NABU veröffentlicht erste App mit Fotoerkennung von Lebensmittelsiegeln

Der NABU hat heute die erste App für Smartphones mit einer Fotoerkennung von Logos und Siegeln auf Lebensmitteln veröffentlicht. Immer mehr Zeichen sind auf Produkten abgedruckt, um ökologische oder soziale Aspekte hervorzuheben. Der „NABU-Siegel-Check“ dient in diesem Labeldschungel als Navigationshilfe. Mit der App können Verbraucherinnen und Verbraucher Logos, Siegel und Label von der Verpackung abfotografieren und erhalten sofort Informationen darüber, um welche Kennzeichnungen es sich handelt und welche Lebensmittel gut für Umwelt, Klima und Natur sind.

Das Bewertungssystem funktioniert nach dem Ampelprinzip: Ein grüner Daumen steht für ein aus ökologischen Gesichtspunkten empfehlenswertes Produkt, ein gelber Daumen deutet auf ein gutes Produkt hin, bei dem der Umweltvorteil aber besser ausfallen könnte und ein roter Daumen signalisiert, dass es sich um keine umweltfreundliche Ware handelt. Die Kennzeichnungen, die keinen Umweltvorteil anzeigen und dies auch nicht suggerieren, haben eine neutrale Wertung. In einer Galerie können Verbraucherinnen und Verbraucher auch selbst nach Siegeln suchen oder in Produktkategorien nach vertrauenswürdigen Logos für biologisch erzeugte, fair gehandelte oder regionale Lebensmittel stöbern.

„Jeder kann mit seinen Kaufentscheidungen im Supermarkt dazu beitragen, dass unsere Lebensmittel umweltfreundlicher produziert werden. Mit der NABU-App möchten wir erreichen, dass sich im Lebensmittelhandel ökologisch empfehlenswerte Produkte besser durchsetzen. Denn die Flut an Logos, Labeln und Siegeln schafft oft mehr Verwirrung als Orientierung“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Aber es sind nicht nur die Kunden gefragt: Lebensmittelhersteller und der Handel stehen in der Verantwortung, konsequent auf eine naturverträgliche und umweltfreundliche Produktion zu setzen“, so Miller.

In der Datenbank der Handy-Anwendung wurden Kennzeichnungen berücksichtigt, die bundesweit im Supermarkt oder im Handel zu finden sind und bei denen Kunden einen ökologischen Nutzen vermuten könnten. Aktuell befinden sich rund 55 Logos in der Datenbank, die laufend aktualisiert wird. Die App kann kostenlos im iTunes App-Store und im Google Play Store heruntergeladen werden. Eine kostenlose Windows-Version wird demnächst erscheinen.

 

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Tafeltrauben sind immer noch zu häufig mit Pestiziden belastet

In den letzten Jahren waren wiederholt zu hohe Pestizidmengen auf Tafeltrauben nachgewiesen worden, deswegen hat die Lebensmittelüberwachung auch 2012 diese Trauben untersucht. „Es ist sehr unerfreulich, dass sich die Rückstandssituation, insbesondere bei konventionellen Tafeltrauben, nicht verbessert hat. Aus diesem Grund müssen die Beratungsmaßnahmen bei den Erzeugern intensiviert werden. Vor allem sollten Weintrauben, die für die Weinherstellung gedacht sind, nicht als Tafeltrauben verkauft werden“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde am Freitag (28. Dezember) in Stuttgart. Neben Höchstmengenüberschreitungen seien bei Tafeltrauben auch nicht zugelassene Pestizide gefunden worden. Daher würden auch im nächsten Jahr Tafeltrauben wieder verstärkt untersucht und Verstöße sanktioniert.

