Neurologische Pflege als wichtiger Baustein für den Therapieerfolg

Die Arbeit der Pflegekräfte hat einen immensen Einfluss auf die Versorgungsqualität von Patienten. Zahlreiche Studien zeigen: Wird ein Mindestmaß an Pflege unterschritten, steigt die Sterblichkeitsrate an, es kommt häufiger zu gravierenden Komplikationen. „Die Pflege neurologischer Patienten, ob mit einem Schlaganfall, einer Parkinson-Erkrankung oder einer Demenz, ist nicht nur besonders zeitintensiv – Pflege in der Neurologie ist auch ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Wir brauchen dringend mehr Pflegekräfte in der Neurologie“, begrüßt Prof. Dr. med. Gereon R. Fink das Sofortprogramm des Bundesgesundheitsministers gegen den Pflegenotstand.

„Das allein reicht jedoch nicht“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): „Wir müssen auch konsequent in die Weiterbildung der Pflegefachkräfte investieren“, fordert er. Die DGN setzt sich seit langem für die Weiterbildung in der neurologischen Pflege ein. In diesem Jahr bietet die DGN auf ihrem Jahreskongress, der vom 30. Oktober bis 3. November 2018 in Berlin stattfindet, am 31. Oktober erstmals ein spezifisches Programm für Pflegekräfte an. Der Eintritt ist für Pflegekräfte kostenfrei.

Am 31. Oktober 2018 steht die neurologische Pflege auf dem DGN-Kongress im Fokus. Namhafte Referenten beleuchten in Vorträgen und Workshops die großen Bereiche der Neurologie wie etwa Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Bewegungsstörungen aus pflegerischer Sicht. Hier werden Themen wie Diagnostik und Therapie erörtert, ebenso geht es um erkrankungsspezifische Pflegestandards und -konzepte in der neurologischen Pflege.

Neurologische Pflege ist therapeutische Pflege

Die Neurologie ist besonders pflegeintensiv. Das liegt an den Krankheitsbildern der Patienten mit Parkinson, Alzheimer, Schlaganfall oder Multipler Sklerose, an ihrem häufig hohen Alter, an Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit und der Kognition, an psychischer Komorbidität oder Inkontinenz. „Die Qualität der medizinischen Versorgung in der Neurologie ist in hohem Maße abhängig von der Qualität der Pflege“, sagt DGN-Präsident Gereon R. Fink. „Aber die Pflege in diesem Bereich ist besonders anspruchsvoll – und oft körperlich und psychisch belastend.“

Gut ausgebildete Pflegekräfte wichtig für die Versorgungsqualität

Rund 30 Prozent der neurologischen Kliniken geben an, dass sie überwiegend wegen Pflegekräftemangel ihre Versorgung zeitweise einschränken müssen. Der Pflegenotstand in der Neurologie hat drastische Folgen für die Versorgungsqualität der Patienten. Wenn ein Mindestmaß an Pflege nicht zur Verfügung steht, steigen die Mortalitätsraten, ebenso die Zahl der Pneumonien und Harnwegsinfekte. Darüber hinaus verlängert sich der Krankenhausaufenthalt.

Personaluntergrenzen müssen sich am Versorgungsbedarf orientieren

Um wirksame Maßnahmen gegen den Pflegenotstand in der Neurologie zu erarbeiten, hat die DGN im vergangenen Jahr die Task Force Pflege ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe hat Empfehlungen für Personaluntergrenzen in der neurologischen Pflege erarbeitet und einen Abschlussbericht an die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), den Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-SV) und den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) geschickt. „Wir sehen Pflegepersonal-untergrenzen in neurologischen Kliniken als sinnvolles Instrument an, wenn sie sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf der Patienten ausrichten“, sagt Prof. Dr. Armin Grau, Mitglied der Task Force Pflege und Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen. Als potenzielle Personaluntergrenzen empfiehlt die DGN auf einer Normalstation folgende Personalschlüssel: In der Früh- und in der Spätschicht sollte eine Pflegekraft nicht mehr als sieben Patienten versorgen, in der Nachtschicht ist eine Pflegekraft für 14 Patienten empfehlenswert. In einer Stroke Unit sollte eine Pflegekraft tagsüber für drei und in der Nacht höchstens für vier Patienten zuständig sein. Für neurologische Intensivstationen empfiehlt die DGN durchgehend einen Personalschlüssel von eins zu zwei.

Interprofessionelles Fortbildungsangebot der DGN für Pflegefachkräfte

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie engagiert sich seit langem für eine bessere Pflege in der Neurologie. Bereits 2011 hat die Fachgesellschaft gemeinsam mit dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) die „Interdisziplinäre Pflegefortbildung Neurologie“ veröffentlicht und damit ein interprofessionelles Fortbildungsangebot für den Fachbereich Neurologie geschaffen, das sich an Gesundheits- und Krankenpfleger, Mitarbeiter aus so genannten therapeutischen Berufen und ärztliche Berufsanfänger im Fach Neurologie richtet. Diese können sich zur Stroke-, MS-, Demenz- und Parkinson-Nurse weiterbilden lassen. Das Ziel der DGN ist es, die Fortbildung von Pflegefachkräften in der Neurologie zu standardisieren und um weitere wichtige Themen zu ergänzen.

Die DGN bittet Pflegedienstleitungen und Kliniken, ihren Pflegefachkräften im Bereich Neurologie den Besuch des DGN-Kongresses zu ermöglichen.

