ÖKO-TEST September 2014 – Trinkwasser

Obwohl immer wieder Arzneimittelrückstände im Trinkwasser gefunden werden, sind regelmäßige Analysen nicht gesetzlich vorgeschrieben. ÖKO-TEST hat in der aktuellen September-Ausgabe Trinkwasser aus 69 deutschen Städten auf Gadolinium untersuchen lassen und wurde vor allem in Städten an Rhein und Ruhr fündig. Aber auch das Wasser in Nürnberg, Münster und Fürth wies „erhöhte“ oder „leicht erhöhte“ Gehalte auf.

Dass im Grundwasser Rückstände von Arzneimitteln zu finden sind, ist kein Geheimnis: Das Umweltbundesamt weist in einem Bericht aus dem Jahr 2011 bereits 55 Positivbefunde aus, in Oberflächengewässern sogar 131. Medikamente gelangen in das Wasser, weil sie über den Urin und Stuhl ausgeschieden werden oder über die Toilette bzw. den Ausguss entsorgt werden. Kläranlagen reinigen zwar das Abwasser, doch im Kampf gegen Arzneimittel ziehen sie häufig den Kürzeren. Denn diese sind oft wasserlöslich, so dass sie kaum im Klärschlamm, in Ablagerungsgesteinen oder in Schwebstoffen hängen bleiben. Leider legt die Trinkwasser-Verordnung gesetzlich keine Grenzwerte für Arzneimittelrückstände fest, weshalb bei den Wasserwerken nur eine geringe Bereitschaft besteht, entsprechende Analysen durchzuführen. ÖKO-TEST hat nun in 69 Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern stichprobenhaft Trinkwasserproben entnommen und exemplarisch auf Gadolinium untersuchen lassen. Dieser Stoff wird als Kontrastmittel in der Magnetresonanztomografie verwendet.

Bei der Untersuchung zeigte sich, dass Städte an Rhein und Ruhr, aber auch Westberlin besonders betroffen sind. Der Grund ist, dass ein Teil des Trinkwassers aus Uferfiltraten stammt. Auf den ersten Blick überraschend ist, dass auch in Münster, Nürnberg und Fürth erhöhte oder leicht erhöhte Gadoliniumgehalte gefunden wurden. Während die Befunde für Nürnberg und Fürth nicht ohne weiteres erklärbar sind, könnte es in Münster daran liegen, dass hier ein Teil des Trinkwassers aus Oberflächenwasser gewonnen wird.

Zwar ist von den nachgewiesenen Gadoliniumgehalten keine gesundheitliche Gefahr zu erwarten, weil die analysierten Mengen sehr gering sind. Aber es ist ungeklärt, ob es chronische Effekte nach sich zieht, wenn Menschen dauerhaft geringe Konzentrationen von Arzneimitteln aufnehmen. ÖKO-TEST rät daher: Um den Arzneimitteleintrag in die Umwelt so gering wie möglich zu halten, sollten Dosierungsangaben beachtet werden und kleinste Packungsgrößen gewählt werden. Abgelaufene Medikamente gehören zudem in den Restmüll und nicht in
die Toilette.

Das ÖKO-TEST-Magazin September 2014 gibt es seit dem 29. August 2014 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 4,50 Euro.

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Gadolinium aus Kontrastmitteln und Arzneimittelrückstände weit verbreitet im deutschen Trinkwasser

Immer häufiger ist Wasser in Deutschland mit Arzneimittelrückständen verunreinigt. Nahezu in allen hiesigen Flüssen und Seen ist Gadolinium, ein Hochtechnologie-Metall und Element aus der Gruppe der Seltenen Erden, inzwischen in anomal hohen Konzentrationen zu finden. Gadolinium wird als Kontrastmittel bei der Magnetresonanztomographie (MRT) verwendet und gelangt über den Urin der Patienten ins Abwasser. Da es in Klärwerken nicht entfernt oder abgebaut werden kann, wird es mit dem gereinigten Abwasser in Flüsse und Seen eingeleitet und erreicht nach einiger Zeit das Grundwasser.

