktion des Waldes in Deutschland berechnen lässt. Eine wichtige Grundlage dafür sind bundesweite Inventuren, die am Institut koordiniert und ausgewertet werden: die Bundeswaldinventur und die Bodenzustandserhebung Wald. Die Daten fließen in die Inventare zur nationalen Treibhausgas-Emission ein, die Deutschland als Vertragsstaat der UN-Klimarahmenkonvention und Unterzeichner des Kyoto-Protokolls regelmäßig erstellen muss.

Bäume nehmen Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und verwandeln es letztlich in Biomasse. Neben den Bäumen ist auch der Waldboden ein kohlenstoffreiches Substrat. Die Berechnungen des Thünen-Instituts zeigen, dass die deutschen Wälder in ihrer oberirdischen Biomasse eine Kohlenstoffmenge von rund 993 Mio. Tonnen bevorraten, hinzu kommen 156 Mio. Tonnen in unterirdischer Biomasse, vor allem den Wurzeln, und 20 Mio. Tonnen im Totholz. In der Humusauflage und den oberen 30 cm des Mineralbodens sind noch einmal 850 Mio. Tonnen Kohlenstoff festgelegt. Aktuell speichern die Wälder damit rund 300 Mio. Tonnen mehr als noch 1990.

Natürlich wird durch den Einschlag und Abtransport von Holz auch wieder Kohlenstoff aus dem Wald entfernt. Doch der Saldo ist positiv – der Wald legt mehr Kohlenstoff fest, als er durch Holzernte und andere Faktoren verliert. Damit dient er in der Klimabetrachtung als Senke: Mit rund 52 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten schlägt sie im Mittel der letzten Jahre zu Buche. Die Erhebungen zeigen, dass der Wald seit Beginn der Treibhausgas-Berichterstattung 1990 immer eine Kohlenstoffsenke gewesen ist.

Bei umfassender Betrachtung ist die Senkenleistung sogar noch erheblich höher. Denn anders als bei einjährigen Kulturpflanzen wie Weizen oder Mais speichert Holz den Kohlenstoff auch längerfristig. Bei stofflicher Nutzung, zum Beispiel beim Hausbau oder in der Möbelfertigung, bleibt der Kohlenstoff teils über Jahrzehnte festgelegt. Bei energetischer Nutzung ersetzt Holz fossile Energieträger, was in der CO2-Bilanz ebenfalls positiv zu Buche schlägt. Nach ersten Berechnungen des Thünen-Instituts konnten von 2005 bis 2009 durch die stoffliche Verwendung von Holz jährlich rund 57 Mio. Tonnen und durch die energetische Nutzung 30 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente substituiert werden. Der Klimaschutzbeitrag des Forst- und Holzsektors bei der Einsparung von Treibhausgasen ist also noch größer als bislang in der Berichterstattung angegeben.

Nähere Infos:
Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar 1990 – 2012; Kap. 7.2, ab Seite 524 (http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/climate-change_24_2014_nationaler_inventarbericht_0.pdf)

Ebolakrise bringt internationale Naturschutzpolitik in Bewegung

Die 12. UN-Vertragstaatenkonferenz der Übereinkunft über die biologische Vielfalt CBD ist zu Ende. Trotz eindrücklicher Warnung eines erneuten Scheiterns der gesetzten Ziele waren die meisten Verhandlungsergebnisse eher kleine Schritte. NeFo berichtet dazu im COP-Blog. Wie Krisen wie die derzeitige Ebola-Epidemie doch politisches Umdenken in Gang setzten können, zeigte der Programmpunkt Gesundheit. Die Tatsache, dass die Störung von Ökosystemen zur Ausbreitung von Infektionen führt und die Erhaltung intakter Lebensräume wichtige Präventionsmaßnahmen für die Weltbevölkerung darstellen, wurde anerkannt und gewürdigt. Jetzt soll mehr in die Erforschung dieser Zusammenhänge investiert werden.