Advertisements

Studie: Zucker im Orangensaft – Saft senkt Gicht-Risiko

Humanstudien der Universitäten Hohenheim und Kiel zeigen, dass ein Glas Saft zum Essen keine Gewichtszunahme bewirkt. Zudem senkt der Saft signifikant den Harnsäure-Spiegel.

Mehr Gicht und Übergewicht – seit einigen Jahren stehen zuckerhaltige Getränke als Mitverursacher dieser Probleme in den Industrienationen am Pranger. Betroffen sind nicht nur gezuckerte Limonaden, sondern auch Fruchtsäfte. Das ist nicht gerechtfertigt, haben nun Wissenschaftler der Universitäten Kiel und Hohenheim in Stuttgart in zwei Humanstudien herausgefunden. Der regelmäßige Genuss von Orangensaft könne den Harnsäure-Spiegel sogar senken und somit Gicht entgegenwirken. Zu den Mahlzeiten genossen, konnten die Forscherinnen und Forscher auch keine Gewichtszunahme durch Fruchtsaft beobachten. Sie empfehlen daher ein Glas Fruchtsaft pro Tag, da dieser von Natur aus nicht nur Zucker, sondern auch Vitamine, Polyphenole, Mineral- und Ballaststoffe enthalte und somit eine wertvolle Ergänzung der Ernährung darstelle.

Es war ein Wandel vom Paulus zum Saulus: Noch vor wenigen Jahren galten Fruchtsäfte als gesund, heute sind sie aus manchen Kindergärten und Grundschulen verbannt. Der Grund: ihr hoher Gesamtzuckergehalt, der durchaus mit dem vieler Limonaden Schritt halten kann. Bei einigen Ernährungswissenschaftlern gelten sie daher als ebenso ungesund wie Cola-Getränke.

Das wollten Professor Reinhold Carle von der Universität Hohenheim und Professorin Anja Bosy-Westphal von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel überprüfen. Die Ernährungswissenschaftler führten dazu zwei Humanstudien durch, bei der 26 junge, gesunde Probandinnen und Probandenen 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über zwei Wochen entweder mit koffeinfreier Cola oder mit Orangensaft deckten.

„Bei dem Saft waren das bei den meisten Probanden rund 1,2 Liter, bei Cola etwa ein Liter täglich“, erklärt Carle. Im Sinne einer sogenannten Cross-over-Studie gab es für die Teilnehmenden nach den ersten 14 Tagen eine Auswaschungsphase von einer Woche, dann stiegen die Orangensaft-Trinker auf Cola um und umgekehrt.

Gegen Gicht: Orangensaft senkt Harnsäurespiegel

In der ersten Studie stand die Frage im Mittelpunkt, wie Cola bzw. Orangensaft die Harnsäure beeinflusst, die für das zunehmende Auftreten von Gichterkrankungen in den Industrienationen verantwortlich gemacht wird. Das Ergebnis: „Auch bei diesem sehr hohen Konsum führte Orangensaft im Unterschied zu Cola zu keiner Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels, und der Harnsäurespiegel wurde sogar signifikant gesenkt,“ erläutert die Ernährungsmedizinerin Bosy-Westphal.

Die Reduktion des Harnsäurespiegels war bei höheren Ausgangsspiegeln am deutlichsten. „Für den Harnsäure-senkenden Effekt des Orangensaftes kommt sowohl die Vitamin C-Aufnahme durch den Saft als auch dessen Gehalt an Flavonoiden, insbesondere Hesperidin, in Betracht“, so die Expertin.

Denn Vitamin C fördere die Ausscheidung von Harnsäure, weshalb der regelmäßige Verzehr von Orangensaft zur Prävention erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) beitragen könne. Dieser Effekt sei auch bereits für Hesperidin im Tierversuch gezeigt worden. „Und wenn die Auskristallisation der Harnsäure in Gelenken und Geweben gehemmt ist, kann das wiederum der Entstehung von Gicht vorbeugen“, schlussfolgert Bosy-Westphal.

Körperfett: Keine Zunahme durch Saft zu den Mahlzeiten

Bei der zweiten Studie deckten die Probanden ebenfalls 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über Orangensaft – doch diesmal konsumierten sie zunächst zwei Wochen lang dreimal täglich 400 ml Orangensaft zu den drei Mahlzeiten, das andere Mal nahmen sie den Saft zwischen den Mahlzeiten zu sich.

„Wir konnten zeigen, dass auch dieser sehr hohe Konsum keine negativen Auswirkungen auf das Körpergewicht hatte – wenn der Saft nicht zwischendurch, sondern zum Frühstück, Mittag- und Abendessen getrunken wurde“, berichtet Bosy-Westphal. „Zum Essen getrunken verringert der Saft die spontane Energieaufnahme mit der Mahlzeit entsprechend und passt sie an.“ Bei einem Konsum zwischen den Mahlzeiten konnten die Wissenschaftler dagegen einen leichten Anstieg des Körperfetts verzeichnen.