Natürlicherweise kommt Gadolinium nur in sehr geringen Konzentrationen in Gewässern vor. Durch den Vergleich seiner Konzentrationen mit der anderer Seltener Erden wird es möglich, den Anteil des anthropogenen Gadoliniums, also des Kontrastmittel-Gadoliniums im Wasser zu berechnen.

Nachdem Pilotstudien des Geochemikers Michael Bau, Professor für Geowissenschaften an der Jacobs University in Bremen, und seiner Forschungsgruppe gezeigt haben, dass das Kontrastmittel-Gadolinium in den westlichen Bezirken von Berlin und entlang von Rhein und Ruhr auch im Trinkwasser in anomal hohen Konzentrationen auftritt, berichtet die Zeitschrift Öko-Test nun von anthropogenem Gadolinium im Trinkwasser zahlreicher anderer deutschen Städte und Gemeinden. Dies ist bemerkenswert, weil Gadolinium aus MRT-Kontrastmitteln ein Indikator dafür ist, dass auch andere aus dem Abwasser stammende, sogenannte abwasserbürtige Stoffe im Wasser vorhanden sein können.

Für Michael Bau, der diese Entwicklung mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit Jahren verfolgt, ist dies wenig überraschend. „Unsere Untersuchungen zeigen seit längerem, dass überall dort, wo Oberflächenwasser aus Seen und Flüssen eine wichtige Rolle für die Trinkwasserversorgung spielt, relativ hohe Gehalte an Gadolinium aus Kontrastmitteln im Leitungswasser gefunden werden.“ Als Beispiele sind Städte im Einzugsgebiet des Rheins (etwa Düsseldorf und Köln, aber auch Rüsselsheim, Koblenz, Bonn, Leverkusen und Kleve) und der Ruhr (etwa Beispiel Essen und Duisburg) oder der Westen Berlins zu nennen. Dort haben die gemessenen Konzentrationen in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Es gibt aber auch unerwartete Funde, wie beispielsweise in München, wo noch zu klären ist, wo und wie das anthropogene Gadolinium ins Leitungswasser gelangt. Als Ergänzung der Öko-Test Studie konnte im Geochemie-Labor der Jacobs University das Kontrastmittel-Gadolinium auch im Trinkwasser von Städten nachgewiesen werden, die in der Studie von Öko-Test nicht untersucht wurden, beziehungsweise für die kein Kontrastmittel-Gadolinium bestimmt werden konnte. Michael Bau führt letzteres auf die empfindliche Analysemethode zurück, die er und seine Kollegen angewandt haben.

Muss sich der Verbraucher darüber nun Sorgen machen? „Nein, das Gadolinium ist in den bisher im Trinkwasser gemessenen Konzentrationen gesundheitlich völlig unbedenklich“, betont Michael Bau, fügt aber hinzu, dass, wenn auch das Gadolinium selbst kein Problem sei, es aber anzeige, dass Stoffe, die in Kläranlagen nicht aus dem Abwasser entfernt werden können, ins Leitungswasser gelangt seien. Zu solchen abwasserbürtigen Stoffen gehören zum Beispiel Rückstände von Medikamenten und Körperpflegeprodukten, die ihrerseits schon in geringsten Konzentrationen wirken. Diese könnten vor allem bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung bedenklich sein.

Die Forschungsgruppe Rohstoff- und Umweltgeochemie gehört an der Jacobs University zum Schwerpunkt Health. Mit ihren Untersuchungen konzentrieren sich Michael Bau und seine Kollegen unter anderem auf Seltene Erden und andere Hochtechnologiemetalle. Zum Umweltverhalten des Gadoliniums und anderer Seltener Erden sowie zu ihrer Nutzung als kostensparender Indikator bietet Michael Bau auch eintägige Schulungsseminare für Mitarbeiter von privaten und kommunalen Wasser- und Umweltbetrieben an. Quelle: Jacobs University Bremen

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Kosmetik: App entlarvt gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe

Die kostenlose App „Kosmetik-Check“ zeigt nach dem Scan des Strichcodes einer Kosmetik-Verpackung an, ob das Produkt für die Gesundheit bedenkliche Stoffe enthält oder nicht.