Angesichts der derzeitigen Ebola-Krise wurde explizit darauf hingewiesen, dass der Verlust biologischer Vielfalt und das vermehrte Auftreten übertragbarer Krankheiten gemeinsame Ursachen haben. Das Beschlusspapier, das Vorfeld der Konferenz bestand, hatte diesen Aspekt noch nicht enthalten. Der Beschluss der COP12 lautet nun: „Die Staaten werden ermutigt, die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden für Umwelt und Gesundheit zu verbessern.“ Außerdem wird das CBD-Sekretariat aufgefordert, bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz 2016 in Mexiko verfügbare Informationen über die Zusammenhänge von Biodiveritätsverlust und Krankheitsausbrüche zusammen zu stellen und entsprechende Forschung voran zu treiben.

Zudem begrüßte die COP12 ein von CBD und WHO gemeinsam verfasstes Papier, das den so genannten „One-Health-Ansatz“ propagiert: Die menschliche Gesundheit ist nicht losgelöst von der Gesundheit der Umwelt zu betrachten. Tatsächlich zeigen Studien, dass die massive Regenwaldrodung für Landnutzung, etwa für Palmölplantagen zur Erhöhung von Infektionsraten führen können. Seit 1940 sind rund die Hälfte der neu entstandenen Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übersprangen (Zoonosen), auf Nutzung ehemaliger Wildgebiete für Landwirtschaft und Jagd zurückzuführen. Im Falle von Fledermäusen, die häufig als Überträger von Viren fungieren, untersuchen deutsche Forscher derzeit den Einfluss der Lebensraumgesundheit auf das Infektionsrisiko von Menschen (s. Artikel).

Leider haben CBD-Beschlüsse im Bereich Gesundheit keinen direkten Einfluss auf andere Verhandlungsbereiche wie Waldschutz, Landnutzung oder Klimawandel, wo direkt über menschliche Handlungen wie Rodungen, Förderung von Biosprit und nachhaltige Nutzungsformen entschieden wird. Doch gerade in den Bereichen, wo wirtschaftliche Interessen am stärksten wiegen, tut man sich nach wie vor schwer mit Politikwechseln.

Doch mit Epidemien wie Ebola werden wir künftig immer häufiger konfrontiert sein, und in einer globalisierten Welt immer häufiger auch im eigenen Land, wie erste Fälle in den Krankhäusern zeigen. „Der wirksamste Schutz davor sind Investitionen in die Verbesserung der Lebensqualität der Entwicklungsländer.“ sagt Mikrobiologe Prof. Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle.

Doch bisher halten sich diese Investitionen in Grenzen und werden biodiversitätsschädliche Agrarsysteme wie Palmöl weiter gefördert. Würde man neben den Subventionen noch die ebenfalls von der Gesellschaft getragenen Gesundheitskosten, die durch Infektionskrankheiten jährlich entstehen, einrechnen (allein die SARS-Epidemie 2003 kostete die Weltgemeinschaft geschätzte 30 bis 50 Mrd. Dollar), würden die Regenwaldrodungen sicherlich auf ein gesundes Maß reduziert.

–> COP12-Ergebnisse im NeFo-Blog von Dr. Axel Paulsch (ibn) http://www.biodiversity.de/index.php/biodiversitaet/biodiversitaet-international…

–> Artikel „One Health“ – ist die Erde gesund, ist es auch der Mensch“ von Sebastian Tilch http://www.biodiversity.de/index.php/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversitae…

Biblische Ökosysteme widerstehen mehr als sieben Dürrejahren

Tübinger Forscherin weist hohe Widerstandskraft der Vegetation im Nahen Osten gegenüber Klimaveränderungen nach

Die Ökosysteme des Nahen Ostens beherbergen eine weltweit einzigartige Artenvielfalt, darunter auch die Vorläufer der wichtigsten Nutzpflanzen. Doch die Klimaszenarien gerade für diese Trockengebiete sind alarmierend: In einer Region, in der bereits jetzt pro Kopf besonders wenig Wasser verfügbar ist, werden in Zukunft noch weniger Niederschläge erwartet. Dies könnte die Funktion dieser Ökosysteme sowie das Überleben wichtiger Arten bedrohen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Professorin Katja Tielbörger vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen hat in Israel Langzeitexperimente durchgeführt, um diese Prognosen zu testen. Über neun Jahre hinweg wurden die artenreichen Pflanzengemeinschaften künstlicher Trockenheit ausgesetzt, wie sie für die Klimaszenarien relevant sind. Auch die Auswirkung von höheren Niederschlägen als üblich untersuchten die Wissenschaftler. Sie wählten vier Ökosysteme entlang eines Trockenheitsgradienten aus, die von extremer Wüste mit 90 Millimetern Jahresniederschlag bis hin zu feucht-mediterranen Bedingungen bei 800 Millimetern Regen im Jahr reichten.