Forscher empfehlen ein Glas Saft pro Tag

Literweise Fruchtsäfte gegen den Durst würden daher auch Carle und Bosy-Westphal nicht empfehlen, doch das sei ohnehin keine gängige Praxis: „Der jährliche Pro-Kopf-Konsum an Orangensaft liegt in Deutschland bei rund 7,5 Litern“, erklärt Carle. „Dagegen werden etwa 75 Liter Limonaden getrunken. Im Unterschied zu zuckergesüßten Erfrischungsgetränken, die Jugendliche und insbesondere junge Männer täglich in Mengen bis zu einem halben Liter zu sich nehmen, dienen Fruchtsäfte im Wesentlichen nicht als Durstlöscher zwischendurch.“

Fruchtsaft, so die Schlussfolgerung aus den Studienergebnissen, könne daher in der üblichen Verzehrmenge nicht nur bedenkenlos konsumiert, sondern als wertvolle Ergänzung zu einer Mahlzeit betrachtet werden. „Orangensaft ist eine wertvolle Quelle für Kalium, Folsäure und Vitamin C. Er enthält bioaktive Stoffe wie Carotinoide und Polyphenole mit guter Bioverfügbarkeit“, betont Carle. „Ein Glas Fruchtsaft zum Beispiel zum Frühstück kann eine der von der DGE empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag ersetzen.“

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich 250 g Obst zu verzehren – eine Menge, die rund 43 Prozent der Deutschen unterschreiten. Nähme man den Fruchtsaftverzehr von den DGE-Empfehlungen aus, lägen sogar 59 Prozent unter den empfohlenen Werten. „Das wäre nicht sinnvoll“, meint Carle. „Denn schon 2015 konnte eine Studie der Universität Hohenheim zeigen, dass der menschliche Körper die wertvollen Inhaltsstoffe der Orange viel besser aus dem Orangensaft aufnimmt als aus der Frucht.“

Palliativmedizin – Kommunikationspreis an Journalisten Markus Günther

„Für schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen sollte ein unkomplizierter Zugang zu Angeboten der Hospizarbeit und Palliativversorgung selbstverständlich sein.“ erklärte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Franziska Giffey bei der Verleihung des Kommunikationspreises der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Deutschen PalliativStiftung. Sie überreichte den erstmals ausgeschriebenen Kommunikationspreis in Berlin an den Journalisten Dr. Markus Günther für dessen Essay „Du musst kämpfen“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Weitere vier Medienarbeiten waren von einer Fachjury nominiert.

„Für schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen sollte ein unkomplizierter Zugang zu Angeboten der Hospizarbeit und Palliativversorgung selbstverständlich sein.“ erklärte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Franziska Giffey bei der Verleihung des Kommunikationspreises der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Deutschen PalliativStiftung.

„In einer solchen Situation rücken schwierige Entscheidungen ebenso wie das Sterben, der Tod und die Trauer näher. Umso wichtiger sind Profis in Medienberufen, die über eine gute Hospiz- und Palliativkultur berichten. Wenn öffentlich mehr und selbstverständlicher über Sterben und Tod gesprochen wird, dann fällt es jedem und jeder Einzelnen auch leichter, über die eigene Situation mit allen Beteiligten zu sprechen“. Sie überreichte in Berlin den erstmals ausgeschriebenen Kommunikationspreis an Dr. Markus Günther für dessen Essay „Du musst kämpfen“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Weitere vier hervorragende Medienarbeiten waren von einer Fachjury nominiert.

„Es erfordert Mut und Vertrauen, sich in schwerer Krankheit Fragen der Medien zu öffnen und ein Stück des Weges öffentlich begleiten zu lassen.“ betonte Dr. Bernd-Oliver Maier, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. „Mit durchaus kritischem Blick versuchen wir Patientinnen und Patienten vor unangemessenen medialen Inszenierungen zu schützen. Umso beeindruckender sind die für den Kommunikationspreis nominierten Arbeiten, deren Autorinnen und Autoren auf be-merkenswert einfühlsame und zurückhaltende Weise die Leser, Hörer und Zuschauer an den Themen und Entscheidungen sterbender Menschen und ihrer Familien teilhaben lassen.“

Dies entspräche der Zielsetzung des gemeinsam mit der Deutschen Palliativstiftung erstmals 2018 aus-geschriebenen Kommunikationspreises, eine qualitativ hochwertige Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zu hospizlich-palliativen Themen zu fördern. Dafür hat die Deutsche PalliativStiftung (DPS) ein Preisgeld in Höhe von 10.000 € zur Verfügung gestellt. Dr. Thomas Sitte, Palliativmediziner und Vorstands-vorsitzender der Deutschen PalliativStiftung, bei der Preisverleihung am Donnerstag in Berlin: „Wir freuen uns besonders, dass die Bundesfamilienministerin dieses Anliegen persönlich unterstützt. Es bedeutet für Familien in schwerer Krankheit eine große Entlastung, wenn sie sich auch mit Hilfe der Medien über vergleichbare Situationen und die dann zur Verfügung stehenden Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung informieren können. Das ist ein Hauptziel unserer Stiftungsarbeit.“

Jurypräsident Prof. Dr. Boris Zernikow würdigte in seiner Laudatio den Essay „Du musst kämpfen“ des Preisträgers Dr. Markus Günther, in welchem er genau diesen einen Satz kritisch hinterfragt. „Sehr wünsche ich mir, dass dieser herausragende Beitrag gelesen, diskutiert und verbreitet wird! Er steht für die Grundidee des Preises, schwerkranke Menschen und die ihnen Nahestehenden ernst zu nehmen in ihrer Lebenssituation und sie nicht mit unbedachten Aufrufen weiter zu belasten. Gerade die Aufforderung „Du musst kämpfen“ dient meist mehr dem eigenen Trost, als dass er der Situation der Betroffenen gerecht wird.“ Der Text habe tatsächlich ungewöhnlich viele Reaktionen vor allem bei Krebspatienten, aber auch ihren Angehörigen ausgelöst, so Markus Günther: „Viele Menschen haben diesen Text mit einem Gefühl der Erleichterung gelesen, wie sie sagen, weil sie die Rhetorik vom ‚Kampf‘ als zusätzliche Belastung empfunden haben oder hier zum ersten Mal lesen konnten, dass die fachwissenschaftliche Diskussion längst viel weiter ist.“