Die Verbraucher sehen auf einen Blick mit Ampel-Farben visualisiert, ob bei der Herstellung hormonell wirksame Stoffe, Allergene, Erdöl-Produkte, Silikone oder krebsverdächtige Stoffe verarbeitet worden sind. Bei einer grünen Ampel ist kein entsprechender Stoff enthalten, bei Rot ist mindestens ein gesundheitsgefährdender Stoff enthalten. Außerdem wird bei betroffenen Produkten darauf hingewiesen, dass diese Aluminium-Salze oder Palmöl enthalten. Bei der Einschätzung der Bedenklichkeit der Stoffe beruft sich Kosmetik-Check auf die Kosmetikliste von Öko-Test.

Die Macher der Verbraucher-App barcoo starten mit Kosmetik-Check eine neue App speziell für Pflegeprodukte. Benjamin Thym, Gründer und Geschäftsführer von barcoo, sagt: „Wir bieten mit der neuen Kosmetik-App den umfassendsten Einblick in Kosmetik-Produkte und den Verbrauchern damit größtmögliche Transparenz beim Einkauf.“

Mehr Informationen und Download der kostenlosen App: www.barcoo.com/kosmetik-check

Quelle: HotDot Communications GmbH

ÖKO-TEST: Dekorative Kosmetik – Abgeschminkt

Lidschatten, Wimperntusche und Lipgloss, die ein besonderes „Extra“ bieten wollen und deshalb gern zu Weihnachten verschenkt werden, können es ganz schön in sich haben: Bei einem aktuellen ÖKO-TEST schnitten viele bekannte Marken richtig schlecht ab. Überzeugen konnten nur die Produkte von Naturkosmetikherstellern.
Zu Weihnachten kann es schon mal etwas ganz Besonderes sein. Aber wer seine Lieben mit teurer dekorativer Kosmetik überraschen will, sollte vorsichtig sein: Große und teure Marken sind kein Garant dafür, dass die Produkte auch von guter Qualität sind. Das genaue Gegenteil ist sogar der Fall: Problematische Konservierungsmittel, bedenkliche UV-Filter, umstrittene Hilfsstoffe, allergisierende Duftstoffe stecken in einigen hochpreisigen Produkten konventioneller Hersteller.

Etwa bei einem Lippgloss von Lancôme: Stolze 25,95 Euro pro 6 Milliliter muss man berappen – und bekommt für das viele Geld Paraffine und ein Silikon, eine halogenorganische Verbindung und einen umstrittenen Farbstoff. Gesamturteil in der ÖKO-TEST-Untersuchung: „ungenügend“.

Oder ein Lidschatten von MAC: Das untersuchte Produkt ist gold-bronze-schwarz gesprenkelt und verzaubert durch sein Aussehen. Leider stecken darin umstrittene PEG-Derivate und ein bedenklicher UV-Filter. Außerdem schlüsselt die Firma die Farbbestandteile nicht genau auf. Auch dafür vergibt ÖKO-TEST ein glattes „ungenügend“ – für die wenigen 2,2 Gramm schlechten Inhalt zahlt man übrigens satte 23 Euro.

Erfreulich hingegen, was die zertifizierten Naturkosmetikhersteller anbieten: Ganz gleich ob Puder, Lippgloss, Make-up oder Lidschatten: Alle untersuchten Produkte zeigten sich ausnahmslos von ihrer besten Seite und können ohne Bedenken verschenkt werden.