Es zeigte sich, dass entgegen der allgemeinen Annahme die untersuchten Ökosysteme auch nach neun Jahren kaum messbare Reaktionen auf die Niederschlagsmanipulationen zeigten, weder auf neun Jahre Trockenheit noch auf neun Jahre mit erhöhten Niederschlägen. Dies betraf die Artenvielfalt, die Zusammensetzung der Arten, deren Dichte und die Biomasse, welche für die Weidenutzung wichtig ist. „Somit muss die gängige Theorie, dass Trockengebiete besonders empfindlich auf den Klimawandel reagieren, revidiert werden“, sagt Professorin Katja Tielbörger, die Hauptautorin der Studie. Als Grund für die hohe Resistenz der Systeme machten die Forscher die große natürliche Variabilität der Niederschlagsmengen in der Region aus. Die angesetzten Klimaszenarien – mit einer Abnahme der Niederschläge um etwa 30 Prozent – befänden sich noch innerhalb des natürlichen ‚Wohlfühlbereichs‘ der Pflanzen. Archäologische und biblische Hinweise deuteten darauf hin, dass die Region bereits seit langer Zeit einer hohen Klimavariabilität ausgesetzt sei. Die Ergebnisse legten die Forscherinnen und Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature Communications vor.

Bei vielen Freilandexperimenten werden die Folgen von Bewässerung und künstlicher Trockenheit für die Pflanzen nur innerhalb der Feldstation mit unbehandelten Kontrollen verglichen. „Wir haben einen neuartigen Forschungsansatz gewählt: Durch die Lage des Experimentes entlang eines natürlichen Trockenheitsgradienten konnten die trockeneren Gebiete dazu dienen, den Einfluss des Klimawandels in der nächst feuchteren Station vorherzusagen“, erklärt die Forscherin. Solche Vorhersagen beruhten bisher vor allem auf theoretischen Modellen, bei der neuen Studie wurden sie nun erstmals experimentell getestet – mit gegensätzlichem Ausgang als erwartet. „Unsere Studie ist weltweit eines der größten Freilandexperiment dieser Art, sowohl was die Zahl der Untersuchungsgebiete und die lange Untersuchungszeit angeht als auch die enorm hohe Artenzahl, die wir betrachtet haben“, sagt Katja Tielbörger. Die neuen Ergebnisse seien daher besonders verlässlich und belastbar.

Die Studie setzt den vorrangig düsteren Prognosen über die Auswirkungen des Klimawandels eine optimistischere Sichtweise entgegen, selbst wenn diese nur für die untersuchten Systeme gültig sein kann. Die Forscherin betont: „Unsere Ergebnisse sollen natürlich nicht dazu dienen, die Auswirkungen des Klimawandels zu verharmlosen. Sie sind aber entscheidend, um Investitionen für die Anpassung an den Klimawandel an der richtigen Stelle zu tätigen.“ Die Ökosysteme im biblischen Land könnten durch eine Klimaerwärmung weniger gefährdet sein als bisher angenommen.

Originalpublikation:
Katja Tielbörger, Mark.C. Bilton, Johannes Metz, Jaime Kigel, Claus Holzapfel, Edwin Lebrija-Trejos, Irit Konsens, Hadas A. Parag, Marcelo Sternberg: Middle-Eastern plant communities tolerate nine years of drought in a multi-site climate manipulation experiment. Nature Communications, DOI 10.1038/ncomms6102.