Die Bundesministerin zeigte sich beeindruckt von den Arbeiten und erklärte, dass sie sich für jene einsetzen wird, die sich um schwerstkranke Menschen und ihrer Angehörigen kümmern. Dazu gehöre auch, über die Optionen der Hospiz – und Palliativarbeit zu informieren und breit aufzuklären, damit schwerkranke Menschen jeden Alters wie auch deren Angehörige und Freunde Ansprechpartner für ihre Fragen finden.

Die mit dem Kommunikationspreis erhoffte Vielfalt der Formate und Herangehensweisen zeigte sich im Zusammenspiel mit der ausgezeichneten Arbeit ebenso bei den vier weiteren Nominierungen, in denen schwierigste Entscheidungsprozesse zum Ende eines Lebens – wie auf der Intensivstation oder im Kinderhospiz – ebenso thematisiert wurden wie das, was einen Menschen ausmacht und in der Musik unverwechselbar mit seinem Leben verbunden ist. Gelungen sei bei allen die Enttabuisierung dieses so gern verdrängten Themas, betonte Zernikow, der ebenso die originelle Kampagne eines Hospizes zur Gewinnung neuer Ehrenamtlicher für einen vielversprechenden Weg hält, um Ängste abzubauen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Essen: Belohnung fürs Gehirn

Fett- und kohlenhydratreiches Essen aktiviert Hirnareale besonders stark

Pommes, Sahnetorte, Chips und Schokoriegel machen dick und sind ungesund. Aber dennoch können wir die Finger davon nicht lassen. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Stoffwechselforschung in Köln haben nun eine Erklärung dafür geliefert: Nahrungsmittel, die sowohl reich an Fetten als auch Kohlenhydraten sind, haben einen besonders starken Einfluss auf das Belohnungssystem in unserem Gehirn.

Sowohl fettiges als auch kohlenhydratreiches Essen aktiviert jeweils das Belohnungssystem im Gehirn, wenn auch über unterschiedliche Signalwege. Kommen Kohlenhydrate und Fette im Essen zusammen, wird dieser Effekt noch verstärkt. In der Natur gibt es keine Nahrungsmittel, die einen hohen Anteil von Fetten und Kohlenhydraten in sich vereinen: Entweder sind sie wie bei Nüssen reich an Fetten, oder wie bei Kartoffeln oder Getreide reich an Kohlenhydraten.

Eine Ausnahme ist Muttermilch. „Alle Säugetiere kennen Muttermilch“ sagt Forschungsgruppenleiter Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, der die Studie in Kooperation mit Forschern der Yale Universität in Connecticut durchgeführt hat. „Wahrscheinlich werden wir durch Muttermilch darauf geprägt, besonders intensiv auf Nahrung reich an Kohlenhydraten und Fetten zu reagieren und dieses als besonders belohnend wahrzunehmen, weil dies überlebenswichtig ist.“

Spiel um Essen

Die Wissenschaftler wollten wissen, ob Menschen aus unterschiedlichen Kalorienquellen bestehende Nahrung mehr oder weniger stark bevorzugen. Um diese Frage zu beantworten, spielten 40 Freiwillige gegen einen Computer um Essen. Angeboten wurden fett- oder kohlenhydratreiche Nahrungsmittel sowie Essen, dass fettig und kohlenhydratreich zugleich ist. Um ein Lebensmittel zu erspielen, mussten die Probanden den Computer überbieten. Hierbei wurde die Bereitschaft zum Bezahlen untersucht. Für das fett- und kohlenhydratreiche Essen wurde das meiste Geld geboten. Für die Studienteilnehmer war es also offenbar am attraktivsten.

Während des Spielens zeichneten die Forscher die Gehirnaktivität der Probanden in einem Magnetresonanztomografen auf. Die Messungen ergaben, dass eine Kombination aus Fetten und Kohlenhydraten die Gehirnareale des Belohnungssystems intensiver aktiviert als die anderen angebotenen Lebensmittel. Dieser Befund stimmt mit den Ergebnissen des Spiels überein.

Belohnung ist stärker als Sättigungsgefühl

Ein Belohnungsreiz, der in der Evolution zum Überleben der Menschheit beigetragen hat, wird uns in der heutigen Welt des Überflusses zum Verhängnis. „Wir sind nicht dazu gemacht, ständig nein zu sagen. Deshalb hören wir meistens nicht auf zu essen, obwohl wir satt sind“, betont Tittgemeyer. Offenbar überlagern die Belohnungssignale das Sättigungsgefühl – Übersättigung und Übergewicht sind die Konsequenzen.

Hinzu kommt, dass wir ausgerechnet die Nährwerte fett- und kohlenhydratreiches Essens kaum einschätzen können: Baten die Forscher die Teilnehmer der Studie, den Kaloriengehalt der dargebotenen Lebensmittel zu schätzen, gelang ihnen das bei den fett- oder kohlenhydratreichen Essen relativ genau. Bei fett- und kohlenhydratreichem Essen lagen sie dagegen oft daneben. Dabei liefert Essen, das gleichzeitig reich an Fetten und Kohlenhydraten ist, nicht automatisch mehr Kalorien.