Das ÖKO-TEST-Magazin Dezember 2013 gibt es seit dem 29. November 2013 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.
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ÖKO-TEST: Erkältungsbalsam – Auf allen Viren

Ursächlich lassen sich Erkältungen bis heute nicht behandeln, allenfalls können Symptome gelindert werden. Doch Salben mit stark riechenden ätherischen Ölen, die bei Erkältungen gerne verwendet werden, konnten in einem aktuellen ÖKO-TEST nicht überzeugen. Denn meistens enthalten sie umstrittene und sogar allergieauslösende Inhaltsstoffe.

Bis heute existieren für Erkältungsbalsame keine handfesten Wirksamkeitsbelege aus klinischen Studien. Für solche Produkte sprechen aber die langjährige Anwendung und zahlreiche Daten aus pharmakologischen Untersuchungen im Labor. Nach dem Auftragen auf Brust oder Rücken gelangen Teile der ätherischen Öle durch die Haut in den Blutkreislauf und von dort in die Bronchialschleimhaut.

Soweit, so gut. Doch durch das Zusammenmischen möglichst vieler ätherischer Öle, wie es einige der kritisierten Anbieter tun, lässt sich das Befinden bei Erkältungen nicht verbessern. Im Gegenteil: Je mehr Stoffe ein Produkt enthält, desto höher ist das Risiko von Wechsel- und Nebenwirkungen. Denn auch natürliche ätherische Substanzen können negative Wirkungen entfalten.

Beispiel Kampfer: In größeren Mengen aufgenommen, wirkt der Stoff sogar giftig. Bei Säuglingen und Kleinkindern können Kampfer, aber auch Menthol, Cineol und entsprechende Öle zu einem Kehlkopfkrampf und Atemstillstand führen. Daher sollten

Erkältungsbalsame bei Kindern unter zwei Jahren überhaupt nicht angewendet werden. Aber auch wer an einer ausgeprägten Überempfindlichkeit der Atemwege, etwa an Asthma, Keuchhusten oder Pseudokrupp leidet, darf die Präparate nicht anwenden, denn es besteht die Gefahr, dass sich die Bronchialmuskulatur verkrampft.

Auch andere, in den Produkten enthaltene Stoffe sind nicht akzeptabel. So wird etwa der bekannte Transpulmin Erkältungsbalsam unter anderem mit Propylparaben konserviert, das im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken. In vielen Produkten steckt Delta-3-Caren. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Bestandteil von Nadelholzölen, allerdings gilt diese Substanz als allergen.

Das ÖKO-TEST-Magazin Dezember 2013 gibt es seit dem 29. November 2013 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

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ÖKO-TEST Ratgeber: Kosmetik und Wellness – Die Kosmetik-Macher

Den aktuellen ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness – „Die Kosmetik-Macher“ gibt es seit dem 08. November 2013 im Zeitschriftenhandel.
Wer sind eigentlich all die Firmen, deren Produkte unsere Badezimmer füllen? Und stimmt das, was die Hersteller von Kosmetik so alles auf ihre Produkte schreiben? Zum Beispiel, dass die Creme besonders sensitiv, das Shampoo haarfreundlich und das Duschgel garantiert ohne allergisierende Inhaltsstoffe produziert wurde?ÖKO-TEST beschäftigt sich zum ersten Mal ganz dezidiert mit all den Informationen, die die Großen und Kleinen der Kosmetikbranche über sich selbst verbreiten.

Den ausführlichen, natürlich kritisch hinterfragten Firmenporträts von über 40 Produzenten – darunter die Großen der Branche, Naturkosmetikhersteller, aber auch all jene, die eher unbekannt sind, aber dennoch in großen Stückzahlen, etwa für Handelsmarken produzieren – werden die Testergebnisse ihrer Produkte gegenübergestellt: über 170 an der Zahl.Und siehe da: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit stehen oft Welten! Überzeugen konnten vor allem die Hersteller von Naturprodukten, an deren Kosmetika es rein gar nichts auszusetzen gab.