Studie Planet Erde: Globaler Burn-Out

Die Menschheit treibt ihren eigenen Planeten in einen gefährlichen Burn-Out. Der Grund: Zusammengenommen verbrauchen wir jedes Jahr 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde innerhalb dieses Zeitraums regenerieren und damit nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Das ist das zentrale Ergebnis des „Living Planet Reports 2014“, den die Naturschutzorganisation WWF am Dienstag in Berlin vorgelegt hat. Laut dem globalen Zustandsbericht nehmen die Schulden der Menschheit gegenüber der Natur zu, die ökologischen Reserven hingegen ab. So zeigt der Living Planet Index für die vergangenen vier Jahrzehnte einen Rückgang der biologischen Vielfalt um 52 Prozent. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische damit halbiert.

 

„Wir entziehen uns und unseren Kindern die Lebensgrundlagen in schwindelerregender Geschwindigkeit“, warnte Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. „Macht die Menschheit weiter wie bisher, sind bis 2030 zwei komplette Planeten nötig, um den Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken.“ Die Folgen des Raubbaus seien bereits heute spürbar: Hungersnöte, Artensterben oder extreme Wetterkatastrophen nähmen immer dramatischere Ausmaße an. Insgesamt seien drei der zehn ökologischen Belastungsgrenzen, in deren Rahmen eine Stabilität der Erde und ihrer Lebensräume definiert wird, überschritten: beim Biodiversitätsverlust, dem Klimawandel und dem Stickstoffkreislauf.

 In Bezug auf die Bundesrepublik sind die Ergebnisse des Reports eindeutig: Der ökologische Fußabdruck stagniert seit inzwischen zehn Jahren auf deutlich zu hohem Niveau – und das bei steigendem Wohlstand. Jeder Deutsche verbraucht demnach pro Jahr mehr als doppelt so viele Ressourcen, wie ihm im globalen Mittel zustehen würden. „Wir sind weit davon entfernt, Vorbild zu sein. Es muss uns endlich gelingen, den deutschen Fußabdruck auf ein nachhaltiges Maß zu senken“, forderte der WWF-Vorstand. „Nur eine Verringerung des Fußabdrucks kann auch für die nachfolgenden Generationen ein hohes Wohlstandsniveau garantieren. Daher können und müssen wir uns diese Anstrengungen als eine führende Industrienation leisten.“ Dies sei, so Brandes, eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.

 Deutschland müsse, so die WWF-Forderung, insbesondere Landwirtschaft und Verkehr nachhaltiger ausrichten, ausgewiesene Schutzgebiete wirksamer schützen und die nationale Biodiversitätsstrategie schneller umsetzen. Von herausragender Bedeutung sei die konsequente Umsetzung der Energiewende. „Man beobachtet in der Welt sehr genau, wie wir hierzulande als eine führende Industrie- und Exportnation die Energiewende umsetzen. Wenn wir diese Herausforderung erfolgreich stemmen, hat das weltweite Signalwirkung“, bekräftigte Brandes.

 Hintergrund

 Der Living Planet Report 2014 misst die Veränderungen der weltweiten Biodiversität und des menschlichen Konsums. Die Studie wird alle zwei Jahre vom WWF gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) und dem Global Footprint Network (GFN) erstellt.

 Der Ökologische Fußabdruck der Menschheit hat sich seit 1966 verdoppelt. Seit mehr als 40 Jahren nutzen die Menschen mehr natürliche Ressourcen, als die Erde erneuern kann. Der Fußabdruck gibt die Beanspruchung der Ökosysteme durch den Menschen an und misst die biologisch produktive Landfläche (Biokapazität), die zur Bereitstellung unserer Ressourcen erforderlich ist. Dazu gehören Ackerland, Weideland, bebaute Flächen, Fischgründe und Wälder. Auch der CO2-Fußabdruck ist darin enthalten.

 Um die biologische Vielfalt war es noch nie so schlecht bestellt wie heute: Der Living Planet Index zeigt einen Rückgang um 52 Prozent für den Zeitraum von 1970 bis 2010. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der weltweit untersuchten Populationen damit halbiert. In den gemäßigten Klimazonen verringerten sich 6.569 Populationen der 1.606 erfassten Arten im Durchschnitt um 36 Prozent. Für die tropische Klimazone wird durchschnittlich ein 56-prozentigen Rückgang bei 3.811 Populationen von 1.638 Arten festgestellt.