Die Erkenntnisse könnten für die Behandlung von Menschen mit Übergewicht eine wichtige Rolle spielen. Vor allem wenn aus Essen ein Suchtfaktor wird, ist die Behandlung des Konsumverhaltens von großer Bedeutung und ein grundlegender Schritt aus der Sucht. Autor: Dr. Annegret Burkert – Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Profi-Fußball: Wenn Perfektionismus zum Problem wird

Fußball-Weltmeister Per Mertesacker hat im März eine große Debatte ausgelöst um den Druck, dem Profifußballer ausgesetzt sind. Nun stehen ab Donnerstag wieder große Duelle an, K.O.-Spiele, Elfmeterschießen, vor einem Millionenpublikum – die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland beginnt. Zum Trainingsprogramm sollte und wird der Umgang mit Druck gehören, sagt Anne-Marie Elbe, Professorin für Sportpsychologie an der Universität Leipzig. Der Bedarf sei immens. In einer Studie mit dänischen und schwedischen Profi-Fußballern fand die Sportpsychologin heraus: Fast 17 Prozent der Teilnehmer zeigten Symptome einer Depression.

„Was viele Leistungssportler auszeichnet, ist der Perfektionismus“, sagt Anne-Marie Elbe. „Der wirkt erstmal positiv, motivierend. Aber er kann auch Angst erzeugen, nämlich die Angst davor, nicht perfekt zu sein. Und die treibt viele Profi-Fußballer um, gepaart mit der Angst vor der Bewertung durch andere, der sogenannten sozialen Angst. Diese Zusammenhänge hat unsere Studie deutlich aufgezeigt.“

Gefühle von Hilflosigkeit und Schuld, wenig Appetit und Schlafstörungen und eine depressive Stimmung könnten die Folge sein – und wurden von fast 17 Prozent der Befragten geäußert. Für die Leipziger Forscherin kein überraschendes Ergebnis: „Mentale Probleme können im Profisport gehäuft auftreten. Wichtig ist, ihnen professionell zu begegnen. Denn wenn die genannten Verstimmungen über einen längeren Zeitraum andauern, spricht man von Depression, und dann braucht es Hilfe seitens der klinischen Psychologie.“

323 Spieler der ersten und der U19-Mannschaften der dänischen und schwedischen Erstligisten beantworteten die Fragen der Wissenschaftler – drei Viertel der angefragten Fußballer. Anne-Marie Elbe war bis 2017 an der Universität Kopenhagen tätig und leitete die Studie. Die Ergebnisse, die nach Elbes Einschätzung in anderen Ländern ähnlich zu erwarten wären, veröffentlichten die Forscher in der renommierten Fachzeitschrift „Psychology of Sport and Exercise.“

„Die Verantwortlichen in den Vereinen und die Spieler selbst waren sehr offen, das hat uns die Arbeit natürlich erleichtert“, berichtet Elbe. Allgemein sei das Thema Depression in der Branche kein Tabu mehr, auch in Deutschland nicht. „Es gab prominente Fälle, und es gibt inzwischen nicht nur bei der Nationalmannschaft einen Sportpsychologen, sondern auch bei den meisten Bundesligavereinen und deren Nachwuchsleistungszentren.“

Letzteres sei auch zwingend nötig. „Generell gilt es, sportpsychologische Trainingsmethoden stärker in die Nachwuchsausbildung zu integrieren. Bereits im Jugendalter sollten Fußballer darauf vorbereitet werden, wie sie mit Drucksituationen umgehen können. „Das sollte genauso dazugehören wie das technische und taktische Training.“

Aber kann man sich wirklich darauf vorbereiten, in das Elfmeterschießen eines WM-Finales zu gehen und vor einer Kulisse von 80.0000 lauthals skandierenden Zuschauern den entscheidenden Elfmeter zu halten? „Ja, das kann man trainieren“, sagt Sportpsychologin Elbe. „Es gibt diverse Methoden dafür, neuerdings auch Simulationsmöglichkeiten mithilfe der sogenannten virtuellen Realität. Wichtig ist dabei immer: Jeder Spieler braucht eine individuelle Betreuung, denn jeder hat seine eigene Version dessen, was wir in der Fachsprache optimale Funktionszone nennen. Was braucht er also in welcher Situation? Muss er sich rauf- oder runterregulieren? Welche Methode wirkt bei ihm am besten? Das gilt es herauszufinden.“

Die Entwicklung gehe in die richtige Richtung, nicht nur im Fußball. „Aber wir sollten die psychologischen Faktoren weiter erforschen, um die Prävention zu erleichtern. Auslöser für Depressionen sind bei Leistungssportlern eben andere als zum Beispiel bei Lehrern. Ungewöhnlich sind sie nicht, die Profi-Fußballer können den Druck nicht loswerden. Aber dass einem Spieler vor einem WM-Match in der Kabine vor Angst schlecht wird, das sollte nicht passieren.“ Quelle: Universität Leipzig

Die Publikation:
Jensen, S.N., Ivarsson, A., Fallby, J., Dankers, S. und Elbe, A.-M: „Depression in Danish and Swedish Elite Football Players and its relation to perfectionism and anxiety.“ In: Psychology of Sport and Exercise, Ausgabe Mai 2018.