ÖKO-TEST Milchprodukte – Die Lüge von den glücklichen Kühen auf der Weide

Glaubt man den Verpackungen von Milch, Butter, Joghurt und Käse, tummeln sich in Deutschland nur glückliche Kühe, die von morgens bis abends sattes Grün von der Weide fressen. Das ÖKO-TEST-Magazin enthüllt nun in der aktuellen April-Ausgabe, dass diese Werbeaussagen mit der Realität wenig zu tun haben: Rund zwei Drittel der Produkte, die mit „Weidemilch“ oder grünen Wiesen locken, sind von Kühen, die selten Gras gesehen haben. Zudem verbieten die wenigsten Molkereien Gen-Soja im Futtertrog.

Das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST wollte wissen, ob Milchprodukte, auf deren Verpackungen grüne Landschaften oder weidende Kühe abgebildet sind, auch wirklich von Kühen stammen, die viel Grünfutter erhalten haben. Das lässt sich im Labor ermitteln. Denn Kühe, die viel Gras fressen, leben nicht nur gesünder, ihre Milch enthält auch mehr Omega-3-Fettsäuren. Diese stehen im Ruf, das Risiko für Herzinfarkte zu senken. Untersuchungen zeigen außerdem, dass mit der Grünfütterung die Anteile weiterer wertvoller Bestandteile im Milchfett steigen.

Die Laborergebnisse beweisen, dass die Verbraucher von den meisten Anbietern getäuscht werden: 20 von 28 konventionell erzeugten Produkten wurden als „wiesenfern“ entlarvt. Selbst Namenszusätze wie „Weidebutter“ oder „Weideglück“ bedeuten nicht, dass die Kühe regelmäßigen Weidegang hatten. Gleiches gilt für Aussagen wie „artgerechte Haltung“. ÖKO-TEST kritisiert zudem, dass die meisten konventionellen Anbieter den Milchbauern Kraftfutter mit Gen-Soja nicht verbieten. Das ist auch bei dem Hersteller Almette der Fall, der seinen Alpenfrischkäse Natur mit „100 Prozent natürliche Zutaten“ anpreist.

Laut dem Verbrauchermagazin sind Bio-Produkte die bessere Alternative. Sie garantieren, dass keine Gen-Technik im Futter steckt. Außerdem hatten nur bei einem von sechs Produkten aus Bio-Erzeugung die milchgebenden Kühe zu wenig Gras im Futtermix. Laut Bio-Statuten besteht nicht zwingend Weidepflicht. Die Landwirte geben ihren Tieren aber schon deshalb mehr Gras, weil Kraftfutter in Bio-Qualität sehr teuer ist.

Das ÖKO-TEST-Magazin April 2013 gibt es seit dem 28. März 2013 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

ÖKO-TEST Yoga- und Pilatesmatten – Sonnengruß in krebserregenden Nitrosaminen

Yoga- und Pilates-Matten aus Kunststoff oder Latex stecken voller Schadstoffe. Das hat eine aktuelle Untersuchung des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST gezeigt. Auf Nummer sicher können Yogis nur mit Schur- und Baumwollmatten gehen.

Wer regelmäßig zum Yoga oder Pilates geht, kauft sich irgendwann auch seine eigene Matte. Die klassischen Varianten aus Kunststoff und Latex haben es – mit einer einzigen Ausnahme – aber ganz schön in sich. Kunststoffmatten enthalten oftmals nicht nur polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die im schlimmsten Fall krebserregend sein können. Auch Weichmacher stecken teilweise darin. Die gute Nachricht ist jedoch: Statt verbotener Phthalate werden inzwischen Weichmacher wie DEHT eingesetzt, die als weniger problematisch gelten. Ganz besonders leichte Kunststoffunterlagen bestehen aus EVA. Der aufgeschäumte Kunststoff kann allerdings fruchtschädigendes Formamid enthalten – welches das Labor tatsächlich auch bei einer Matte gefunden hat.