 Aufgrund des globalen Raubbaus überschreiten wir inzwischen drei der zehn Ökologischen Belastungsgrenzen. Diese beschreiben eine Reihe biophysikalischer Prozesse, die die Stabilität der Erde garantieren. Für jeden dieser Prozesse werden Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden sollten, um größere Risiken oder Schäden zu vermeiden. Doch genau das ist inzwischen beim Biodiversitätsverlust, dem Stickstoffkreislauf und dem Klimawandel der Fall.

 Die Verantwortung für den Raubbau trägt vor allem der enorme Fußabdruck wohlhabender Staaten. Hätte die Weltbevölkerung den ökologischen Fußabdruck der US-Amerikaner bräuchte man vier Planeten,  für den hochgerechneten deutschen Verbrauch wären 2,6 Planeten nötig. Südafrika und Argentinien benötigen noch rund 1,5 Erden, während Indonesien, Indien, Peru oder Armenien mit weniger Ressourcen auskommen, als ihnen zustehen würden. Doch auch in den Schwellenländern zeigt der Trend nach oben. Der Fußabdruck dieser Nationen hat sich seit 1961 pro Kopf um 65% vergrößert.

Weitere Infos sind hier: LIVING PLANET REPORT

Biodiversität sichert unser aller Wohlergehen

Über 300 Wissenschaftler, Experten und Praktiker aus 38 Ländern und 112 internationalen und nationalen Organisationen informierten und diskutierten drei Tage im Wissenschaftszentrum Bonn über den Erhalt und Schutz von Pflanzen, Tierwelt und Lebensräumen.

Eingeladen zur Tagung mit dem Titel Biodiversität heute für morgen hatte das BION-Netzwerk Bonn, der im vergangenen Jahr gegründete Zusammenschluss von 55 wissenschaftlichen, internationalen, nationalen und regionalen Institutionen und Organisationen, die sich durch ihre Kompetenz, Spezialisierung und Exzellenz auf dem Gebiet der Erforschung und Erhaltung der Biodiversität auszeichnen.

„Mit unserer Konferenz ist es gelungen, regionale, lokale und internationale Akteure mit international ausgewiesenen Experten zu diesem sehr hoch komplexen Themenfeld an einen Tisch zu bringen und einen Wissens- und Erfahrungstransfer auf sehr hohem Niveau zu erreichen“ äußert sich Prof. Maximilian Weigend, Sprecher des BION-Netzwerkes, zufrieden zum Ende der Veranstaltung.

Lebhaft diskutierte Schwerpunktthemen und unterschiedlichste Aspekte von Biodiversität waren u.a. Biodiversität und menschliche Entwicklung, Biodiversität zum Nutzen für Landwirtschaft und Ernährung und Technologien zur Erforschung und Überwachung von Artenschutz und Artenvielfalt.

Beim Blick in die Zukunft einigt alle Teilnehmer das Ziel, Biodiversität langfristig als einen eigenständigen Wert in alle relevanten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Abwägungs- und Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen. Denn: „Biodiversität sichert unser aller Wohlergehen. Wir sind nicht nur Teil der Natur, sie erhält auch unser Leben“, wie es in der Abschlusserklärung der Konferenz heißt.

Das BION-Netzwerk fühlt sich durch die große Resonanz auf die Tagung ermutigt, untereinander den Austausch von Wissen voranzutreiben, deutlich in eine Politikberatung und eine für den Bürger verständliche Öffentlichkeitsarbeit zu investieren und exemplarische Projektinitiativen mit möglichst vielen regionalen Partnern auf den Weg zu bringen.

So gibt es eine Reihe von Ideen, die die unterschiedlichen Partner des BION-Netzwerkes in Zukunft verwirklichen wollen: z.B. ein Projekt zu Biodiversität und kulturellem Erbe im Nord-Westen Perus unter Einbeziehung der indigenen Bevölkerung und hier in Bonn der Aufbau eines Biodiversitäts-Konservatoriums im Melbtal.

Die Konferenz und das BION-Netzwerk werden vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert.