Fußball Weltmeisterschaft: Massiver Anstieg von Diabetes und Übergewicht

Deutschland muss raus aus der Sitz-Falle! Diesen dramatischen Appell richtet die gemeinnützige Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft an Politik und Gesellschaft.

Welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, erläutert unter anderem Kult-Fußballtrainer Christoph Daum morgen auf einer Pressekonferenz in Berlin. Dort üben Experten zugleich scharfe Kritik am Deutschen Fußballbund (DFB), der an seinen Premium-Werbepartnern Coca-Cola und McDonalds festhält. „Eine Vorbildfunktion sieht anders aus“, beklagt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Parkinson: Vitamin B3 hat positive Wirkung auf geschädigte Nervenzellen

Eine Form des Vitamins kurbelt den Energiestoffwechsel in Nervenzellen an und schützt sie vor dem Absterben, berichten Tübinger Forscher. Der Wirkstoff könnte einen möglichen Therapieansatz darstellen.

Zittrige Hände, steife Muskeln und verlangsamte Bewegungen – das sind die typischen Symptome der Parkinsonerkrankung. Rund 220.000 Personen sind in Deutschland von der Krankheit betroffen, die zunehmend mit steigendem Alter auftritt. Sie beruht auf dem Verlust von Nervenzellen im Gehirn und ist bislang nicht heilbar. Ein Forschungsteam um Dr. Dr. Michela Deleidi am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und der Universität Tübingen berichtet nun, dass der Wirkstoff Nicotinamid-Ribosid einen möglichen Therapieansatz darstellen könnte. Es handelt sich dabei um eine Form des Vitamins B3. Erste Ergebnisse im Labor waren vielversprechend: „Das Mittel kurbelt den defekten Energiestoffwechsel in betroffenen Nervenzellen wieder an und schützt sie vor dem Absterben“, erklärt Deleidi. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Studie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Cell Reports.

Beschädigte Kraftwerke führen zum Zelltod

Wie Parkinson entsteht, ist noch nicht genau geklärt. Klar ist, dass zunehmend dopaminhaltige Nervenzellen in der Region der schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Gehirn absterben. In jüngster Zeit festigt sich die Erkenntnis, dass in den betroffenen Nervenzellen die Mitochondrien beschädigt sind. Mitochondrien funktionieren wie kleine Kraftwerke in den Zellen und sind für die Produktion von Energie verantwortlich. Sind sie defekt, kann das zum Tod der Zelle führen. „In unserer Studie wollten wir untersuchen, ob die beschädigten Mitochondrien nur eine Begleiterscheinung oder Auslöser der Parkinsonerkrankung sind“, sagt Studienleiterin Deleidi.

Um das herauszufinden, entnahmen die Forscher in einer internationalen Zusammenarbeit Zellen aus der Haut von Parkinsonpatienten. Diese stimulierten sie so, dass zunächst Stammzellen aus ihnen entstanden, die sich dann zu Nervenzellen weiterentwickelten. Die Zellen hatten einen Defekt im sogenannten GBA-Gen, dem häufigsten Risikogen für Parkinson. Wie bei „echten“ Nervenzellen waren die Funktion ihrer Mitochondrien und ihre Energieproduktion beeinträchtigt.

Frischekur für Zellkraftwerke

Die Wissenschaftler versuchten nun, die Bildung von neuen Mitochondrien anzuregen. Dabei spielt das Coenzym NAD eine wichtige Rolle. Die Wissenschaftler fütterten die Zellen mit Nicotinamid-Ribosid, einer Form des Vitamins B3 und Vorstufe des Coenzyms. Dadurch stieg die Konzentration von NAD in den Zellen an. Das Ergebnis: „Der Energiehaushalt in den Nervenzellen verbesserte sich stark. Es bildeten sich neue Mitochondrien und die Energieproduktion erhöhte sich.“

Um die Wirkung des Vitamins in einem lebenden Organismus zu be-obachten, untersuchten die Forscher im nächsten Schritt Fliegen mit einem GBA-Gendefekt. Wie bei Parkinsonpatienten sterben bei ihnen dopaminreiche Nervenzellen ab und sie haben mit steigendem Alter zunehmend Probleme beim Laufen und Klettern. Deleidi und ihre Kollegen teilten die Fliegen in zwei Gruppen. Bei einer reicherten sie das Futter mit dem Vitamin an, bei der anderen nicht. „Der Wirkstoff erzielte auch hier eine positive Wirkung: Bei den behandelten Fliegen starben viel weniger Nervenzellen ab als bei den unbehandelten.“ Darüber hinaus blieb bei ihnen das Bewegungsvermögen länger erhalten.

Möglicher Therapieansatz

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Verlust von Mitochondrien tatsächlich eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielt“, fasst Deleidi zusammen. „Die Gabe von Nicotinamid-Ribosid könnte ein neuer Therapieansatz sein.“ Ob das Vitamin tatsächlich bei Parkinson helfen kann, müssen weitere Studien zeigen. In Zukunft planen die Forscher, den Wirkstoff an Patienten zu untersuchen. „Andere Studien haben gezeigt, dass er von gesunden Versuchspersonen gut vertragen wird und auch bei ihnen den Energiestoffwechsel ankurbelt“, so Deleidi.