Ein weiteres unerwünschtes Nebenprodukt aus der Kunststoffherstellung ist 2-Phenyl-2-propanol, bei dem man befürchtet, dass es Allergien auslösen kann. Es wurde in zwei Yogamatten nachgewiesen. Latexmatten haben wiederum ein Nitrosamin-Problem. Alle Matten im Test mit einer Ausnahme enthalten den krebserregenden Stoff.
Anders ist die Situation bei Matten aus Schur- oder Baumwolle Hier hat das von ÖKO-TEST beauftragte Labor keine Schadstoffe gefunden.

ÖKO-TEST rät: Yogis, die üble Inhaltsstoffe befürchten, sollten nicht allzu viel Hautkontakt mit ihrer Matte haben und deshalb ein Handtuch unterlegen – wenn das bei den einzelnen Übungen stört, zumindest bei der Schlussentspannung oder Meditation.

Das ÖKO-TEST-Magazin Januar 2013 gibt es seit dem 28. Dezember 2012 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

ÖKO-TEST: Glyphosat in Getreideprodukten!

Rückstände von Glyphosat, auch bekannt unter dem Namen Roundup, sind häufiger in Getreideprodukten nachweisbar als bislang bekannt. Das zeigt eine Untersuchung des Verbrauchermagazins ÖKO-TEST. Von 20 Proben Weizenmehl, Haferflocken und Brötchen, die im Labor untersucht wurden, waren fast drei Viertel belastet. Glyphosat ist ein Unkrautvernichtungsmittel und weltweit das meist verkaufte Pflanzengift.

Lange Zeit galt das Spritzmittel als unbedenklich. Nun mehren sich jedoch Hinweise, dass es nicht so harmlos ist. Eine französische Studie wies nach, dass bereits geringe Mengen von Roundup ausreichen, um menschliche Zellkulturen zu schädigen. In einer argentinischen Untersuchung führte Glyphosat zu Missbildungen bei Tierembryonen. Umso schockierender ist, dass das Mittel noch kurz vor der Ernte zum Einsatz kommen darf. Schier unglaublich ist der Grund für die Giftdusche. Das Getreide stirbt ab und trocknet gleichmäßig. Auch Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Ölsaaten dürfen auf diese Weise behandelt werden.

Da ist es kaum verwunderlich, dass ÖKO-TEST in 14 von 20 Proben Rückstände gefunden hat. Betroffen sind nicht nur Mehl und Haferflocken, sondern auch Brötchen. Das zeigt, dass das Herbizid bei Backtemperaturen stabil bleibt – was bislang als unwahrscheinlich galt. Da Getreideprodukte als Grundnahrungsmittel jeden Tag in größeren Mengen gegessen werden, nehmen Verbraucher täglich Glyphosat auf. Es erstaunt daher kaum, dass das Spritzgift auch im menschlichen Urin nachgewiesen werden konnte. Wer diese Pestizidbelastung vermeiden möchte, sollte nach Empfehlung von ÖKO-TEST pflanzliche Öko-Lebensmittel kaufen. Denn im Bio-Anbau sind Glyphosat und andere chemisch-synthetischen Spritzmittel nicht erlaubt.

Das ÖKO-TEST-Magazin September 2012 gibt es seit dem 31. August 2012 im Zeitschriftenhandel. Das Heft kostet 3,80 Euro.