Landwirtschaft: Klimaänderung durch Landnutzung

Änderungen in der Bewirtschaftung von Landwirtschaftsflächen können lokal zu einer Klimaerwärmung führen, die mit der Erwärmung durch die Umwandlung von natürlicher Vegetation in Agrarflächen vergleichbar ist. Neben den Treibhausgasemissionen ist die durch die menschliche Landnutzung veränderte Energiebilanz der Erdoberfläche einer der wichtigsten anthropogenen Treiber in der Klimaänderung.

In der aktuellen Vorab-Onlineausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Climate Change stellt eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern eine Studie auf Grundlage von Satellitenbeobachtungen und bodengestützten Messwerten aus in den gemäßigten Breiten von Nordamerika und Eurasien vor. Geo-Ökologe Martin Wattenbach vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ war an der Auswahl der landwirtschaftlich genutzten Gebiete und an der Datenauswertung beteiligt: „Wir haben die direkten klimatischen Folgen der Veränderungen der Landoberfläche und der Landnutzung untersucht und verglichen“, so Wattenbach. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die landwirtschaftliche Nutzung die Energiebilanz der Erdoberfläche so stark verändert, dass sie einen wichtigen Treiber des regionalen Klimawandels darstellt.“

Sowohl für Eurasien als auch für Nordamerika ergab sich durch die veränderte Landnutzung in der Gesamtsumme aller Effekte eine regionale Erwärmung von 1,7 Grad Celsius. Berücksichtigt man die Zunahme der Erdbevölkerung auf neun Milliarden Menschen im Jahr 2050, so muss bei der zukünftigen Planung also neben den Treibhausgasemissionen durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion auch die veränderte Energiebilanz gleichermaßen einbezogen werden. Quelle: Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Sebastiaan Luyssaert et al., “Land management and land cover change have impacts of similar magnitude on surface temperature”, Nature Climate Change, AOP 13.04.2014, DOI: http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2196

Bunte Wiesen statt Maiswüsten

Bundesnaturschutzministerin Barbara Hendricks will die Weichen für mehr Naturschutz in Deutschland stellen. „Wenn wir gefährdete Tiere und Pflanzen in Deutschland erhalten wollen, brauchen wir eine Kurskorrektur in mehreren Bereichen“, sagte Hendricks bei der Vorstellung der neuen Berichte zur Lage der Natur. Die jüngste Bestandsaufnahme zeige neben einigen Erfolgen auch, dass mehr für den Naturschutz getan werden müsse. Als Handlungsfelder benannte Hendricks die Energiepolitik, die Landwirtschaft und den Hochwasserschutz.

Ambitioniertes Handeln sei auch im Bereich Landwirtschaft nötig, so Hendricks. Die Landwirtschaft ist für 54 Prozent der Landfläche in Deutschland verantwortlich. Damit habe sie auch eine besondere Verantwortung für die biologische Vielfalt. So müssten im Rahmen der Agrarreform die Weiden und Wiesen besser geschützt werden vor einer Umwandlung in Äcker.

Dafür müsse auch der Trend zum Anbau von immer mehr Energiepflanzen gestoppt werden. „Bereits heute wachsen auf mehr als 17 Prozent der deutschen Ackerfläche Energiepflanzen – das reicht“, so die Ministerin. Neue Biogasanlagen müssten daher mit Abfall- und Reststoffen gefüllt werden und nicht mehr mit Mais. „Wir müssen die weitere Vermaisung der Landschaft beenden“, sagte Hendricks.  Auch ein weiterer Ausbau der Biokraftstoffe der ersten Generation sei für den Naturschutz gefährlich.

Grundlage für die Analyse ist ein im Naturschutz bislang einmaliger Datenschatz: In rund 12.000 Stichproben haben Naturschützer und Behörden bundesweit den Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen erforscht, die über die europäischen FFH- und Vogelschutzrichtlinien geschützt sind. Aus den Daten lassen sich aber auch Rückschüsse auf die Lage der Natur in Deutschland insgesamt ziehen.

Ein ausführliches Informationspapier „Zur Lage der Natur in Deutschland“, die Ergebnisse von FFH- und Vogelschutzbericht sowie Steckbriefe ausgewählter Arten und Lebensräume finden Sie unter www.bmub.bund.de/P2976.