Originalpublikation
Schöndorf DC et al. (2018): “The NAD+ precursor, nicotinamide riboside, rescues mitochondrial defects and neuronal loss in iPSC and fly models of Parkinson’s disease“, Cell Reports, 23(10)
doi: 10.1016/j.celrep.2018.05.009

Mangelernährung: Maßnahmen zur gesunden Ernährung im Krankenhaus

Wer an Deutschland denkt, denkt eher an Übergewicht als an Mangelernährung. Dennoch ist auch letztere ein großes Problem mit vielen Folgeerkrankungen: Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen. Als besonders gefährdet gelten chronisch Kranke, Tumorpatienten und ältere Menschen. Immer häufiger sind aber auch Kinder betroffen, gerade wenn sie aus sozial schwachen Familien kommen. Dabei geht es nicht immer nur um die Essensmenge – auch eine einseitige Ernährung kann zu Mangelerscheinungen führen. 

„Mehr als jeder vierte Patient, der in eine Klinik eingewiesen wird, zeigt Zeichen einer Mangelernährung“, umreißt Professor Dr. med. Christian Löser das Ausmaß des Problems. Löser ist Chefarzt der Medizinischen Klinik der DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel und Kongresspräsident der DGEM. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit Mangelerscheinungen durch Ernährung. Energie- und Nährstoffmangel beeinflussen Heilungsprozesse: In der Folge liegen Patienten länger im Krankenhaus, haben eine schlechtere Lebensqualität und ein höheres Sterberisiko, wie Studien überzeugend belegen. „Wir dürfen Nahrung daher nicht mehr nur als Mittel zum Stillen eines Grundbedürfnisses ansehen, sondern als hochwirksamen Teil einer medizinischen Therapie“, sagt Ingrid Acker, VDOE-Kongresspräsidentin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des BerufsVerbands Oecotrophologie e.V. (VDOE). „Ernährung ist Therapie und Prävention“ heißt daher auch das Motto des diesjährigen Kongresses.

 Wie ernährungsmedizinische Erkenntnisse im Klinikalltag umgesetzt werden können, zeigt unter anderem das so genannte „Kasseler Modell“, das unter Lösers Federführung entwickelt wurde und mittlerweile international anerkannt ist. Zentrale Elemente sind unter anderem ein Screening auf Mangelernährung, das alle Patienten routinemäßig bei Aufnahme in die Klinik durchlaufen, etablierte Standards zur effektiven ernährungstherapeutischen Behandlung, bei Bedarf eine individualisierte, professionelle Ernährungsberatung und ein breites Speisenangebot mit speziellen hochkalorischen Menülinien, die den Patienten je nach Ernährungsstatus und individuellen Bedürfnissen angeboten werden. Unter- oder mangelernährte Patienten bekommen speziell nährstoffangereicherte, energiedichte Gerichte und können zudem aus einer breiten Palette von Zwischenmahlzeiten, wie zum Beispiel frisch hergestellten Shakes oder Fingerfood auswählen. „Unser Ziel ist es, den Mangel an Nährstoffen auszugleichen, die tägliche Energiezufuhr zu erhöhen, um den Ernährungszustand zu stabilisieren und so die Genesung zu fördern und weitere Komplikationen zu vermeiden“, sagt Löser.

 Nicht nur das zunehmende Übergewicht, sondern auch die Mangelernährung, ist ein hochrelevantes Problem in den wohlhabenden Ländern der Europäischen Union. Darauf hat bereits 2003 der Europarat in seiner wegweisenden Resolution eindrucksvoll hingewiesen und auf die damit verbundenen medizinischen, sozialen und gesundheitsökonomischen Folgen und Kosten verwiesen. Die EU hat vor diesem Hintergrund ein großes Aktionsprogramm namens „Stop Malnutrition“ eingeleitet, das jedoch im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten in Deutschland nur zögerlich realisiert wird. „Im Gegensatz zum Übergewicht kann man frühzeitig diagnostizierte Mangelernährung mit einfachen, etablierten ernährungstherapeutischen Maßnahmen effektiv und nachhaltig behandeln“, betont Ingrid Acker.

Ernährungsspezialisten fordern daher, dass die vorliegenden modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Mangelernährung nachhaltig in der klinischen und ambulanten Betreuung sowie in der Pflege umgesetzt werden. Verankert werden müssen die Erkenntnisse auch in der Ausbildung und den Anforderungen und Strukturen von Krankenhäusern und Betreuungseinrichtungen. „Davon profitiert zu allererst natürlich der Patient, das Modell ist aber auch unter wirtschaftlichen Aspekten ein Gewinn für die Klinik und das Gesundheitssystem“, sind sich die Tagungspräsidenten Löser und Acker einig.

 Quellen: Ernährungskongress 2018, DGEM

Statistisches Bundesamt (2013): Körpermaße nach Altersgruppe und Geschlecht. Mikrozensus 2013: https://www.desta-tis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/GesundheitszustandRelevantesVerhalten/Tabellen/Koerpermasse.html

Heilkraft der Bananen: Bananenschalen statt Pflaster?

Bananen schmecken nicht nur gut, sie heilen auch. Statt mit einem Pflaster werden in vielen Entwicklungsländern offene Wunden mit Bananenblättern oder -schalen bedeckt, selbst größere Wunden lassen sich erfolgreich behandeln. Ein Team von Wissenschaftlern an der Jacobs University Bremen um den Chemie-Professor Dr. Nikolai Kuhnert hat nun die heilende Kraft von Bananen genauer unter die Lupe genommen und 70 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert, die für die Wundheilung verantwortlich sein könnten.