Keltertrauben besser nicht als Tafeltrauben anbieten

Die Lebensmittelüberwachung hat 90 konventionell und 26 biologisch erzeugte Tafeltraubenproben unterschiedlicher Herkunft auf Rückstände von etwa 600 Pestiziden untersucht. Bei Bio-Trauben gab es keinerlei Probleme mit Pestizidrückständen. Dagegen wurden neun Prozent der konventionellen Proben wegen Höchstmengenüberschreitungen beanstandet, davon deutlich mehr einheimische Ware (21 Prozent) als ausländische Ware (fünf Prozent). „Zwar ist keine der beanstandeten Proben als gesundheitlich bedenklich einzustufen. Trotzdem liegen hier klare Verstöße gegen das Lebensmittelrecht vor, was sehr ärgerlich ist, weil diese leicht zu vermeiden wären“, so Bonde. Denn ein Grund für die hohe Beanstandungsquote sei, dass einheimisch angebaute Trauben zur Weinbereitung dem Verbraucher unerlaubterweise teilweise zum Direktverzehr, also als Tafeltrauben angeboten werden. Für Tafeltrauben gelten jedoch teilweise strengere Grenzwerte als für Keltertrauben, weil diese mit der Schale gegessen werden. Bei Keltertrauben werden Schalenreste mit anhaftenden Pestiziden bei der Verarbeitung entfernt.

Ein weiteres Problem sei, dass für Keltertrauben Pestizide verwendet werden dürfen, die für Tafeltrauben nicht erlaubt sind. Bei 42 Prozent der heimischen Proben seien jedoch nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel nachgewiesen worden. „So gut Keltertrauben schmecken: Die Regeln sind andere als bei Tafeltrauben. Keltertrauben dürfen nur dann als Tafeltrauben angeboten werden, wenn sie alle notwendigen Voraussetzungen erfüllen“, erklärte der Verbraucherminister.

Tafeltrauben aus ökologischem Anbau

Bis zum Berichtszeitpunkt wurden insgesamt 26 ökologisch erzeugte Traubenproben unterschiedlicher Herkunft auf Rückstände an Pflanzenschutzmitteln untersucht (hierbei stammten 2 Proben aus Deutschland). Bei 15 der untersuchten Traubenproben waren keinerlei Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nachzuweisen. Bei den anderen 11 Proben wurden lediglich Spuren von Rückständen nachgewiesen. Davon wiesen 7 Proben Rückstände des insektiziden Wirkstoffes Spinosad auf, welcher allerdings gemäß der EU-Öko-Verordnung für den ökologischen Landbau zugelassen ist.

Bezüglich der Pflanzenschutzmittel erfüllten alle untersuchten Bio-Tafeltrauben die Bestimmungen für den ökologischen Anbau.

Erzeugerberatung wird intensiviert 

Um den Winzerinnen und Winzern die Problematik der unterschiedlichen Höchstmengenregelungen und zugelassenen Pflanzenschutzmittel bei Kelter- und Tafeltrauben noch stärker bewusst zu machen, werde unabhängig von rechtlichen Maßnahmen und Sanktionen die Aufklärung der Erzeuger durch die Weinbauberater bei den zuständigen unteren Verwaltungsbehörden intensiviert.

ARTE – Programmtipp: Hauptsache haltbar – 3. Juli 2012

Hauptsache haltbar (ARTE +7)

Von Shanghai über Toulouse bis nach Hamburg – der Verbraucher kann in vielen Supermärkten auf der Welt die gleichen Produkte kaufen, alles luftdicht verpackt und lange haltbar. Doch kaum ein Kunde ahnt, dass sich in den Verpackungen gefährliche Schadstoffe verstecken, die in die Nahrungsmittel wandern. Ob Weichmacher, giftige Druckfarben oder sogenannte Trocknungsbeschleuniger – die größte Verunreinigung von Lebensmitteln entsteht durch Verpackungen. So lässt sich in harten Plastikschalen und Dosen der hormonähnliche Stoff BPA nachweisen, der Herzkrankheiten auslösen und das Immunsystem schädigen kann. Allen wissenschaftlichen Studien zum Trotz wurde BPA bis heute in der EU nicht verboten.

Am gefährlichsten sind die sogenannten Wandergifte, wie Phtalate (PDF Greenpeace). Sie machen die Verpackung weich und geschmeidig, wirken nebenbei aber wie Hormone. Als Folge werden immer mehr Männer unfruchtbar. Zu finden sind die Gifte in Nuss-Nougat-Cremes, Milch, Öl, Pesto-Soßen, Fertigprodukten und sogar im folienverpackten Fleisch und Obst.

Weichmacher und Plastikverpackungen kommen aus China. Hier gelten die europäischen Gesetze nicht. Und die EU-Kontrollorgane schützen den Verbraucher nicht ausreichend gegen das tägliche Gift aus der Verpackung. Während es in der Schweiz bereits ein Gesetz gibt, das die Industrie verpflichtet, die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Farben nachzuweisen.
(Deutschland, 2010, 30mn) – NDR