Ambrosia-Allergie: Wenn Globalisierung und Klimawandel zusammenspielen

Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie leitet klinischen Teil einer EU-Studie / Studienteilnehmer gesucht

Ambrosia artemisiifolia-Pflanze.
Erika Hartmann/pixelio

Es hat gefiederte grüne Blätter, kann bis zu zwei Meter hoch werden und wird oft mit dem gemeinen Beifuß verwechselt: Das beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), auch Beifuß-Ambrosie genannt. Doch das unscheinbare Kraut macht den Menschen auch in unserer Region zunehmend zu schaffen. „Die Ambrosia ist zum einen hoch allergen, das heißt, dass viele Menschen allergisch reagieren und bereits eine kleine Pollenmenge Reaktionen auslöst. Zum anderen verlaufen Ambrosia-Allergien oft sehr schwer. Das kann ein starker Heuschnupfen sein, eine Bindehautentzündung, ein juckendes Ekzem bis hin zum Asthma“, sagt PD Dr. Christiane Pfeiffer, Allergologin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Ulm.

Um Ausbreitung, Auswirkungen und Bekämpfungsmöglichkeiten des Ambrosia-Bewuchses zu erforschen, haben sich Institute verschiedener Disziplinen aus ganz Europa zu dem EU-geförderten Projekt „Atopica“ zusammengeschlossen. Die Ulmer Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie (Ärztliche Direktorin: Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek) leitet den klinischen Teil der wissenschaftlichen Studie, wie PD Dr. Pfeiffer erläutert: „Wir möchten herausfinden, ob man auch im Alter noch Allergien neu entwickeln kann. Deshalb nehmen wir Menschen ab 60 Jahre in unsere Studie auf.“

Dazu sind die Wissenschaftler auf die Unterstützung durch die Bevölkerung angewiesen. Sie suchen Freiwillige, die zu einer kurzen Befragung und einem kostenlosen Allergietest in die neuen Klinikräume auf dem Oberen Eselsberg kommen. „Wir testen die Teilnehmer auf etwa zehn häufige Allergene und besprechen das Ergebnis anschließend mit ihnen. So können sie auch erfahren, ob sie eine allgemeine Neigung zu Allergien haben. Wer möchte, erhält einen Allergieausweis“, so Prof. Dr. Karin Scharffetter-Kochanek, die Ärztliche Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie. Sie lädt alle Interessierten in die neue Chirurgie I Dermatologie ein: „Wir freuen uns über jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer, die wir in unseren neuen, hochmodernen Behandlungsräumen begrüßen dürfen.“ Der Zeitaufwand beträgt eine bis zwei Stunden, Teilnehmer benötigen weder ihre Versichertenkarte noch einen Überweisungsschein.

Dass Menschen hierzulande überhaupt unter Ambrosia-Allergie leiden, ist Ergebnis des Zusammenspiels von Globalisierung und Klimawandel: Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Pflanze wurde vermutlich bereits Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt. Zwischen Getreide und Kleesaat erreichten Ambrosia-Samen die Häfen Europas und breiteten sich von dort über die Landwege weiter aus. Doch die klimatischen Bedingungen in Deutschland ließen zunächst keine dauerhaften Ambrosia-Bestände zu. Die zunehmende Klimaerwärmung Ende des 20. Jahrhunderts änderte das.

Heute finden sich Ambrosia-Pflanzen an Wegesrändern und auf Schutthalden, auf Baustellen wie am Waldrand. Und auch in vielen Gärten der Region, wie PD Dr. Pfeiffer bestätigt: „Neben der Verbreitung über Gütertransporte ist ein Großteil der in Deutschland erhältlichen Vogelfuttermischungen mit Ambrosia-Samen verunreinigt“, so die Studienleiterin. In einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Ökotest aus dem Jahr 2007 waren nur drei von 18 Vogelfutterprodukten frei von Ambrosia-Samen. Via Pollenflug konnte sich die Ambrosia außerdem über die Westschweiz bis in den Oberrheingraben ausbreiten. Der Schaden ist so beträchtlich, dass die Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht eingeführt hat. Einfaches Abmähen genügt allerdings nicht, da die Wurzeln erneut austreiben und die Ambrosia bis zu vier Mal pro Jahr blüht – und ihre Pollen verbreitet.

Quelle:  Universitätsklinikum Ulm