Bananen schmecken nicht nur gut, sie heilen auch. Statt mit einem Pflaster werden in vielen Entwicklungsländern offene Wunden mit Bananenblättern oder -schalen bedeckt, selbst größere Wunden lassen sich erfolgreich behandeln. Ein Team von Wissenschaftlern an der Jacobs University Bremen um den Chemie-Professor Dr. Nikolai Kuhnert hat nun die heilende Kraft von Bananen genauer unter die Lupe genommen und 70 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert, die für die Wundheilung verantwortlich sein könnten.

Den Anstoß für das Forschungsprojekt gab eine von der Alexander von Humboldt Stiftung finanzierte Gastprofessur der aus Nigeria stammenden Pharmazeutin Prof. Dr. Mubo Sonnibare an der Jacobs University. Im westlichen Afrika wie in weiten Teilen Asiens sind Bananen traditionelle Heilmittel. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die in deutschen Supermärkten gängige Cavendish-Banane, der keine Heilkraft zugeschrieben wird, sondern um Musa acuminata, eine andere Pflanzenart.

Wie Kaffee oder Tee zeichnet sich die Banane durch viele polyphenolische, also aromatische Verbindungen aus. Einige wirken antibakteriell und desinfizierend, was zum Schutz einer Wunde vor bakteriellen Infektionen beiträgt. Andere wiederum wirken adstringierend, also zusammenziehend – ein Effekt, der etwa auf der Zunge spürbar ist. Wenn diese Verbindungen auf die Haut treffen, verändern sie deren Eiweiße und bilden eine Art Schutzschicht über der Wunde.

Um genau festzustellen, welche Heilkraft die einzelnen Verbindungen haben, müssten weitere, aufwändige Versuche durchgeführt werden, denn für die Wundheilung spielt eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. „Durch die Forschung haben wir ein tieferes Verständnis über ein traditionelles Arzneimittel gewonnen“, sagt Kuhnert. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt im „Journal of Food Measurement and Characterization“ veröffentlicht.

Quelle:
Sonibare, M. A.; Ayoola, I. O.; Gueye, B.; Abberton, M. T.; D’Souza, R.; Kuhnert, N., Leaves metabolomic profiling of Musa acuminata accessions using UPLC–QTOF–MS/MS and their antioxidant activity. Journal of Food Measurement and Characterization 2018, 1-14.

Weltnichtrauchertag 2018: Tödlicher Herzensbrecher Tabakrauch

Rauchen und Passivrauchen erhöhen nicht nur das Risiko, an Krebs zu erkranken, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, Herz-Kreislaufkrankheiten zu entwickeln und daran zu sterben. Auf diesen schwerwiegenden Zusammenhang macht eine aktuelle Publikation des Deutschen Krebsforschungszentrums aufmerksam, die anlässlich des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufenen Weltnichtrauchertags am 31. Mai mit dem diesjährigen Motto „Tobacco breaks hearts“ herausgegeben wurde.

Herz-Kreislaufkrankheiten sind in Deutschland mit etwa 40 Prozent aller Todesfälle die Todesursache Nummer eins. Dabei ist allein das Rauchen für ein gutes Zehntel der durch Herz-Kreislaufkrankheiten verursachten Sterbefälle verantwortlich – dies sind rund 35.000 Todesfälle pro Jahr. Selbst in geringen Dosen können die Inhaltsstoffe im Tabakrauch das Herz-Kreislauf-System schädigen: „Schon eine Zigarette pro Tag steigert das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken, deutlich“, so Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Dennoch ist der schädliche Einfluss des Rauchens und Passivrauchens auf das Herz-Kreislaufsystem in Deutschland vielen nicht bewusst: So weiß ein gutes Viertel der Raucher nicht, dass Rauchen das Schlaganfallrisiko erhöht und sogar mehr als der Hälfte der Raucher ist nicht bekannt, dass auch Passivrauchen das Risiko für einen Schlaganfall steigert, wie Daten einer Studie des DKFZ zeigen, für die im Jahr 2016 rund 1000 Raucher befragt wurden.

Bei der Information der Bevölkerung zu diesem Thema besteht also Nachholbedarf. So gab es in Deutschland in den letzten Jahren keine bundesweiten nachhaltigen Informationskampagnen, obwohl Aufklärung und Information dazu beitragen können, ein Bewusstsein für die Gefahren des Rauchens und Passivrauchens auszubilden. Auf der anderen Seite gibt die Tabakindustrie rund 200 Millionen Euro jährlich für Tabakmarketing aus, darunter etwa 70 Millionen Euro für Außenwerbung, um den Tabakkonsum und die Akzeptanz des Rauchens zu fördern.

Deutschland hat sich gegenüber der WHO dazu verpflichtet, bevölkerungsweite politische Maßnahmen voranzutreiben, um die vorzeitige Sterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten bis zum Jahr 2025 um 25 Prozent zu senken und die Zunahme von Herzerkrankungen zu stoppen. Tabakprävention kann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum appelliert daher an die Bundesregierung, dieser Verpflichtung endlich nachzukommen. „Zahlreiche Maßnahmen sind längst überfällig: Neben einer verstärkten Aufklärung und Information der Öffentlichkeit sind ein umfassendes Tabakwerbeverbot, ein bevölkerungsweiter Nichtraucherschutz und spürbare Tabaksteuererhöhungen notwendig, um einen merklichen Rückgang des Tabakkonsums und der damit verbundenen gesundheitlichen Folgen zu erreichen“, so Mons. (Quelle: DKFZ)